Folgen der Digitalisierung

PropTech-Unternehmen bringen der Immobilienbranche Neuerungen

Eine Umfrage beschäftigt sich mit den Auswirkungen der Digitalisierung für die Immobilienwirtschaft. Manche Trends könnten auch private Vermieter und Eigentümer betreffen.


Auch die Immobilienbranche profitiert von der Digitalisierung.

Die Studie „Einsatz digitaler Technologien in der Immobilienwirtschaft“ basiert auf einer Marktbefragung, die im Sommer 2016 vom Zentralen Immobilien Ausschuss e. V. (ZIA) und der Wirtschaftsberatung Ernst & Young Real Estate GmbH (EY Real Estate) durchgeführt wurde. Insgesamt haben 152 sowohl privatwirtschaftliche als auch öffentliche Unternehmen an der Studie teilgenommen. Die Teilnehmer verteilen sich dabei auf die komplette Wertschöpfungskette der Immobilienwirtschaft – inklusive der im Vergleich noch jungen Immobilien-Technologie-Branche (PropTech-Branche). Dabei zeigt sich zwar, dass die PropTech-Branche in der Geschwindigkeit der Digitalisierung der klassischen Immobilienbranche voraus ist, die Digitalisierung aber längst traditionelle Immobilienunternehmen erfasst hat.

Trend zu mobilen Arbeitsgeräten

Mobile Arbeitsgeräte wie solche beim Ablesen von Energieverbrauchsdaten sind mittlerweile auch bei Unternehmen mit eher traditionellen Geschäftsmodellen Standard. Für die klassische Immobilienwirtschaft sind mobile Arbeitsgeräte heute das wichtigste Tool, das auf digitalen Technologien aufbaut. Beachtliche 98 Prozent der Immobilienunternehmen nutzen mobile Geräte bereits heute für sich und ihre Kunden. Künftig (in fünf Jahren) wird der Anteil bei 99 Prozent liegen. Mobile Arbeitsgeräte werden in der klassischen Immobilienwirtschaft im Facility Management eingesetzt, außer bei der automatisierten Erfassung und Übertragung von Energiedaten auch bei der digitalen Protokollierung von Begehungen und Abnahmen sowie zur Unterstützung der Prozesse, Mängelbearbeitung und Gewährleistungsmanagement (Einsatz von Lasern zur automatischen Abstandsmessung).

Trend zu Datenstrukturierung und Auswertung von Big Data

Die klassischen immobilienwirtschaftlichen Unternehmen und PropTechs schätzen die generellen Trends rund um digitale Technologien erstaunlich ähnlich ein. Beide Gruppen sehen eine maßgebliche Bedeutung im Bereich Datenstrukturierung. So liegen bei 74 Prozent der Befragten heute alle wichtigen Daten und Informationen überwiegend digital und strukturiert vor. In fünf Jahren wird dies bei 97 Prozent der Fall sein.

Die übrigen Felder spielen heute noch eine untergeordnete Rolle – allerdings werden viele Bereiche teils deutlich wichtiger. Big Data – also die Auswertung von Massendaten – verzeichnet beispielsweise einen beachtlichen Zuwachs an Bedeutung (heute: 42 Prozent, in fünf Jahren: 84 Prozent). Die gesammelten Daten können dabei aus verschiedenen Quellen stammen. Beispielsweise könnten in Zukunft die Daten, die aus der vernetzten Technik in Häusern (Smart Home, Smart Meter) gesammelt werden, eine größere Rolle spielen. 

Zunehmende Bedeutung von Cloud-Lösungen

Aufgrund von Kostenersparnissen und leichter Handhabung nimmt die Datenspeicherung außerhalb der eigenen Informationstechnologie-Strukturen (Cloud) rasant zu. 84 Prozent der befragten Vertreter von immobilienwirtschaftlichen Unternehmen sehen den Trend zur Cloud, bei den PropTechs sind es sogar 95 Prozent.

PropTech-Unternehmen und ihre Geschäftsmodelle

Die neu gegründeten Unternehmen, deren Geschäftsmodelle wesentlich auf der Integration von Informations- und Kommunikationstechnologien aufbauen, werden oft auch als PropTechs bezeichnet. Auffällig ist lediglich, dass die auf Matching-Algorithmen bei der Wohnraumvermietung spezialisierten Start-ups überwiegend in besonders angespannten Wohnungsmärkten wie im Raum München (50 Prozent dieses Innovationsclusters), Berlin (33 Prozent), Hamburg und Zürich (jeweils zehn Prozent) gegründet wurden. Die Anwendung von Informations- und Kommunikationstech- nologien in der Vermarktung von Immobilien bzw. diesbezügliche innovative Geschäftsmodelle dominieren die aktuelle PropTech-Szene. Mit jeweils 15 PropTechs sind temporäre Nutzung und Visualisierung die größten Innnovationscluster, gefolgt von Crowdfunding und Smart Building (jeweils elf Start-ups).

Von welchen PropTechs private Immobilieneigentümer profitieren können

Für die Vermarktung von Mietwohnungen könnte beispielsweise auch für private Anbieter der Einsatz von Technologien zur dreidimensionalen Visualisierung an Bedeutung gewinnen. Dadurch können beispielsweise Bestands- und Neubauprojekte von Wohnimmobilien virtuellen Besichtigungen per 3-D-Brille oder über den heimischen Computer zugänglich gemacht werden. Andere PropTech-Unternehmen haben sich auf die temporäre Vermietung von Wohnimmobilien spezialisiert. Sie bieten beispielsweise Immobilieneigentümern alternative Geschäftsmodelle wie die Vermietung möblierter Wohnungen in einem veränderten regulatorischen Umfeld an, wodurch sich trotz Mietpreisbremse höhere Mieterträge erzielen lassen.

Für intelligente Gebäude (Smart Buildings) wird das Internet of Things (IoT) genutzt, um sie sicherer und produktiver für ihre Nutzer bzw. effizient im Betrieb durch den Eigentümer zu machen. Hier dominieren technologische Produktinnovationen, die sich auch an private Nutzer richten, etwa Energiemanagement anbieten und durch intelligente Heizungssteuerung in der Wohnungswirtschaft eine Nebenkostensenkung  erreichen.

Eine Reihe von Start-ups hat sich auf die Digitalisierung von Verwaltungsprozessen in der Immobilienwirtschaft spezialisiert. Diese Angebote beinhalten beispielsweise die Terminkoordination in der Vermietung oder für Wohnungsübergaben über umfassendere Anwendungen wie Kundenportale zur Kommunikation mit den Mietern und unter den Mietern (soziales Netzwerk) bis hin zum kompletten digitalen Management eines Mietzyklus mit visualisierten Datenauswertungen in Echtzeit.