Heizspiegel 2016: Sind die Heizkosten zu hoch?

Orientierungswerte für Erdgas, Heizöl oder Fernwärme

Der Mieterbund und co2online haben den neuen Heizspiegel veröffentlicht: Er gibt Bewohnern und Vermietern Orientierung, ob die Heizkosten zu hoch sind und was dagegen unternommen werden kann.

Wohnung mit Heizkörpern

Sind Ihre Heizkosten zu hoch? Vergleichen Sie mithilfe des Heizkostenspiegels.

Mit dem Heizspiegel 2016 für Deutschland können Mieter und Eigentümer den Verbrauch und die Heizkosten ihres Wohngebäudes richtig einschätzen. Zur Erstellung des Heizkostenspiegels hat die gemeinnützige Organisation co2online rund 40.000 Gebäudedaten zentral beheizter Wohngebäude in Deutschland ausgewertet. Je größer die Wohnfläche des Gebäudes und je jünger die Immobilie, desto niedriger sind in der Regel die Heizkosten. Die nach den Vorgaben der 3. Wärmeschutzverordnung errichteten Gebäude der Baujahre 1995 bis 2001 und vor allem seit 2002 errichtete Gebäude (Energieeinsparverordnung) weisen deutlich geringere Verbrauchswerte als die älteren Gebäude auf.

Heizöl spürbar günstiger

Durch gesunkene Preise ist das Heizen mit Heizöl fast ein Fünftel günstiger geworden. In einer durchschnittlichen 70 Quadratmeter großen Wohnung in einem Mehrfamilienhaus zahlten die Bewohner mit Heizölheizung im Schnitt 755 Euro pro Jahr, also 175 Euro weniger als 2014. Liegt die Wohnung in einem mittelgroßen, vor 1977 erbauten Wohngebäude mit 251 bis 500 Quadratmeter Gesamtwohnfläche, so ergeben sich bei einem mittleren Heizölverbrauch bis zu zwölf Euro Heizölkosten pro Quadratmeter und Jahr. Zu hoch ist der Verbrauch, wenn über 16,70 Euro pro Quadratmeter und Jahr an Heizölkosten anfallen. In einem ab dem Jahr 2002 erbauten relativ neuen Wohngebäude mit vergleichbarer Gesamtwohnfläche sind die Referenzgrößen dagegen deutlich niedriger. Als mittlerer Verbrauch werden hier Heizölkosten von 7,30 Euro pro Quadratmeter, als zu hoher Verbrauch mehr als 10,10 Euro pro Quadratmeter und Jahr angesehen.

Erdgaspreis nahezu konstant

Bei Erdgasheizung gab es kaum Veränderungen. In Wohnungen mit Erdgas blieben die durchschnittlichen Kosten konstant bei 830 Euro pro Jahr. In einem mittelgroßen (mit 251 bis 500 Quadratmeter Gesamtwohnfläche), vor 1977 errichteten Wohngebäude ergeben sich für einen mittleren Heizgasverbrauch bis 13,50 Euro Heizkosten pro Quadratmeter und Jahr. Übersteigen die Heizgaskosten 19,50 Euro pro Quadratmeter und Jahr ist der Verbrauch zu hoch. In einem ab dem Jahr 2002 erbauten relativ neuen Wohngebäude mit vergleichbarer Gesamtwohnfläche sind die Referenzgrößen dagegen deutlich niedriger. Als mittlerer Verbrauch werden hier Heizgaskosten von 7,90 Euro pro Quadratmeter, als zu hoher Verbrauch mehr als 10,60 Euro pro Quadratmeter und Jahr angesehen.

Hohe Fernwärmepreise nicht gesunken

Am teuersten sind die durchschnittlich ermittelten Heizkosten mit 965 Euro pro Jahr für eine 70-Quadratmeter-Wohnung bei Heizung mit Fernwärme. Wie beim Gas blieben die Kosten für Fernwärme konstant. In einem mittelgroßen, vor 1977 erbauten Wohngebäude wurde ein mittlerer Fernwärmeverbrauch bis 15,60 Euro Heizkosten pro Quadratmeter und Jahr berechnet. Übersteigen die Fernwärmekosten 23,50 Euro pro Quadratmeter und Jahr, ist der Verbrauch zu hoch. In einem ab dem Jahr 2002 erbauten relativ neuen Wohngebäude mit gleicher Gesamtwohnfläche werden als mittlerer Verbrauch Fernwärmekosten von neun Euro pro Quadratmeter genannt. Ein zu hoher Verbrauch liegt vor, wenn mehr als 13,50 Euro pro Quadratmeter und Jahr anfallen.

Prognose für 2016: Heizkosten werden voraussichtlich sinken

„Wir gehen davon aus, dass die Heizkosten auch im Abrechnungsjahr 2016 sinken werden. Bei Erdgas und Fernwärme könnten es fünf Prozent sein, beim Heizöl sogar zehn Prozent“, sagt Tanja Loitz, Geschäftsführerin von co2online. „Das liegt zum einen daran, dass das Wetter in den ersten neun Monaten 2016 etwas wärmer war als 2015. Zum anderen sind auch die Energiepreise in diesem Zeitraum gesunken.“

Gründe für einen zu hohen Verbrauch

Sind die Heizkosten zu hoch, so kann der Grund dafür das Heiz- und Lüftverhalten sein. Obwohl die individuelle Raumtemperatur von der Temperaturvorliebe der Bewohner abhängt, empfiehlt der Heizspiegel, nicht zu überheizen: Wenn die Raumtemperatur um ein Grad Celsius gesenkt wird, lassen sich bereits sechs Prozent an Heizenergie einsparen. Als Mittelwerte werden je nach Nutzung der Räume unterschiedliche Raumtemperaturen empfohlen: für die Küche 18 Grad Celsius, für Wohn-, Kinder- und Arbeitszimmer 20 bis 21 Grad Celsius, für das Bad 21 bis 24 Grad Celsius und für das Schlafzimmer eine Raumtemperatur von 16 bis 18 Grad Celsius. In Häusern mit Zentralheizung können mit elektronischen Thermostaten die Heizzeiten programmiert werden. So lassen sich 15 Prozent Heizenergie sparen.

Wichtig ist auch die richtige Lüftung: Die Fenster sollten ganz geöffnet werden, anstatt sie zu kippen. Gekippte Fenster lassen kaum frische Luft in den Raum – aber die warme Luft des Heizkörpers zieht ungenutzt nach draußen. Die angrenzenden Wände kühlen aus. Stoßlüften spart dagegen Heizenergie. Im Winter sollten die Fenster mehrmals täglich für vier bis sechs Minuten geöffnet werden.

Fallen trotz richtigem Verhalten beim Heizen und Lüften zu hohe Heizkosten an, empfiehlt es sich für den Eigentümer, das Gebäude von einem Energieberater überprüfen zu lassen: Wahrscheinlich lohnt sich der Austausch von Fenstern, der Heizung oder andere Maßnahmen.

Weitere Informationen

Der „Heizspiegel für Deutschland“ wird seit 2005 von co2online und dem Mieterbund veröffentlicht. Verbraucher können den Heizspiegel-Flyer mit neuen Vergleichswerten kostenlos im Internet (http://www.co2online.de/, www.mieterbund.de) herunterladen. Außerdem ist er bundesweit bei vielen Mietervereinen und Bürgerämtern erhältlich.