Zunahme von Übernachtungen in Privatunterkünften

Städte bestrafen Privatvermieter mit Zweckentfremdungsverbot

In Deutschland wurden 2015 mehr als 14,5 Millionen Übernachtungen in Privatunterkünften über Onlineportale vermittelt. In Berlin drohen den Vermietern ab sofort harte Strafen.

Die Vermittlung von Privatunterkünften durch Onlineportale wie Airbnb, Wimdu oder 9flats breitet sich zunehmend aus. Unter Touristen und Städtebesuchern steigt die Nachfrage an den relativ günstigen Übernachtungen mit privatem Flair ebenso wie das Wohnungsangebot, das den Anbietern eine interessante Einkommensquelle bietet. Doch die Budget-Hotels machen zunehmend Druck gegen die lästige Konkurrenz und können zunehmend kommunale Politiker und Behörden für ihr Interesse gewinnen, den Markt der Privatunterkünfte durch restriktive Regulierungen zu behindern.

Aktuelle Bedeutung der Privatunterkünfte


Jeder elfte Städtereisende übernachtet in einer Privatunterkunft.

Mitte April veröffentlichte das Immobilienentwicklungsunternehmen GBI AG neue Zahlen zu der Anzahl von Privatübernachtungen durch Online-Portale. Danach seien im vergangenen Jahr 14,5 Millionen private Übernachtungen durch Portale wie Airbnb, Wimdu oder 9flats vermittelt worden, die nicht von der amtlichen Statistik erfasst wurden. 46.400 Privatunterkünfte würden dabei dauerhaft an Touristen vermietet. „Der Tourismusrekord liegt also noch deutlich höher als die für 2015 offiziell gezählten 436 Millionen kommerziellen Übernachtungen, nämlich bei mehr als 450 Millionen“, erläutert Dr. Stefan Brauckmann, Leiter der Abteilung Research & Analyse des Immobilienentwicklers GBI AG. Untersucht wurden 179 Städte mit mehr als 50.000 Einwohnern. Bezogen auf die dort offiziell rund 157 Millionen Übernachtungen ergibt sich über Privatunterkünfte ein Zuschlag von 9,3 Prozent. „Somit übernachtet faktisch jeder elfte Städtereisende bei Airbnb & Co“, so Brauckmann.

In welchen Städten Onlineportale stark genutzt werden

Die über die Onlineportale vermittelten Privatübernachtungen konzentrieren sich besonders auf die Metropolen. Mehr als zehn Millionen private Übernachtungen finden in den Millionenstädten Berlin, München, Hamburg und Köln statt. Die restlichen rund vier Millionen Übernachtungen in Privatquartieren verteilen sich auf die übrigen 175 Städte. Laut der Auswertung der GBI ergibt sich folgende Reihenfolge nach Anzahl der Privatquartier-Übernachtungen: Berlin (6.106.200), Hamburg (1.983.400), München (1.906.500), Köln (644.000), Leipzig (507.000), Frankfurt am Main (406.700), Dresden (308.900), Düsseldorf (289.700), Region Hannover (226.900), Stuttgart (224.800) und Nürnberg (134.500). Die restlichen ausgewerteten Städte weisen weniger als 100.000 Privatübernachtungen aus, wobei die Anzahl in Dortmund (90.700), Essen (70.600) und Potsdam (69.700) unter den Städten mit weniger als 100.000 Privatübernachtungen noch am höchsten waren.

Marktanteil der Privatübernachtungen

In der Meldung der GBI wird die Anzahl online vermittelter Privatübernachtungen als „Graumarktanteil“ zur amtlichen Übernachtungsstatistik in Hotels und Pensionen ins Verhältnis gesetzt. „In Berlin kommt zu 30,25 Millionen offiziell gezählten Übernachtungen ein Graumarkt-Plus von 20,2 Prozent hinzu, der höchste Wert in allen Städten.“ Hamburg weist hier ein Plus von 15,7 Prozent, München 13,6 Prozent und Köln 10,8 Prozent aus. Leipzig schiebt sich in die Riege der Millionenstädte auf den zweiten Ranking-Platz mit 17,9 Prozent. „Leipzig wird zum einen als Reiseziel immer beliebter. Zum anderen hat sich hier eine besonders starke Privatquartier-Szene entwickelt, viel stärker etwa als in deutlich größeren Städten wie Frankfurt/Main oder Stuttgart“, so Brauckmann. Die zusätzlich ermittelten Übernachtungen verteilen sich bundesweit auf mehr als 46.400 angebotene Privatunterkünfte. Berücksichtigt seien bei der Ermittlung aber nur Privatunterkünfte, die dauerhaft zur Vermietung angeboten wurden und wenn die Schlafstellen auch über eigenes Bad und WC verfügen – also als gewerbsmäßige Konkurrenz zu Hotels und Pensionen angesehen werden können.

Empfehlung und Interesse der Studienleitung

Laut GBI würde durch die Vermietung an Städtereisende das Angebot kleiner Apartments extrem sinken. So würden rechnerisch in Berlin ohnehin nur 75.000 Ein-Zimmer-Wohnungen, für jeden zwölften Ein-Personen-Haushalt, bestehen. Die an Touristen vermittelten Privatunterkünfte würden daher dem ohnehin angespannten Wohnungsmarkt entzogen.

Die GBI, die die Untersuchung durchführte, hat allerdings kein Interesse daran, dass Touristen zunehmend in Privatunterkünften übernachten. Denn das Unternehmen entwickelt Hotels im Budget-Segment, die also im direkten Wettbewerb zu den Privatübernachtungen stehen. Dennoch wird in einem sehr restriktiv ausgelegten Zweckentfremdungsverbot mit drakonischen Strafen von bis zu 100.000 Euro, wie es zurzeit die Stadt Berlin verfolgt, auch von der GBI keine Möglichkeit gesehen, die Online-Vermittlung von Privatunterkünften wirksam zu stoppen.

„Viel effektiver wäre es, dem wachsenden Personenkreis der Familien, der länger als ein paar Tage in Berlin und anderen gefragten Städten bleiben möchte, preisgünstige Alternativen zum herkömmlichen Beherbergungs- und Wohnungsmarkt anzubieten.“ Das gleiche gilt für Serviced Apartments. Diese werden neben Touristen und Wochenendpendlern auch von Dienstreisenden genutzt, die einige Wochen oder Monate in der Stadt bleiben. Mit solchen Angeboten seien in Berlin bei Aufenthalten von mindestens einer Woche Übernachtungspreise von 35 bis 40 Euro pro Tag möglich, noch mal deutlich unter Preisen für Budgethotels.

Politik wenig zielführend

Einige Großstädte wie Berlin und München greifen äußerst rabiat mit sogenannten Zweckentfremdungsverboten in die Eigentümerrechte der Vermieter ein und wenden diese Regulierungen zunehmend restriktiv an. Dabei liegt das Problem der Wohnungsknappheit in den Großstädten oft in der zögerlichen und ungenügenden Baurechtsschaffung sowie durch marktfeindliche Eingriffe in die Mietverträge durch die kommunalen Behörden und Politik. Offensichtlich halten selbst Interessenvertreter der Hotels eine solche Politik für wenig zielführend, zumal eine touristenfeindliche Übernachtungspolitik der Branche insgesamt auch Schaden zufügen kann.