Einwanderungsland Deutschland

Deutschland gleich auf mit Schweiz und Kanada

Eine neue Studie sagt dem Einwanderungsland Deutschland bis 2045 ein Bevölkerungszuwachs voraus. Wo es die Menschen hinzieht.

Bereits bis 2030 werden in Ballungszentren eine Million Wohnungen fehlen und bis 2045 dürften in Deutschland statt aktuell 81 Millionen etwa 85 Millionen Menschen leben. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Versicherungskonzerns Allianz und der Forschungsgesellschaft Prognos.

Deutschland gleicht bei der Einwanderung der Schweiz und Kanada

Bislang gingen die meisten Vorhersagen der Demografen noch von einer künftig schrumpfenden Bevölkerungszahl in Deutschland aus. Die angespannte Lage der Wohnungsmärkte wird sich daher in den nächsten Jahren weiter verschärfen. Entscheidender Treiber ist die Binnenwanderung, die sich auf Metropolregionen und urbane Räume konzentriert. Sie wird von der Zuwanderung aus dem Ausland noch verstärkt. Die Studie der Prognos für die Allianz Baufinanzierung basiert dabei auf dem Szenario, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist und mit vergleichbarer Zuwanderungsintensität wie die Schweiz wächst. Die Schweiz weist seit 1995 eine durchschnittliche Nettomigrationsrate von 0,59 Prozent, Deutschland für diese Zeit nur 0,24 Prozent auf. Unter der Nettomigrationsrate wird der Wanderungssaldo in ein Land pro 100 Einwohner verstanden. Seit 2009 weist Deutschland einen deutlichen Anstieg der Nettomigrationsrate von dem langfristigen Durchschnitt seit 1995 auf, weshalb Prognos auch künftig von einer grundsätzlich höheren Einwanderung nach Deutschland ausgeht. Noch höhere durchschnittliche Nettomigrationsraten seit 1995 als die Schweiz weisen Kanada (0,57 Prozent) und Australien (0,77 Prozent) auf. Prognos berechnet für Allianz drei verschiedene Szenarien. In dem Basisszenario wird weiterhin von der historische Zuwanderung nach Deutschland ausgegangen, nach der mittleren Variante ist Deutschland ein Einwanderungsland, das mit Kanada und der Schweiz vergleichbar ist und nach dem Szenario der oberen Variante hält die aktuelle hohe Zuwanderung an und  Deutschland ist als Einwanderungsland sogar mit Australien vergleichbar. Nach dem Basisszenario schrumpft die Bevölkerung in Deutschland bis 2045 auf 77,7 Millionen Einwohner, nach dem mittleren Szenario steigt sie bis dahin auf 85,1 Millionen Einwohner und nach dem Szenario der oberen Variante  sogar auf über 92 Millionen Einwohner an.

Auswirkungen für den Wohnungsmarkt

Da zudem der Trend zu kleineren Haushalten besteht, würden sogar nach dem Basisszenario die Anzahl der Haushalte bis 2045 um 1,6 Millionen und damit der Wohnungsbedarf ansteigen. Nach dem mittleren Szenario würde es bis dahin 5,6 Millionen Haushalte mehr und nach dem oberen Szenario sogar 9,4 Millionen Haushalte mehr in Deutschland geben.

Unterschiedliche Entwicklung nach Städten und Regionen

In der Studie wurden auch die Regionen prognostiziert, die nach dem mittleren Szenario den stärksten Einwohnerzuwachs erfahren würden. Dabei werden die Städte und Regionen in insgesamt 96 sogenannte Raumordnungsregionen zusammengefasst. Es handelt sich um funktionale Abgrenzungen von Städten und ihren Umlandkreisen, die sich vor allem aus Pendler- und Arbeitsmarktverflechtungen (u.a. Planungsverbände) ableiten, sodass eine gewisse Vergleichbarkeit der Regionen untereinander besteht. Danach ergibt sich bis 2045 der stärkste Zuwachs in den Regionen München und bayerisches Oberland (jeweils +35 Prozent), Ingolstadt (+ 34 Prozent), südlicher Oberrhein und Oldenburg (jeweils + 32 Prozent).

Doch es gibt auch Regionen, deren Bevölkerung bis dahin drastisch zurückgeht. Die Regionen mit dem höchsten Rückgang sind demnach Anhalt-Bitterfeld-Wittenberg (- 24 Prozent), Südsachsen (- 19 Prozent) sowie die Mecklenburgische Seenplatte, Oberlausitz-Niederschlesien und Ostthüringen (jeweils - 18 Prozent).

Erforderliche neue Wohnungen

Damit die jeweiligen Wohnungsmärkte einigermaßen ausgeglichen sind und eine notwendige Fluktuation gut funktionieren kann, unterstellt Prognos eine dafür notwendige Leerstandsquote von drei Prozent. Aktuell sind es in Deutschland im Bundesdurchschnitt etwa 2,5 Prozent. Um dieses Ziel bei steigenden Einwohner- und Haushaltszahlen zu erreichen, würden in Deutschland bis 2030 fast eine Million zusätzliche Wohnungen benötigt. Dazu müssten in den Wachstumsregionen der jährliche Neubau im Vergleich zum Durchschnitt der Jahre 2011 bis 2014 zum Teil mehr als verdoppelt werden. So würden in der Region München bis 2030 rund 158.000 zusätzliche Wohnungen benötigt, wozu sich die jährlich fertig gestellten Wohnungen von bislang rund 11.400 auf 20.700 erhöhen müssten. In der Stadt Berlin, wo  bis 2030 sogar 173.000 Wohnungen fehlen, müssten statt 6700 Wohnungen nun 16.900 pro Jahr erbaut werden. Ein großer Bedarf an Neubauwohnungen besteht bis 2030 laut der Prognose zudem in der Region Rhein-Main (155.000), Stuttgart (146.000), Hamburg (94.000) und Köln (75.000).

Fazit

Die Investitionen in den Wohnungsbau müssen danach deutlich gesteigert werden. Dazu wird empfohlen Planungs- und Genehmigungsprozesse im Wohnungsbau zu vereinfachen und zu beschleunigen, Stadt-Umland-Kooperationen zu verstärken und die Infrastrukturinvestitionen (Verkehrsinfrastruktur, Breitband, soziale Infrastruktur) zu erhöhen.