Wie Vermieter günstig Ökostrom verkaufen

Verordnung soll 2017 in Kraft treten

Nach einem Beschluss der Bundesregierung wird für Vermieter keine Ökostromzulage mehr fällig, wenn sie ihren Strom an Mieter verkaufen. Welche Vermieter davon profitieren.

Die Bundesregierung hat sich auf Nachbesserungen am Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) geeinigt. Künftig werden (Ver)Mieterstrommodelle möglich. Was bedeutet das für Vermieter und Mieter?

Gesetzliche Neuregelung für Mieterstrom

Am 8. Juli 2016 wurde das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) novelliert. Das Bundeswirtschaftsministerium wurde dadurch ermächtigt, auf dem Verordnungsweg die sogenannte EEG-Umlage für Mieterstrom zu reduzieren. Die EEG-Umlage resultiert aus der Abnahmepflicht der Stromnetzbetreiber von privat erzeugtem Ökostrom. Sie bemisst sich aus der Differenz aus Ausgaben und Einnahmen (Verkauf an Strombörse) bei der Förderung der Stromerzeugung. Genau wie bei Einfamilien-Häusern soll damit die EEG-Umlage für Mieterstrom-Klein-Anlagen bis 10 kW Leistung entfallen. Für größere Anlagen sollen noch 40 Prozent anstatt 100 Prozent der EEG-Umlage von derzeit 6 Cent/kWh anfallen. Die Regelung muss allerdings noch von der EU gebilligt werden. Im Fall einer EU-Zustimmung soll die Regelung Anfang 2017 in Kraft treten.

Folgen für Vermieter


Vermieter dürfen Solarstrom an ihre Mieter verkaufen.

Die Gesetzesänderung betrifft Hauseigentümer mit Solaranlagen, die ihr Haus ganz oder teilweise vermieten. Bisher wurde für Vermieter, die ihre Mieter mit Solarstrom vom eigenen Hausdach versorgen, die EEG-Umlage von aktuell 6,35 ct/kWh netto fällig. Dies soll nun geändert werden. Hausbesitzer als natürliche Personen sollen den Solarstrom nun ihren Mietern verkaufen dürfen, ohne dafür die Ökostromumlage bezahlen zu müssen. „Die Konditionen sollen zwischen Vermieter und Mieter frei verhandelbar sein“, lautet es in einem Eckpunktepapier zur EEG-Reform. Bisher waren nur Eigentümer, die sich mit einer Dachanlage selbst versorgten, von den steigenden Umlagen auf Ökostrom teilweise oder ganz befreit, nicht aber Vermieter als Betreiber dieser Anlagen und die dort wohnenden Mieter. Auch Bürgergenossenschaften sollen zukünftig eine faire Chance gegenüber großen Stromkonzernen bekommen. Gewinnen sie eine Ausschreibung für eine neue Ökostromanlage, erhalten sie einen Bonus.

Worauf Vermieter achten sollten

Der Wegfall der EEG-Umlage bringt sowohl Vermietern als auch Mieternh einen Kostenvorteil, den sie untereinander aufteilen können. Allerdings fallen für Vermieter, die eine Solaranlage errichten wollen und den Strom an ihre Vermieter verkaufen wollen, aktuell noch bürokratische Hürden an: Möchte ein privater Vermieter diesen grünen Strom an seine Mieter verkaufen, muss er weiterhin ein Gewerbe anmelden, mit einzelnen Mietern Stromlieferverträge abschließen und Vereinbarungen mit den Netzbetreibern und Energieversorgern schließen. Der Eigentümerverband Haus & Grund hat daher die Bundesregierung aufgefordert, diese Hemmnisse mit einer Stromkostenverordnung zu beseitigen. Dann könnten Vermieter die Stromkosten – vergleichbar der Wärme über die Heizkostenverordnung – als Betriebskosten abrechnen.

Wohneigentümergemeinschaften profitieren nicht von Regelung

Wohnungseigentümergemeinschaften (WEG) sind allerdings von der Stromeigenversorgung ausgeschlossen. Der Dachverband Deutscher Immobilienverwalter (DDIV) hält „diese Benachteiligung für untragbar“ und fordert daher, eine Klarstellung zugunsten von Wohnungseigentümergemeinschaften vorzunehmen. Es sieht allerdings aktuell nicht danach aus, dass die Bundesregierung dieser Forderung nachkommt.

Sorglos-Pakete einiger Netzbetreiber

Einige Netzbetreiber haben auf die Gesetzes-Novelle bereits reagiert und bieten sogenannte Sorglos-Pakete an. Sie müssen sonst durch die Neuregelung befürchten, dass immer mehr private Stromerzeuger durch Mieter eigene Abnehmer finden, die nicht mehr auf die Dienste der Netzbetreiber zurückgreifen. Die MEP-Werke bieten beispielsweise deshalb den Vermietern und Stromerzeugern ein Rundum-sorglos-Paket mit dem Argument an, dass sich die Vermieter sich durch das Mietmodell um nichts kümmern müssten. Denn das mietbare Rundum-sorglos-Paket, zum monatlichen Festpreis über 20 Jahre beinhalte ein umfangreiches Leistungsangebot mit einer individuellen Wirtschaftlichkeitsberechnung und Planung über Montage, Betrieb, Wartung und Versicherung bis hin zum umfassenden Kundenservice und der kostenlosen Entsorgung nach Ablauf der Mietzeit. Vor Abschluss solcher Abrechnungsmodelle empfiehlt es sich für die privaten Stromproduzenten zu überprüfen, ob sich die Verträge für sie wirklich rechnen und wie die Ausstiegsmodalitäten geregelt sind.