Deutsche setzten bei Altersvorsorge auf Immobilien

Zahl der Vermieter könnte sich verdreifachen

Obwohl die Altersvorsorge zu den wichtigsten Zielen der Deutschen gehört, will mehr als die Hälfte von ihnen keine private Rentenversicherung mehr abschließen und stattdessen in Immobilien investieren.

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Der Versicherungskonzern Axa ließ Telefoninterviews mit Erwerbstätigen und Ruheständlern repräsentativ in allen 16 Bundesländern zum Thema Altersvorsorge der Deutschen durchführen. Um langfristige Veränderung in der Einschätzung und im Vorgehen der Altersvorsorge zu erkennen, wurden die Ergebnisse zudem mit einer zehn Jahre älteren Umfrage des Versicherers aus dem Jahr 2005 verglichen.

Kernergebnis: Unsichere Berufstätige und glückliche Ruheständler


Der Kauf einer Immobilie ist im Vergleich mit anderen Anlageformen die beliebteste.

Die finanzielle Absicherung im Ruhestand gehört für mehr als drei Viertel der heute Erwerbstätigen zu den drei wichtigsten Lebenszielen. Fast sechs von zehn (57 Prozent) berichten aber, dass ihnen heute das Thema Altersvorsorge mehr Angst macht als früher. Jeder dritte Erwerbstätige (32 Prozent) erklärt sogar, dass er sich persönlich vor Verarmung im Alter fürchte.

In fünf Ländern (Berlin, Bremen, Hessen, Niedersachen, NRW) betrachtet dennoch eine relative Mehrheit der Berufstätigen die eigene bisherige Altersvorsorge als ausreichend. Vor allem in Ostdeutschland (ohne Berlin) berichten hingegen die meisten von einer nicht ausreichenden eigenen Vorsorge. Berufstätige im Osten haben zudem auch seltener eine betriebliche Altersversorgung als im Westen.

Mit 87 Prozent hat Hamburg den größten Anteil unter Erwerbstätigen, die sich selbst als sehr oder eher glücklich bezeichnen. Schlusslicht bei dieser Frage ist im Länder- Vergleich Baden-Württemberg (75 Prozent).

Sowohl drei Viertel der Berufstätigen als auch der Rentner und Pensionäre sagen voraus, dass die nächste Rentnergeneration finanziell schlechter dastehen wird. Als größte Freude im Ruhestand erwarten die Berufstätigen zudem genau das, was Ruheständler tatsächlich als ihre größte Freude nennen: "Machen zu können, was ich will" (Ruheständler 64 Prozent, Erwerbstätige 55 Prozent) und "Viel Zeit zu haben" (Erwerbstätige 60 Prozent, Ruheständler 56 Prozent).

Niedrigzins bewirkt Rückgang der privaten Vorsorge

Jeder zweite Erwerbstätige in Deutschland (49 Prozent) fragt sich, ob private Altersvorsorge überhaupt noch Sinn macht. Am häufigsten ist dies bei den Erwerbstätigen in Ostdeutschland, Thüringen liegt hier an der Spitze (61 Prozent). Doch auch in Bayern wird die Sinnhaftigkeit der Vorsorge stark bezweifelt (58 Prozent). Wegen der Niedrigzinsen will mehr als die Hälfte (55 Prozent) der Erwerbstätigen in Deutschland keine neuen Vorsorgeverträge mehr abschließen.

Wohneigentum ist stark gefragt

Gleichzeitig nimmt die Orientierung hin zu Immobilien für die private Altersvorsorge extreme Züge an: Bundesweit plant mehr als jeder vierte Erwerbstätige (27 Prozent), sich eine Immobilie zur Eigennutzung oder Vermietung anzuschaffen.

Den Kauf einer Immobilie zur Vermietung planen Erwerbstätige häufiger als jede andere Anlageform zur Altersversorgung wie etwa Zinssparen oder Rentenversicherungen. In vermietete Immobilien zur Altersvorsorge wollen fast doppelt so viele Erwerbstätige investieren, wie heute über diese Anlage verfügen. Jeder Vierte könnte so künftig zum Vermieter werden. Nur die Anschaffung eines Eigenheims wird noch knapp häufiger bei der Vorsorge-Planung präferiert.

Zahl der Vermieter in Deutschland könnte sich verdreifachen

Ein Blick auf die Vorsorgepläne der Deutschen zeigt: Infolge der Niedrigzinsen und der Umorientierung der Erwerbstätigen auf Immobilien zur Vorsorge könnte sich die Zahl der Vermieter hierzulande nahezu verdreifachen. Derzeit vermieten neun Prozent aller Berufstätigen eine Immobilie. Weitere 16 Prozent wollen dies in Zukunft tun, um auch im Alter noch regelmäßige Einkünfte zusätzlich zur Rente zu erzielen.

Bei den selbstgenutzten Immobilien ist der erwartete Anstieg im Verhältnis geringer. 18 Prozent der Befragten planen derzeit den Kauf eines Eigenheims oder einer Eigentumswohnung – das sind etwa halb so viele, wie heute bereits darüber verfügen.

Die Ergebnisse der repräsentativen Studie beruhen auf der telefonischen Befragung von 3.324 Erwerbstätigen und im Ruhestand befindlichen Personen aus allen 16 Bundesländern der Bundesrepublik. Durchgeführt wurde die Umfrage im März 2016 vom britischen Markt- und Meinungsforschungsinstitut Yougov.