Deutlich mehr Wohnungseinbrüche

Höchster Stand seit 15 Jahren

Die Zahl der Wohnungseinbrüche 2015 ist in Deutschland dramatisch um zehn Prozent auf 167.000 Fälle gestiegen. Es gibt große Unterschiede in den Bundesländern.

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Die Tageszeitung „Die Welt“ berichtet vor der geplanten offiziellen Veröffentlichung der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) des Bundeskriminalamtes im Mai 2016 durch Bundesinnenminister Thomas de Maizière über die bundesweite Entwicklung von Wohnungseinbrüchen.

Zahlen der vergangenen Polizeilichen Kriminalstatistik

Laut der zuletzt offiziell vorgelegten Zahlen der PKS gab es im Jahr 2014 exakt 152.123 Wohnungseinbruchdiebstähle. Damals lag der Anstieg gegenüber dem Vorjahr noch bei 1,8 Prozent. Auch die Aufklärungsrate lag mit 15,9 Prozent im Bereich des Jahres zuvor (15,5 Prozent). Sonst liegt die Aufklärungsquote von Straftaten mit 54,9 Prozent (2014) deutlich höher. Nur bei wenigen anderen Straftaten, wie etwa der Diebstahl von Fahrrädern (2014: 9,6 Prozent) oder dem Taschendiebstahl (5,7 Prozent), ist die Aufklärungsquote noch niedriger. Im Verhältnis zu den Einwohnern wurde 2014 in den Großstädten mit mehr als 200.000 Einwohnern in Bremen (557,3 Wohnungseinbruchdiebstähle pro 100.000 Einwohner), Köln (489), Dortmund (479,6) und Essen (433,6) am häufigsten eingebrochen. Die relativ zu den Einwohnzahlen wenigsten Wohnungseinbrüche gab es in Augsburg (69,4), Chemnitz (74,8) und in Erfurt (84,0). Auch in den Aufklärungsquoten der Wohnungseinbrüche gibt es je nach Großstadt extreme Unterschiede. Die beste Aufklärungsquote konnte die Polizei in Erfurt (28,5 Prozent), Chemnitz (27,6 Prozent), Krefeld (27,0 Prozent), Rostock (26,9) und Mannheim (26,5 Prozent) vorweisen. Am wenigsten erfolgreich war die Polizei bei der Aufklärung von Wohnungseinbrüchen in Mainz (6,1 Prozent), in der Bundeshauptstadt Berlin (6,6 Prozent), in Bremen (6,9 Prozent) und in Köln (8,1 Prozent).

Tatsächliche Aufklärung noch geringer

Noch niedriger beziffert diesen Wert Professor Christian Pfeiffer vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen anhand einer eigenen Studie. Er befragte mit seinem Team 2500 Opfer von Wohnungseinbrüchen in den Städten München, Stuttgart, Bremerhaven, Hannover und Berlin. Das Ergebnis: Nur in 2,6 Prozent der Fälle kam es schließlich zu einem Gerichtsverfahren gegen einen oder mehrere Verdächtige. Es stellt sich die Frage: Warum aber ist der Wert des Bundeskriminalamtes so viel höher? Die Antwort des Kriminologie-Professor Pfeiffer: In der polizeilichen Statistik gilt der Fall bereits als aufgeklärt, wenn die Fahnder einen Tatverdächtigen namentlich nennen können – auch wenn sich der Verdacht letztendlich nicht erhärtet.

Wohnungseinbrüche laut dem Bericht in „Die Welt“

Nach der neuen PKS 2015 wurde laut der Tageszeitung beim Wohnungseinbruchdiebstahl im vergangenen Jahr mit 167.136 Fällen ein Rekordwert registriert. Das ist eine deutliche Zunahme um 9,9 Prozent im Vergleich zum Jahr 2014. Überdurchschnittlich hoch war 2015 die Zahl der Wohnungseinbrüche in Hamburg (plus 20,2 Prozent), in Nordrhein-Westfalen (plus 18,1 Prozent) und in Niedersachsen (plus 13,1 Prozent).

Andere Straftaten mit hohen Zuwächsen in 2015

Laut PKS 2015 zeichnet sich als Trend für das vergangene Jahr ab, dass vor allem die Eigentumsdelikte zugenommen haben. Fast 40 Prozent aller Straftaten sind Diebstahldelikte. Sie legten insgesamt um 1,8 Prozent auf 2,48 Millionen Fälle zu. Hohe Zuwachsraten gab es beim Laden- und Taschendiebstahl. So verzeichnete die Polizei 7,1 Prozent mehr Diebstähle in Geschäften (391.401 Fälle) und sieben Prozent mehr Taschendiebstähle (168.142 Fälle).

Reaktion auf die Veröffentlichung neuer Wohnungseinbruchszahlen

Das Bundesinnenministerium wollte die Zahlen nicht kommentieren. Ein Sprecher sagte in Berlin, er könne sie nicht bestätigen. Die Daten für die jährliche Kriminalstatistik kämen aus den Ländern und würden bundesweit gesammelt. Bevor Minister Thomas de Maizière (CDU) die neue Kriminalstatistik voraussichtlich im Mai präsentiere, sei ein intensiver Abgleich der Daten nötig, und dieser Prozess sei noch nicht abgeschlossen.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) sprach von einer zwangsläufigen Folge jahrelangen Personalabbaus. "Die Polizei ist gezwungen, sich aus der Fläche zurückzuziehen. Deshalb hat die Polizei schon Reviere schließen müssen", teilte der stellvertretende GdP-Bundesvorsitzende Jörg Radek mit. Durchschnittlich geschehe alle drei Minuten ein Einbruch. Seit 2005 sei die Zahl der Wohnungseinbrüche um rund 52 Prozent gestiegen.