Mieten für Studentenwohnungen steigen

Für Investoren bleibt der Mark interessant

In Berlin sind die Mieten für Studentenwohnungen am stärksten gestiegen, in München zahlen Studenten weiterhin am meisten. Studien zeigen, wie sich die Mieten entwickelt haben und wie die Aussichten sind.

30 Quadratmeter, Einbauküche und anderthalb Kilometer von der Uni entfernt – so sieht eine typische deutsche Studentenwohnung aus. Doch während ein Münchner Student dafür im vergangenen Jahr 580 Euro Warmmiete hinlegte, zahlte ein Student für die gleiche Wohnung in Bochum mit nur 329 Euro rund 40 Prozent weniger. Zu dem Ergebnis kommt der Index, den das IW Köln und DREF auf Grundlage einer Datenbank von ImmobilienScout24 künftig regelmäßig zum Semesterstart erstellen werden.

Mietanstieg seit 2010 für Studentenwohnungen


In Berlin steigen die Mieten für Studentenwohnungen um 30 Prozent.

Studenten zahlen in allen elf betrachteten Städten mehr als 2010. Mit knapp 30 Prozent Preisanstieg ist vor allem Berlin deutlich teurer geworden. Jedoch liegt das Ausgangsniveau mit 6,48 Euro niedriger als in den anderen Metropolen. Auch in Städten mit ohnehin hohem Mietniveau, wie beispielsweise München oder Stuttgart, sind mit 16,5 Prozent beziehungsweise 18,2 Prozent hohe Preissteigerungen zu verzeichnen. An Deutschlands zweitgrößtem Hochschulstandort München ist das Mietpreisniveau bis zum ersten Halbjahr 2015 um 19,8 Prozent gestiegen, aber im zweiten Halbjahr um 3,2 Prozentpunkte gesunken und somit fällt der Rückgang etwas stärker aus als in Hamburg, Köln oder Frankfurt. Mit Indexsteigerungen von 11,1 Prozent, 11,7 Prozent und 11,8 Prozent bis zum aktuellen Stand in Frankfurt, Hamburg und Köln waren sowohl der Anstieg, als auch die Korrektur hier weniger stark ausgeprägt als in München.

Der Anstieg seit 2010 fällt in Bochum (+ 7,0 Prozent), Bonn (+ 7,3 Prozent) und Köln (+ 6,6 Prozent) der Durchschnittsmieten im Vergleich zu Berlin, Stuttgart und München wesentlich moderater aus. Grundsätzlich sind in den meisten der betrachteten Städte die Mieten im Markt für studentisches Wohnen stärker gestiegen als im Gesamtmarkt.

WG-Mieten zum Sommersemester

Die Studie des IW Köln und DREF auf Grundlage der Datenbank von ImmobilienScout24 deckt sich in etwa mit der Auswertung von Angeboten für Studenten-Wohngemeinschaften durch das Empirica Institut. Danach ist zu Beginn des Sommersemesters 2016 der Standardpreis für ein unmöbliertes WG-Zimmer mit 530 Euro in München am höchsten, gefolgt von Frankfurt a.M. (447 Euro) und Stuttgart (430 Euro). Die günstigsten Angebote gibt es in Wilhelmshaven (230 Euro) und in Chemnitz (216 Euro). In den Hochschulstandorten insgesamt liegt der Standardpreis zum aktuellen Semester bei 340 Euro und somit 21 Prozent über dem Niveau aus dem Sommersemester 2012.

Gründe für den starken Mietanstieg

Sowohl in Berlin als auch in Stuttgart ist laut der Studie des IW Kölns der Anstieg der Mieten im jeweiligen Index ein Preiseffekt, der auf die Zunahme der jüngeren Bevölkerung, also auf einen Anstieg der Nachfrage, zurückzuführen ist. Allein zwischen März 2012 und März 2014 hat die Anzahl der allein lebenden Singles in Stuttgart im Alter zwischen 18 und 29 Jahren um fünf Prozent zugenommen.

Weniger Inserate für Studentenwohnungen

Mit Blick auf die Mietpreisdynamik des studentischen Wohnens und die durchweg gestiegenen Mieten ist eine weitere Anspannung des betrachteten Marktes erkennbar. In Städten wie Köln, Berlin, Frankfurt, Stuttgart und München ist die Zahl der inserierten Wohnungen von 2010 bis 2015 kontinuierlich zurückgegangen und hat sich in diesem Zeitraum teilweise um mehr als ein Drittel reduziert. Das geringere Angebot trifft durch den gleichzeitigen Anstieg der Studienanfängerzahlen auf eine höhere Nachfrage, so dass mehr Studenten um eine geringere Anzahl an Wohnungen konkurrieren.

Gute Aussichten für Anbieter privater Studentenwohnungen

Auch wenn sich in einigen Städten eine Stabilisierung der Entwicklung abzeichnet, wird der Druck für Studenten wird wahrscheinlich sogar noch weiter steigen. Schließlich wachsen die Großstädte weiter, die Bautätigkeit kann aber kaum mithalten. Und gerade junge Erwerbstätige zieht es in die Großstädte, die mit Studenten um günstige und zentrale Wohnlagen konkurrieren. Der Markt für Studentenwohnungen bleibt damit für Investoren hochinteressant. Jedoch ist es fraglich, ob die inzwischen vielfach gebauten hochwertigen Mikroappartments tatsächlich von Studenten akzeptiert werden. Denn schließlich liegt die durchschnittliche Miete solcher privaten Wohnanlagen oftmals deutlich über dem hier bestimmten Marktmietpreis, auch inklusive der Nebenkosten. Private Studentenwohnheime, die sich preislich zwischen den öffentlichen Wohnheimen und dem privaten Markt positionieren, dürften dagegen besser akzeptiert werden. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Zahl der Studenten in vielen Städten bald ihren Höhepunkt erreicht haben und sich in den 2020er Jahren die Entwicklung wieder moderieren dürfte.