Was tun bei Hochwasser?

Schadensbegrenzung, Erstattung durch Versicherungen und Mieter-Ansprüche

Das aktuelle Hochwasser hat große materielle Schäden verursacht. Vermieter drohen zudem mit Mietminderung und Schadensersatzanspruch. Was Eigentümer machen können.

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Die aktuellen Unwetter in Deutschland haben ihre Spuren hinterlassen. Für die geschädigten Immobilieneigentümer empfiehlt sich zunächst, dringende notwendige Maßnahmen durchzuführen, die Schäden der Versicherung zu melden und sich einen Überblick zu verschaffen. Auch Eigentümer, die bislang verschont blieben, sollten überprüfen, ob sie für den Fall eines Hochwassers ausreichend abgesichert sind.

Vorgehen bei Hochwasser

Im Fall eines Hochwassers empfiehlt sich ein schrittweises Vorgehen: Betroffene Menschen oder Tiere retten, Strom abschalten, Gefahrstoffe (Chemikalien, Öle, Fette, Laugen und Pflanzenschutzmittel) beräumen, Öltanks abklemmen, verschließen und gegen Auftreiben sichern, Versicherung umgehend verständigen und den weiteren Ablauf der Aufräumarbeiten besprechen, Schaden für die Versicherung detailliert dokumentieren (Fotos, schriftliche Schadensliste). Zudem sollten die im Rahmen der Schadenminderungspflicht notwendigen Maßnahmen durchgeführt werden: Alles, was nass ist, muss aus Immobilien entfernt werden (Möbel, Fußböden, Tapeten) und die notwendige Maßnahmen zur Trocknung des Gebäudes eingeleitet werden (Feuchtigkeit restlos entfernen, Flächen säubern und Trocknungsgerät aufstellen und Heizung, Elektrik und evtl. Baustatik von einem Fachmann kontrollieren lassen).

Der Versicherungscheck


Hochwasserschäden werden durch eine Elementarschadenversicherung abgedeckt.

Zunächst sollte der individuelle Versicherungsschutz geprüft werden. Viele Hausbesitzer gehen irrtümlicherweise davon aus, dass die Gebäudeversicherung Hochwasserschäden grundsätzlich reguliert. Diese Versicherung bezahlt bei einem Hochwasser die entstandenen Schäden aber nur, wenn sie als sogenannte Elementarschäden mitversichert sind. Die Elementarschadenversicherung lässt sich nur in Verbindung zur Gebäudeversicherung ergänzen und ist dringend zu empfehlen, um existenzgefährdende Kosten vorzubeugen, die bei Hochwasser zustande kommen können. Da die Gebäudeversicherung ausschließlich Schäden am Gebäude reguliert, ist das Interieur nicht abgesichert. Damit auch das Mobiliar versichert ist, muss die Hausratversicherung sorgfältig geprüft werden. Auch hier muss der Zusatz "Elementarschäden" im Vertrag enthalten sein.

Tipps zu Aufräumarbeiten nach dem Hochwasser

Wenn das Wasser zurückgeht, beginnen viele unmittelbar mit den Aufräumarbeiten, um ihr Zuhause schnellstmöglich von Schlamm und Schmutz zu befreien. Doch hier ist Vorsicht geboten: Zum einen muss vor den Aufräumarbeiten eine möglichst umfangreiche und detaillierte Bestandsaufnahme für die Versicherung gemacht werden. Idealweise sollte noch vor dem Auspumpen des Kellers Fotos gemacht werden, um die Schäden zu dokumentieren. Anschließend gilt es die Versicherungen umgehend zu informieren. Möglicherweise verlangen diese die Besichtigung des Schadens durch einen Gutachter, bevor überhaupt jegliche Aufräumarbeiten beginnen dürfen. Allerdings liegt es nahe, dass Versicherte Maßnahmen einleiten dürfen, um einen noch größeren Schaden zu vermeiden. Dies wird dann als Schadenminderungspflicht des Versicherten bezeichnet. Bei bestimmten Feuchtigkeitsschäden empfiehlt es sich, ein Trocknungsgerät schnell zu mieten. Größere Feuchtigkeitsschäden sollten aber immer vom professionellen Fachpersonal begutachtet und behoben werden. Möbel, Gerätschaften und ähnliches müssen aus dem Wasser geborgen und getrocknet werden, damit die Schadenssumme nicht unnötig steigt.

