Wo die Müllabfuhr am günstigsten ist

Erhebliche Gebührenunterschiede in deutschen Städten

Der Eigentümerverband Haus & Grund hat die Müllgebühren in den 100 größten Städten Deutschlands verglichen und herausgefunden, wo diese am niedrigsten und am höchsten sind.

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Die Müllabfuhr macht oft mehr als zehn Prozent der Nebenkosten aus. Städte, die zu einer preisgünstigen Müllabfuhr beitragen, sorgen daher für geringere Wohnkosten der Mieter und Eigennutzer. Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln hat im Auftrag von Haus & Grund Deutschland die Kosten der Müllabfuhr in den 100 größten Städten Deutschlands miteinander am Musterfall einer vierköpfigen Familie verglichen. Über die günstigste Müllabfuhr verfügen danach die Städte Flensburg, Chemnitz und Nürnberg.

Wie die Müllabfuhrgebühren miteinander verglichen wurden


Für Haushalte werden 60 Liter Restmüll pro Woche als Berechnungsgröße festgelegt.

Um die Müllgebühren in den 100 Städten mit den meisten Einwohnern vergleichbar zu machen, wird ein Musterhaushalt definiert, der die vier Müllsorten Restmüll, Biomüll, Sperrmüll und Altpapier produziert. Andere Müllsorten werden entweder als gebührenfreier (Wertstoff) oder nicht regelmäßig anfallend (Sondermüll) angesehen. Eine Leerung der Tonnen ohne Mitwirkung des Haushalts wird als Vollservice bezeichnet; Werden Tonnen hingegen durch den Haushalt z.B. am Bürgersteig bereitgestellt, so ist dies ein Teilservice. In Kombination mit einem wöchentlichen und einem vierzehntägigen Abholrhythmus werden somit vier verschiedene Systemvarianten untersucht. Um einen Vergleich in einem Gesamtranking zu ermöglichen, werden für die nicht angebotenen Systemvarianten hypothetische Gebühren approximiert und die Ergebnisse in einem Müllgebührenindex zusammengefasst.

Der Musterhaushalt besteht aus insgesamt vier Personen – zwei Erwachsenen und zwei Kindern. Diese genaue Differenzierung ist notwendig, da die Personengebühren in einigen Städten altersabhängig sind. Die Familie besitzt ein Einfamilienhaus und betreibt keine Entsorgungsgemeinschaft mit den Nachbarn. Biomüll wird nicht kompostiert, sondern über die Biotonne oder die Restmülltonne entsorgt.

In den Gebührenmodellen vieler Städte ist die Restmüllmenge die entscheidende Berechnungsgröße. In diesem Vergleich wird von einem durchschnittlichen Aufkommen von 60 Litern Restmüll je Haushalt und Woche (15 Liter pro Person) ausgegangen. Dieser Wert wird von sparsamen Haushalten zwar als relativ hoch wahrgenommen, ist aber durchaus als realistisch anzunehmen. Für das Biomüllaufkommen wird von 20 Litern je Haushalt und Woche ausgegangen.

Um die Vergleichbarkeit weitestgehend zu gewährleisten, werden daher vier verschiedene Systemvarianten gebildet: 1 Woche Teilservice (T7), 2 Wochen Teilservice (T14), 1 Woche Vollservice (V7), 2 Wochen Vollservice (V14).

Welche Städte die niedrigsten Müllgebühren haben

Über den Index wurden die Kosten der vier unterschiedlichen Systemvarianten berücksichtigt. Eine hohe Indexzahl steht für niedrige Müllgebühren, eine niedrige Indexzahl für hohe Müllgebühren. Die zehn Städte mit den niedrigsten Müllgebühren (höchste Indexpunkte) sind demnach in der Reihenfolge mit steigenden Gebühren: Flensburg (134,1), Chemnitz (131,6), Nürnberg (130,7), Magdeburg (129,6), Solingen (127,6), Mainz (127,3), Regensburg (126,7), Augsburg (125,4), Halle an der Saale (125,2) und Ratingen (124,5).

Welche Städte die höchsten Müllgebühren abkassieren

Die zehn Städte mit den höchsten Müllgebühren (niedrigste Indexpunkte) sind demnach in der Reihenfolge mit sinkenden Gebühren: Leverkusen (16,8), Moers (39,4), Karlsruhe (66,7), Bergisch Gladbach (68,6), Lünen (69,5), Düren (74,5), Reutlingen (74,7), Mönchengladbach (75,9), Pforzheim (76.0), Kaiserslautern (76,0) und Oberhausen (77,7).

Wie die größten Städte im Test abschnitten

Die 20 deutschen Großstädte mit den meisten Einwohnern wiesen sehr unterschiedliche Müllgebühren auf, wie an der Höhe der Indexpunkte ersichtlich ist (viele Indexpunkte = geringe Kosten): Berlin (96,6), Hamburg (98,8), München (116,1), Köln (83,3), Frankfurt am Main (111,7), Stuttgart (113,3), Düsseldorf (83,6), Dortmund (84,8), Essen (123,9), Bremen (91,4), Leipzig (86,6), Dresden (95,0), Hannover (99,8), Nürnberg (130,7), Duisburg (95,0), Bochum (98,9), Wuppertal (100,8), Bielefeld (112,7), Bonn (112,1) und Münster (92,4).

Folgerung der Untersuchung für Eigentümer, Vermieter und Kaufinteressenten

„Zwischen der günstigsten und teuersten Stadt liegen 600 Euro im Jahr. Dafür gibt es Gründe, die die Kommunen jetzt dringend analysieren müssen“, forderte Warnecke. Er betonte, dass mit der Untersuchung keine Stadt an den Pranger gestellt werden solle. Sie solle vielmehr Motivation für die Städte sein, ihren Bürgern künftig eine gleiche Servicequalität zu niedrigeren Preisen anzubieten. Es fällt jedoch auf, dass die Höhe der Müllgebühren oft in einem Zusammenhang mit der Verschuldung und der wirtschaftlichen Situation der Stadt stehen: Je höher eine Stadt verschuldet ist, desto eher versucht sie Einnahmen über höhere Müllgebühren zu erzielen. Hohe Nebenkosten verteuern jedoch die Kaltmiete und machen einen Standort mit ohnehin unterdurchschnittlicher wirtschaftlicher Attraktivität noch unattraktiver. Warnecke wies darauf hin, dass die Müllabfuhr bis zu zehn Prozent der Wohnnebenkosten ausmache. Im Schnitt bezahlten die Bürger für die Müllabfuhr mehr als für Straßenreinigung, Grundsteuer, Schornsteinfegergebühr und Gartenpflegearbeiten zusammen. „Hier gibt es also ein großes Einsparpotenzial zum Nutzen von Mietern und Eigenheimern und um die Attraktivität der Städte zu steigern“, resümierte der Verbandschef.

Auch für Anleger und Kaufinteressenten von Wohnimmobilien empfiehlt es sich daher, die Höhe wichtiger Nebenkosten beim Kauf zu berücksichtigen, da hohe Nebenkosten die Chance der Wiedervermietung senken.