Abwasseranlage-Prüfung

Für Hausbesitzer kann die Prüfung teuer werden

Laut Wasserhaushaltsgesetz müssen Hauseigentümer, deren Immobilien an einem Kanal angeschlossen sind, für die Dichtheit ihrer Abwasseranlagen sorgen. In manchen Gemeinden kann dies teuer werden.

Viele Hausbesitzer in Unterschleißheim bei München sind schockiert. Seit Herbst 2014 führte der Abwasserzweckverband Dichtigkeitsprüfungen durch. Wo Schäden am Kanal festgestellt wurden, sollten Eigentümer für die Reparatur Rechnungen bis über 9000 Euro begleichen. Kein Einzelfall: Nach dem Wasserhaushaltsgesetz hat seit 2010 jeder an den Kanal angeschlossene Hausbesitzer die Pflicht, für die Dichtheit seiner Abwasseranlagen Sorge zu tragen. Doch in Bundesländern und Gemeinden wird dies in der Praxis sehr unterschiedlich gehandhabt.

Was das Gesetz vorschreibt

Wahlweise werden eine EU-Richtlinie (91/271/EWG), das Wasserhaushaltsgesetz (WHG) des Bundes oder eine Norm (DIN 1986-30) herangezogen, wenn es darum geht, Hausbesitzern die Notwendigkeit einer baldigen Prüfung ihrer Abwasserleitungen nahezulegen. Die EU-Richtlinie aber bezieht sich nicht auf private Abwasserleitungen, sondern betrifft nur kommunales Abwasser. Das Wasserhaushaltsgesetz besagt (in § 61), dass jeder, der eine Abwasseranlage betreibt, verpflichtet ist, ihren Zustand und ihre Funktionsfähigkeit zu überprüfen. Eine Frist schreibt das Gesetz allerdings nicht vor. Die ist wiederum in der aus dem Jahr 2003 stammenden DIN 1986-30 vorgegeben. Ursprünglich war dort vorgesehen, dass Erstprüfungen bis zum 31.Dezember 2015 durchgeführt werden müssen. In der aktualisierten Fassung von 2012 wurde die Stichtagsregelung allerdings in eine Zeitspannenregelung geändert. Demnach sollen Anlagen für häusliches Abwasser alle 20 Jahre geprüft werden. Sofern eine Neuanlage nachweislich geprüft wurde, dürfen bis zum erneuten Test 30 Jahre verstreichen. Allerdings obliegt die Fristsetzung dem Gesetzgeber.

Was ist eine Grundstücksentwässerungsanlage?

Eine Grundstücksentwässerungsanlage umfasst alle abwassertechnischen Anlagen, d.h. Rohre, Schächte, Abscheider oder ähnliches auf den Grundstücken. Sie dient dem Sammeln, dem Fortleiten bzw. dem Behandeln von Schmutz- und Regenwasser. Die Grundstücksentwässerungsanlage endet am Übergabepunkt zum öffentlichen Kanal. In der Regel ist dies die Grundstücksgrenze. Für die Grundstückentwässerungsanlage ist der Grundstückseigentümer verantwortlich.

Unterschiedliche Regelungen in den Regionen


Bundesländer entscheiden über Häufigkeit der Prüfung von Abwasserleitungen.

Aufgrund der gesetzlichen Vorgaben kann jedes Bundesland oder teilweise auch einzelne Städte und Gemeinden selbst festlegen, welche Kanäle wie oft geprüft werden müssen. Im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen galt zunächst laut Landeswassergesetz, dass in Wasserschutzgebieten alle häuslichen Abwasserleitungen, die vor 1965 errichtet wurden, bis zum 31. Dezember 2015 einer Erstprüfung unterzogen werden müssen. Für private Abwasserleitungen außerhalb von Wasserschutzgebieten sind die durch den Landesgesetzgeber vorgegebenen Prüffristen durch den Wegfall des § 61 a LWG NRW allerdings komplett entfallen. Die Stadt oder Gemeinde kann hier selbst Fristen durch Satzung bestimmen, wenn sie dieses möchte.

In Bayern gibt es bislang kein entsprechendes Landesgesetz, sondern nur eine Mustersatzung des Innenministeriums, in der von einem 20-Jahre-Turnus für Dichtheitsprüfungen die Rede ist. Neubauten werden generell sofort geprüft, Altbauten dagegen bis vor einigen Jahren gar nicht. Fachleute gehen deshalb von zahlreichen undichten Stellen im Kanalnetz aus. Die Prüfungen müssen Hausbesitzer selbst in Auftrag geben und ebenso selbst bezahlen wie die Schadensbehebung.

In vielen Bundesländern regelt eine Eigenkontrollverordnung oder Eigenüberwachungsverordnung, wie oft und in welchem Umfang Abwasseranlagen kontrolliert werden müssen. Allerdings sind in Baden-Württemberg, Bremen, Saarland, Rheinland-Pfalz sowie den östlichen Bundesländern in den jeweiligen Verordnungen kleine häusliche Abwasseranlagen ausdrücklich von einer Prüfpflicht ausgenommen.

In Schleswig-Holstein gelten ähnliche Fristen wie in Nordrhein-Westfalen, die DIN 1986 Teil 30 wird als Vorgabe verwandt. Danach musste in Wasserschutzgebieten bis 2015 eine Dichtheitsprüfung der häuslichen Abwasserleitungen durchgeführt werden. Die Wiederholungsprüfungen stehen dann je nach Zone alle fünf, 15 oder 30 Jahre an. Außerhalb von Wasserschutzgebieten muss die Erstprüfung bis spätestens 31.12.2025 erfolgen, beziehungsweise sobald die anliegenden öffentlichen Kanäle geprüft und saniert sind. Weil sich aber abzeichnet, dass viele der Kommunen ihre Kanalisation nicht bis 2025 sanieren können, wird sich vermutlich die Frist für die Dichtheitsprüfung verschieben.

In Hamburg mussten bereits alle Anschlüsse in Wasserschutzgebieten laut dem Verband Wohneigentum bis 2005 geprüft werden. Für alle anderen gilt eine Frist bis Ende 2020.

Dabei unterscheiden sich die einzelnen Regionen nicht nur, was die Prüftermine und -intervalle anbelangt, sondern auch im Umfang und Nachweis der Prüfung. Manche Städte und Gemeinden haben zudem eigene Regeln festgelegt. Der Verband Privater Bauherren (VPB) rät Hausbesitzern deshalb dazu, sich zunächst bei der eigenen Kommune oder beim unabhängigen Sachverständigen zu erkundigen, welche Regeln vor Ort aktuell gelten.

Wer führt die Überprüfung durch?

Nur Fachbetriebe mit sachkundigem Personal und der notwendigen Geräteausstattung sind in der Lage, die erforderlichen Arbeiten sach- und fachgerecht auszuführen. Leider finden sich schon heute unseriöse Firmen auf dem Gebiet, die die Bürger „abzocken“ wollen. Vor Haustürgeschäften wird daher gewarnt. Es empfiehlt sich für Eigentümer, sich für die Dichtheitsprüfung Kostenvoranschläge anbieten zu lassen und die Referenzen der Unternehmen zu vergleichen.

Kosten

Wird die Inspektion gemeinsam mit Nachbarn angegangen, sind die Kosten aufgrund des höheren Auftragsvolumens häufig niedriger. Nach einer Preisumfrage des Eigentümervereins Haus und Grund ergeben sich Kosten in Höhe von rund 30 Euro pro Meter Abwasserleitung für die optische Inspektion.