Wo professionelle Investoren Wohnungen kaufen

So wird sich der Wohnungsmarkt entwickeln

Wohnobjekte machen die Hälfte der Immobilienanlagen professioneller Investoren aus. Nun wurde in einer Umfrage ermittelt, wo diese in den nächsten Monaten verstärkt Wohnobjekte erwerben wollen.


Im Auftrag der Maklerfirma Engel & Völkers Investment Consulting (EVIC) führte die Rueckerconsult eine Online-Umfrage unter rund 160 institutionellen Anlegern und Family Offices in Deutschland durch. Ziel der Umfrage war herauszufinden, ob und wo diese künftig Wohnimmobilien erwerben wollen und wie sie Risiko und Rendite einschätzen.

Wer wurde befragt?

Die befragten Investoren setzen sich zu 45 Prozent aus Vertretern deutscher Family Offices und Stiftungen, zu 22 Prozent aus der Gruppe deutscher Versicherungen, zu 14 Prozent aus Pensionsfonds/-kassen und Versorgungswerken und zu 13 Prozent aus Depot-A-Managern deutscher Banken und Sparkassen zusammen.

Kurzfristige Pläne hinsichtlich des Wohnimmobilienbestandes

57 Prozent der institutionellen Investoren und Family Offices wollen ihren Anteil an Wohnimmobilien in den kommenden zwölf bis 18 Monaten weiter erhöhen, obwohl Wohnobjekte bereits die Hälfte der Immobilienportfolios ausmachen. Nur fünf Prozent werden dagegen den Anteil an Wohnimmobilien im Portfolio reduzieren. Die Mehrheit der Befragten richtet ihr Immobilienportfolio auf bestimmte Zielgruppen wie junge Menschen (17 Prozent), Best Ager (12 Prozent), Singles (12 Prozent) oder Familien (17 Prozent) aus. 45 Prozent nehmen jedoch keine Differenzierung hinsichtlich einer Zielgruppe vor. Objekte in A-Städten und den weiteren Ballungsregionen sind bei rund 68 Prozent der Befragten am beliebtesten.

Wo die professionellen Anleger investieren wollen

Mit 68 Prozent bevorzugen mehr als zwei Drittel der Befragten die Top-7-Städte (Berlin, Hamburg, München, Köln, Stuttgart, Frankfurt, Düsseldorf) und die weiteren Ballungsregionen für Wohnimmobilieninvestments. 23 Prozent möchten in Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern investieren, aber nur neun Prozent interessieren sich für kleinere Städte oder gar ländliche Regionen.

Trotz des gestiegenen Preisniveaus bleiben 41 Prozent der Profis bei ihrer bisherigen Investitionsstrategie. 28 Prozent sind jedoch die Preise in den A-Standorten zu stark gestiegen und sie investieren verstärkt in B- und C-Städte. 21 Prozent weichen in Nischenprodukte aus und 20 Prozent nutzten das hohe Preisniveau für den Verkauf, um Gewinne mitzunehmen.

Welche Immobilien wollen die institutionellen Investoren erwerben?

Mit 37 Prozent der Befragten bevorzugen die meisten Investoren Wohnungen im mittleren Preissegment. Wohnungen im oberen Preissegment sind etwas stärker gefragt (20 Prozent) als Wohnungen der unteren Preisklasse (18 Prozent). Gestiegenes Interesse besteht an Studentenwohnungen (17 Prozent).

Auf die Frage, wie sie in Wohnimmobilien investieren wollen, antworteten rund 41 Prozent der Befragten, dass sie in Projektentwicklungen investieren. Knapp 22 Prozent möchten in gut sanierten Wohnungsbestand und knapp 20 Prozent in Bestandswohnimmobilien mit Investitionsstau investieren. 18 Prozent bevorzugen den vollvermieteten Neubau.

Welche Renditen wollen die Profis erzielen?

Die Renditevorgaben bei direkten Wohnimmobilieninvestments liegen bei dem meisten Befragten bei vier (39 Prozent der Befragten) und fünf Prozent (22 Prozent der Befragten). 13 Prozent geben sich mit drei Prozent zufrieden und vier Prozent akzeptieren auch Renditen zwischen null und zwei Prozent. Sechs Prozent sehen ein Renditeziel von sechs Prozent als realistisch an und elf Prozent möchten mehr als sieben Prozent mit ihren Investment erreichen.

Folgen für private Anleger

Institutionelle Anleger kaufen in der Regel Wohnimmobilien für deutlich höhere Investitionssummen als private Immobilieninvestoren. 56 Prozent der befragten institutionellen Investoren verwalten beispielsweise jeweils Wohnimmobilien im Eigen- und Fremdbestand für mehr als 100 Millionen Euro. Die hohen Investitionssummen führen auch dazu, dass oft nur Großstädte mit einem großen funktionierenden Wohnungsmarkt als Investitionsstandort für sie infrage kommen. Aufgrund der erhöhten Investitionsbereitschaft erwarten 84 Prozent der institutionellen Investoren, dass die Kaufpreise an A-Standorten stark steigen werden. B-Standorte gelten aber als besonders sicher: Keiner der Befragten erwartet rückläufige Preise. Die Mehrheit der Befragten (56 Prozent) rechnet in C-Standorten mit gleichbleibenden bis rückläufigen Kaufpreisen.

Aus Sicht der privaten Anleger kann es daher sinnvoll sein, Immobilien in den überteuerten A-Standorten sowie in den ländlichen Regionen mit sinkender Bevölkerung und eventuell in wirtschaftsschwachen C-Standorten zu veräußern, Immobilien in den B-Standorten eher zu halten oder – wo das Verhältnis der Kaufpreise zu den regionalen Miet- und Einkommensniveau noch nicht überteuert erscheint, sogar anzukaufen. Zudem sollten sich private Anleger darüber im Klaren sein, dass ihre Renditen aufgrund der wesentlich kleineren Anlagebestände und den relativ höheren Verwaltungskosten oft deutlich unter den Renditezielen professioneller Investoren liegen.