Guter Rat bei energetischen Sanierungen

Weshalb die Dienste der Energieberater selten in Anspruch genommen werden

Wie eine Studie des IW Köln zeigt, muss die Bundesregierung ihre ambitionierten Klimaziele überdenken. Trotz Förderung rechnen sich die Maßnahmen keinesfalls immer.

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Bis 2050 sollen fast alle Gebäude in Deutschland klimaneutral sein, so will es die Bundesregierung. Doch der Sanierungsfahrplan kommt trotz großer Anstrengung der Politik und zahlreicher Förderangebote nicht zügig genug voran. Während das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) daher der Politik zum Strategiewechsel rät, empfiehlt sich für Immobilieneigentümer ein möglichst wirtschaftliches schrittweises Vorgehen unter Einbeziehung der Fördermöglichkeiten.

Institut fordert von Bundesregierung realistisches Vorgehen statt Utopie

Wenn Deutschland die 2010 von der Bundesregierung festgelegten Klimaziele erreichen will, müssen vor allem Gebäude energieeffizient gemacht werden: Denn auf sie entfallen rund 40 Prozent des deutschen Energieverbrauchs und 30 Prozent der Treibhausgase. Innerhalb von 40 Jahren sollen Häuser, Büros und sonstige Bauten dank energetischer Sanierung klimaneutral werden, so der Plan.

Doch bereits heute zeigt sich: Das ist wohl kaum möglich. „Die Politik der vergangenen Jahre muss grundsätzlich überdacht werden“, sagt Ralph Henger. Der IW-Immobilienexperte stellt in einem Gutachten fest, dass Deutschland viel in hohe Standards und Leuchtturmprojekte wie das Passivhaus investiert hat, statt zunächst in der Breite zu sanieren, um den Energiebedarf langfristig zu senken. Denn nur wenn möglichst viele Gebäude energieeffizienter werden – selbst auf einem niedrigeren Niveau als zunächst geplant – können die Klimaziele erreicht werden. „Das Ziel klimaneutraler Gebäude geht damit nicht verloren, es wird sogar langfristig wahrscheinlicher“, erklärt Henger und fordert von der Bundesregierung einen neuen Sanierungsfahrplan. Wie das Gutachten zeigt, sind die Anreize für Hauseigentümer zur Wärmedämmung und zur Durchführung von Effizienzmaßnahmen durch den deutlichen Rückgang der Energiepreise enorm gesunken. Hinzu kommt, dass große Unsicherheiten auf Seiten der Verbraucher hinsichtlich der Umsetzung und Wirtschaftlichkeit von Effizienzmaßnahmen sowie der Inhalte und Qualität von Energieberatungsleistungen bestehen.

Konsequenz für Immobilieneigentümer

Während sich für Bauherren durch die Verschärfung der energetischen Auflagen auch die Baukosten erhöht haben, empfiehlt sich auch für Eigentümer bestehender Immobilien, Kosten und Nutzen der energetischen Maßnahmen möglichst genau abzuwägen. Zwar kann sich auch trotz gesunkener Gas- und Heizölpreis aufgrund gesetzlicher Förderungen der Einsatz regenerativer Energiequellen rechnen. Das Problem: Es ist für den Laien schwierig, die richtige Maßnahme mit der sinnvollsten Förderung herauszufinden.

Seit einigen Jahren werden Leistungen energetischer Gebäudesanierungen von verschiedenen Institutionen gefördert. So ist es beispielsweise möglich, eine Beratung, einzelne Maßnahmen im Rahmen einer Reparatur oder einer Modernisierung, oder ein Maßnahmenpaket mit angestrebtem Effizienzhausstandard bezuschusst zu bekommen. Die meiste Förderung erfolgt über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), mit zinsgünstigen Krediten und Tilgungszuschüssen (Programme 151/152) und Investitionszuschüssen (Programme 430) für bis zu 30 Prozent von maximal 100.000 Euro der förderfähigen Kosten. Daneben werden vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) über das Marktanreizprogramm (MAP) Maßnahmen zur Nutzung erneuerbarer Energien im Wärmemarkt (MAP) gefördert. Die Förderung kann zum Teil mit einer Vielzahl von bestehenden Förderprogrammen der Länder, Kommunen oder der Energieversorger kombiniert werden.