Ansprüche von Mieter

Bei Vermieter kommen bei Hochwasser zudem eventuelle Ansprüche ihrer Mieter als zusätzliche Schäden hinzu. Grundsätzlich gilt, dass bei Gebäudeschäden und Wohnungsschäden durch Sturm und das eingedrungene Hochwasser der Eigentümer bzw. Vermieter und nicht der Mieter beseitigen muss. Auch für das Abpumpen des Wassers aus den Kellern und den Wohnungen ist der Vermieter verantwortlich, genauso wie für das Trockenlegen der Wohnung. In den Mietwohnungen selbst muss der Vermieter im Übrigen nur Schäden an den mitvermieteten Gegenständen (z. B. Einbauküche) übernehmen.

Solange die Wohnung auf Grund der Unwetterschäden nicht oder nur eingeschränkt nutzbar ist, hat der Mieter das Recht zur Mietminderung. Steht die Wohnung beispielsweise vollständig unter Wasser oder ist das Dach komplett abgedeckt und bietet keinen Schutz mehr, ist die Wohnung unbewohnbar, kann die Miete um 100 Prozent gekürzt werden. Der Mieter muss den Vermieter allerdings über die Wohnungsmängel informieren. Diese Anzeigepflicht ist vor allem wichtig, in denen der Vermieter nicht am Ort wohnt. Eine Mietvertragsklausel, wonach das Mietminderungsrecht in Fällen höherer Gewalt eingeschränkt ist, ist jedoch unwirksam.

Schadenersatzansprüche des Mieters gegen den Vermieter sind im Regelfall ausgeschlossen. Der Vermieter muss normalerweise auch keine Vorkehrungen gegen ganz seltene und ungewöhnliche Naturkatastrophen treffen. Anders allenfalls, wenn die Wohnung bekanntermaßen in einem Überschwemmungsgebiet liegt. Schadenersatz käme in Betracht, wenn der Vermieter mit der Beseitigung der Mängel in Verzug gerät und dadurch zusätzliche Schäden am Mieterinventar entstehen.

Ein entstandener Mietausfall wird durch die Gebäudeversicherung nicht in jedem Fall abgedeckt. Damit die Wohngebäudeversicherung für die Folgen aufkommt, muss der Mietausfall eindeutig dem jeweiligen Schadensereignis zugeordnet werden können. Diese ist beispielsweise der Fall, wenn eine Mietwohnung oder -haus aufgrund eines Sturms für einen gewissen Zeitraum unbewohnbar wird. Die Gebäudeversicherung übernimmt dann den durch die Unvermietbarkeit entstandenen finanziellen Schaden.

Tipp: Policen überprüfen

Auch vom aktuellen Hochwasser nicht betroffene Hausbesitzer sollten dies als Anlass nehmen, ihren Versicherungsschutz zu überprüfen. Da keine Versicherungspflicht für Elementarschaden besteht, fordern aktuell einige Politiker deren Einführung. Eigentümer sollten jedoch selbst aktiv werden und prüfen, ob sie ausreichend gegen Elementarschäden und bei vermieteten Objekten gegen Mietausfall geschützt sind. Tatsächlich ist es allerdings für Eigentümer in Hochwassergebieten schwierig, überhaupt eine entsprechende Police zu erhalten. Zudem richtet sich der Beitrag nach der Wahrscheinlichkeit einer Überschwemmung.