Rekord bei Wohnungsgenehmigungen

Anstieg von mehr als 30 Prozent gegenüber Vorjahreszeitraum

Im ersten Quartal 2016 wurde laut dem Statistischen Bundesamt der höchste Stand zu einem Jahresanfang seit 2004 bei den Wohnbaugenehmigungen erteilt. Die Folgen für Käufer und Besitzer von Immobilien.

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In Ballungsräumen ist der Bedarf an neuen Wohnungen durch den starken Zuzug und den bis 2009 beobachteten Rückgang der Neubautätigkeiten von Wohnimmobilien gestiegen. Nun berichtet das Statistische Bundesamt im ersten Quartal 2016 einen Deutschland-Rekord bei den Baugenehmigungen seit zwölf Jahren. Doch Genehmigungen und Bautätigkeiten entwickeln sich regional sehr unterschiedlich.

30 Prozent mehr Baugenehmigungen gegenüber Vorjahr


Im ersten Quartal 2016 wurde der Bau von insgesamt 84.800 Wohnungen genehmigt.

Im Zeitraum Januar bis März 2016 wurden in Deutschland 30,6 Prozent oder knapp 20.000 mehr Baugenehmigungen von Wohnungen erteilt als in den ersten drei Monaten 2015. Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden weiter mitteilt, wurde im ersten Quartal 2016 der Bau von insgesamt 84.800 Wohnungen genehmigt. Eine höhere Zahl hatte es in einem ersten Vierteljahr zuletzt im Jahr 2004 gegeben (88.900). Von den im ersten Quartal 2016 genehmigten Wohnungen waren 71.200 Neubauwohnungen in Wohngebäuden (plus 28,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum). Dieser starke Zuwachs zeigte sich gleichermaßen in allen Gebäudearten, und zwar in Einfamilienhäusern (plus 23 Prozent beziehungsweise plus 4700 Wohnungen), in Zweifamilienhäusern (plus 26,8 Prozent beziehungsweise plus 1200 Wohnungen) und in Mehrfamilienhäusern (plus 23,7 Prozent beziehungsweise plus 6800 Wohnungen). Die Baugenehmigungen für Wohnungen in Wohnheimen haben sich mehr als verdoppelt (plus 146,8 Prozent beziehungsweise 3100 Wohnungen). Zu dieser Kategorie zählen unter anderem Flüchtlingsunterkünfte. Die Zahl der genehmigten Um- und Ausbaumaßnahmen an bestehenden Gebäuden, die zu neuen Wohnungen führten, erreichte von Januar bis März 2016 mit 12.500 Wohnungen den höchsten Wert seit dem ersten Quartal des Jahres 1997 (14.400).

Folge des Anstiegs der Baugenehmigungen

Die Anzahl der Baugenehmigungen ist nicht gleichzusetzen mit einem Mehrangebot an Wohnraum. So erfolgt nicht nach jeder Baugenehmigung immer tatsächlich auch der Bau einer Wohnung, da einige Bauherren ihr Vorhaben aus verschiedenen Gründen nicht durchführen oder zurückstellen. Auch wenn nach der Baugenehmigung tatsächlich mit dem Bau begonnen wird, so kann es etwa ein bis drei Jahre dauern, bis der Wohnraum fertig gestellt und bezugsfähig ist. Eine spürbare Zunahme der Baugenehmigungen wirkt sich daher oft mit einer Verzögerung von eineinhalb bis zwei Jahren erst auf den regionalen Wohnungsmarkt aus. Dann kann tatsächlich ein höheres Angebot den Anstieg der Wohnungspreise dämpfen oder im Extremfall sogar senken. Dies hängt natürlich von der Entwicklung, dem Zuzugs und der Beschäftigungsentwicklung vor Ort ab, aber auch von der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung. Verschlechtert sich beispielsweise die konjunkturelle Lage und steigt die Arbeitslosigkeit an, stellen viele Kaufinteressenten den Wohnungskauf zurück, weshalb dann oft vor allem die Preise von Neubauwohnungen unter Druck geraten. Entwickelt sich die (regionale) Wirtschaft dagegen gut, wirkt sich ein höheres Angebot an Neubauwohnungen eher preisdämpfend im Bereich der Bestandswohnungen aus.

Regionale Unterschiede

Große Nachfrage und Knappheit an Wohnraum besteht vor allem in den großen Ballungsräumen sowie einigen Hochschulstandorten. Im vergangenen Jahr wurden bundesweit 309.000 Baugenehmigungen erteilt – 99.000 davon, also rund ein Drittel, entfielen auf die kreisfreien Großstädte. Zu diesem Ergebnis kommt eine Auswertung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR). Damit blieb die Zahl der Baugenehmigungen in den Großstädten auf dem Niveau von 2014. In fünf der sieben größten deutschen Städte ließ die Dynamik der Baugenehmigungen nach. Im Umland und in den ländlichen Kreisen gab es dagegen deutliche Steigerungen. Zum Teil wird also dort zuviel gebaut (ländliche Gegenden), wo langfristig eher weniger Wohnraum benötigt wird, während in einigen Großstädten nicht genug gebaut wird. Dies hängt zum Teil auch damit zusammen, dass aufgrund der zu geringen Bautätigkeit in einigen Großstädten viele Bauherren beim Eigenheim ins Umland ausweichen und dann zur Arbeit pendeln. In den sieben größten deutschen Städten Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt am Main, Stuttgart und Düsseldorf wurden in 2015 knapp 51.000 neue Wohnungen genehmigt, das waren drei Prozent weniger als noch 2014 (52.500). Bei genauerer Analyse zeigen sich in den Big Seven jedoch unterschiedliche Trends. Berlin verzeichnete mit der Genehmigung von 22.300 neuen Wohnungen gegenüber dem Vorjahr einen großen Zuwachs um 16 Prozent (2014: 19.200). Bis auf Stuttgart (plus sechs Prozent) verloren alle anderen Metropolen jedoch, besonders stark Düsseldorf (minus 53 Prozent) und Hamburg (minus 21 Prozent).

Zahl der Vermieter in Deutschland könnte sich verdreifachen

Ein Blick auf die Vorsorgepläne der Deutschen zeigt: Infolge der Niedrigzinsen und der Umorientierung der Erwerbstätigen auf Immobilien zur Vorsorge könnte sich die Zahl der Vermieter hierzulande nahezu verdreifachen. Derzeit vermieten neun Prozent aller Berufstätigen eine Immobilie. Weitere 16 Prozent wollen dies in Zukunft tun, um auch im Alter noch regelmäßige Einkünfte zusätzlich zur Rente zu erzielen.

Bei den selbstgenutzten Immobilien ist der erwartete Anstieg im Verhältnis geringer. 18 Prozent der Befragten planen derzeit den Kauf eines Eigenheims oder einer Eigentumswohnung – das sind etwa halb so viele, wie heute bereits darüber verfügen.

Die Ergebnisse der repräsentativen Studie beruhen auf der telefonischen Befragung von 3.324 Erwerbstätigen und im Ruhestand befindlichen Personen aus allen 16 Bundesländern der Bundesrepublik. Durchgeführt wurde die Umfrage im März 2016 vom britischen Markt- und Meinungsforschungsinstitut Yougov.