Wie sich 2017 die Stromkosten ändern

Vor allem in Ostdeutschland steigen erneut die Netzentgelte

Im nächsten Jahr erhöht sich die Ökostromumlage um acht Prozent. Doch gibt es große Unterschiede bei den Stromkosten. Durch Anbieterwechsel können Verbraucher und Vermieter sparen.

Hund mit Sonnenbrille sitzt neben Weihnatsbaum.

Verbraucher können jetzt Geld sparen, indem sie den Stromanbieter wechseln.

Für viele Stromkunden wird es zum Jahreswechsel teurer. Für Eigennutzer, aber auch für Vermieter empfiehlt es sich, eventuell bestehende Spielräume durch einen Wechsel des Stromanbieters zu nutzen.

Gründe für einen bundesweiten Anstieg der Stromkosten

Obwohl seit 1998 mit der Umsetzung der EU-Richtlinie zum Elektrizitätsbinnenmarkt der deutsche Strommarkt liberalisiert wurde, besteht in Deutschland nur ein beschränkter Wettbewerb unter Stromanbietern. So werden 80 Prozent des deutschen Stroms von vier Konzernen produziert, wodurch der Wettbewerb leidet. Zudem gelangt der Strom nur über regionale Monopole der Übertragungs- und Netzanbieter an die Endabnehmer. Mit dem Ausbau der Offshore-Windkraftanlagen in der Nord- und Ostsee entstehen für die Netzbetreiber aufgrund der schwankenden Stromleistung Kosten. Diese werden wie auch die für den Netzausbau (wie Suedlink) entstehenden Kosten der kommenden Jahre zunehmend auf die Verbraucher umgelegt.

Ein wichtiger Grund dafür, dass die Stromkosten bundesweit steigen, ist das Erneuerbare-Energien-Gesetz. Danach sind die Netzbetreiber verpflichtet, Strom aus erneuerbaren Energien abzunehmen. Die wichtigsten Gründe für den Preisschub sind die weiter steigenden Kosten für die Stromnetze und die Anhebung staatlicher Gebühren wie der Ökostromumlage, die 2017 um acht Prozent steigt. Denn die EEG-Umlage, mit der der Ausbau der erneuerbaren Energien finanziert wird, steigt im kommenden Jahr von 6,35 Cent auf das Rekordniveau von 6,88 Cent je Kilowattstunde (kWh). Diese und andere Umlagen werden dem Stromkunden direkt auf seine Rechnung draufgeschlagen.

Wie sich die Stromkosten wahrscheinlich 2017 verändern

Die ehemaligen Monopolanbieter, häufig die regionalen Stadtwerke, sind als sogenannte Grundversorger verpflichtet, jeden Haushalt gemäß den rechtlichen Bedingungen mit Strom zu versorgen (Grundversorgung). Nach Angaben der Vergleichsportale Check24 und Verivox hat etwa ein Drittel der Grundversorger in Deutschland angekündigt, zum kommenden Jahr den Strompreis zu erhöhen. Rund zehn Millionen deutsche Haushalte sind davon betroffen. Im Durchschnitt beträgt der Kostenanstieg 3,5 Prozent, in der Spitze sogar 14,9 Prozent (Check24) für eine vierköpfige Familie mit einem Jahresverbrauch von 4.000 kWh. Die Mehrzahl der Grundversorger hält sich bei der Preispolitik bisher noch bedeckt. „In der Vergangenheit konnten wir beobachten, dass viele Anbieter zum Jahreswechsel zunächst stillhalten, später aber mit Preiserhöhungen nachziehen“, sagt Jan Lengerke, Mitglied der Geschäftsleitung bei Verivox. „Deshalb erwarten wir auch 2017 eine zweite Preiswelle im Frühjahr“, so Lengerke. Angesichts steigender Kosten für Versorger und bereits angekündigter Preisanpassungen rechnen wir 2017 mit vier bis fünf Prozent höheren Strompreisen für Endkunden“, sagt Dr. Oliver Bohr, Geschäftsführer Energie beim Vergleichsportal CHECK24.de.

Große Unterschiede aufgrund unterschiedlicher Netzentgelte

Ein wesentlicher Grund für die großen Unterschiede der Stromkosten nach Regionen sind  die unterschiedlichen Stromnetzentgelte. Diese sind beispielsweise in Ostdeutschland im Durchschnitt um 53 Prozent höher als im Westen Deutschlands. Hinzu kommt, dass die Netzgebühren aufgrund des Netzausbaus in Ostdeutschland in 2017 deutlich stärker steigen als in vielen westdeutschen Bundesländern. So verteuern sich die Netznutzungsentgelte für den Verbrauch von 5000 kWh Strom in Brandenburg – dem Bundesland mit den ohnehin bereits höchsten Netzkosten – von 511 Euro in 2016 um 17 Prozent auf 597 Euro in 2017. Im Mittelfeld liegen in 2017 die Bundesländer Niedersachsen mit 428 Euro (2016: 377 Euro) und Bayern mit 417 Euro (354 Euro), am niedrigsten sind die Netzkosten in Nordrhein-Westfalen mit 353 Euro (352 Euro) und Bremen mit 305 Euro (278 Euro).

Regionale Unterschiede der Stromkosten

Die Treue gegenüber den ehemaligen regionalen Monopolstromanbieter ( z. B. Stadtwerke) zahlt sich für die Verbraucher in der Regel nicht aus. Im Gegenteil: Strom (Verbrauch: 5.000 kWh) ist im November 2016 nach Angabe von Check24 in der Grundversorgung 26 Prozent teurer als bei Alternativversorgern. Ein Vierpersonenhaushalt, der aus der Grundversorgung in den günstigsten Tarif mit fairen Bedingungen wechselt, spart aktuell 467 Euro im Jahr (Verifox).

Stromkostenerhöhung als Wechselchance

Stromversorger müssen Preiserhöhungen mindestens sechs Wochen vor Inkrafttreten schriftlich mitteilen. Wer ein solches Schreiben erhält, hat in der Regel ein Sonderkündigungsrecht. Verbraucher sollten in diesem Fall die Kündigung nicht dem neuen Anbieter überlassen, sondern aufgrund der kurzen Fristen die Kündigung selbst in die Hand nehmen.

Tipp für Vermieter

Hat der Mieter in seiner Wohnung keinen eigenen Stromzähler, liegt die Entscheidung der Stromabnahme beim Vermieter. Laut Mietrecht ist er dazu angehalten, die Nebenkosten seiner Mieter so gering wie möglich zu halten. Aber es kann auch nicht im Eigeninteresse des Vermieters sein, dass hohe oder steigende Nebenkosten den Spielraum für eine Anpassung der Kaltmiete begrenzen. Daher empfiehlt es sich auch für Vermieter, nach einem günstigen Stromanbieter Ausschau zu halten.