Über das Marktanreizprogramm (MAP) des BMWi wird seit April 2015 auch der Aus- tausch von Heizungsanlagen gezielt gefördert. Seit dem 1.1.2016 werden durch das neue Anreizprogramm Energieeffizienz (APEE) zusätzliche Investitionszuschüsse für Brennstoffzellen-Heizungen gewährt. Über das KfW-Programm 431 ist es auch möglich, die Hälfte der Kosten für die Baubegleitung, maximal jedoch 4000 Euro pro Vorhaben, bezuschusst zu bekommen. Förderungen für eine vorherige Vor-Ort-Beratung lassen sich beim BAFA beantragen. Für eine diese Beratung erhält ein Gebäudeeigentümer seit März 2015 60 Prozent der Bruttoberatungskosten bis maximal 800 Euro für Ein- und Zweifamilienhäuser und maximal 1100 Euro für Mehrfamilienhäuser (BAFA, 2016). Diese sind vor allem für die Sanierungsfahrpläne relevant, da innerhalb dieser Beratung der zeitliche Rahmen und die individuellen Maßnahmen besprochen werden.

Aufgrund der Vielfalt und der zum Teil recht komplexen Ausgestaltungen und Voraussetzungen der einzelnen Förderprogramme ist es jedoch für die interessierten Eigentümer nur schwer möglich, das für den jeweiligen Fall sinnvollste Programm herauszufiltern.

Rolle der Energieberater

„Eine wichtige Rolle spielen dabei auch Energieberater“, sagt Henger. Um möglichst viele Hausbesitzer für Sanierungen zu gewinnen, müssen sie gezielt beraten werden, zudem muss die Bundesregierung das gesamte Fördersystem für Beratungen und Sanierungen vereinfachen.

Mittlerweile existieren zwar zahlreiche Beratungsangebote für Hauseigentümer, die Wärmschutzmaßnahmen an ihrem Gebäude durchführen möchten. Zusätzlich zu den im vorigen Kapitel beschriebenen Möglichkeiten einer Vor-Ort-Beratung des BAFA oder der geförderten Baubegleitung der KfW bieten auch viele Verbraucherschutzzentralen und Handwerker Beratungsleistungen an. Die Motivation privater Haushalte besteht dabei zumeist in einer erhofften Heizkostenersparnis. Wie die Erfahrungen zeigen, ist die Qualität der Energieberatung derzeit noch sehr unterschiedlich. Daher verwundert es nicht, dass viele Eigentümer dieser Leistung gegenüber skeptisch eingestellt sind. Laut Studien liegt die unterschiedliche Qualität daran, dass es keine Mindestanforderung einer Energieberatung gibt, die Qualitäts- und Kontrollmaßnahmen gering sind und sich die Maßnahmen tatsächlich erst nach langen Zeiträumen amortisieren. Mittlerweile gibt es aber auch im Internet zahlreiche Hilfen. Die digitale Plattform „energieheld“ berät beispielsweise Hausbesitzer individuell rund um energieeffiziente Gebäudesanierung. Dazu gehören Bau- und Fördermöglichkeiten, die Verbindung mit passenden Handwerkern und die Koordination zwischen den Beteiligten im Sanierungsprozess.

Zahl der Vermieter in Deutschland könnte sich verdreifachen

Ein Blick auf die Vorsorgepläne der Deutschen zeigt: Infolge der Niedrigzinsen und der Umorientierung der Erwerbstätigen auf Immobilien zur Vorsorge könnte sich die Zahl der Vermieter hierzulande nahezu verdreifachen. Derzeit vermieten neun Prozent aller Berufstätigen eine Immobilie. Weitere 16 Prozent wollen dies in Zukunft tun, um auch im Alter noch regelmäßige Einkünfte zusätzlich zur Rente zu erzielen.

Bei den selbstgenutzten Immobilien ist der erwartete Anstieg im Verhältnis geringer. 18 Prozent der Befragten planen derzeit den Kauf eines Eigenheims oder einer Eigentumswohnung – das sind etwa halb so viele, wie heute bereits darüber verfügen.

Die Ergebnisse der repräsentativen Studie beruhen auf der telefonischen Befragung von 3.324 Erwerbstätigen und im Ruhestand befindlichen Personen aus allen 16 Bundesländern der Bundesrepublik. Durchgeführt wurde die Umfrage im März 2016 vom britischen Markt- und Meinungsforschungsinstitut Yougov.