Welche Heizungen werden gekauft?

Ölheizungen wieder im Kommen

Laut einer Umfrage schätzen Hauseigentümer den Modernisierungsbedarf von Heizungen falsch ein. Wer sich aber für eine Erneuerung entscheidet, der achtet aber vor allem auf die aktuellen Energiepreise.

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Deutsche Immobilienbesitzer schätzen nach Ansicht des Zentralverbands Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) das energetische Potenzial ihrer alten Heizungsanlagen oft falsch ein. Dies zeige eine Umfrage von TNS Emnid im Auftrag des ZVSHK, wonach fast zwei Drittel der Befragten (63 Prozent) angaben, dass sie ihre Heizung in den nächsten fünf Jahren nicht modernisieren wollen, obwohl sie mindestens 15 Jahre oder älter ist.

Immobilieneigentümer halten sich beim Heizungskauf zurück

Die große Mehrheit der Nichtmodernisierer (89 Prozent) hält ihre Heizungsanlage noch für funktionstüchtig oder effizient genug und auf dem Stand der Technik. Nur jeder Dritte der Befragten (29 Prozent), deren Heizung älter als 15 Jahre alt ist, sagt "ja" zur Heizungsmodernisierung. Auch wenn langfristig die Einsparpotenziale moderner Heizungsanlagen groß sind, schreckt offenbar aber viele Eigentümer zunächst die Investition ab.

Auch die im Herbst vom Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) vorgestellten Marktzahlen zeigen, dass die Energiewende in deutschen Heizungskellern bislang nicht stattgefunden hat. Die aktuelle Modernisierungsquote bei gasbasierten Systemen beträgt gerade einmal drei Prozent, bei Ölheizungen sogar nur ein Prozent. Sollte die Modernisierung auf diesem Niveau fortgesetzt werden, würde es rund 30 Jahre dauern, den Bestand der Gasheizungen auf den Stand der Technik zu heben. Bei Ölheizungen wäre dieses Ziel sogar erst in rund 100 Jahren erreicht. „Rund 15 Millionen Heizungen in Deutschland sind älter als 20 Jahre. Hier liegen riesige CO2-Minderungs- und Energieeinsparpotenziale brach. Diese gilt es, im Sinne einer erfolgreichen Energiewende beschleunigt zu heben“, betonte BDH-Präsident Manfred Greis.

Motive für Erneuerung der Heizanlage

Bei der Umfrag von TNS Emnid im Auftrag des ZVSHK gaben allerdings überraschenderweise 73 Prozent der Befragten an, mit der Heizungsmodernisierung die Umwelt schonen zu wollen. 52 Prozent führen einen zu hohen Energieverbrauch als wichtigen Grund an. 41 Prozent der modernisierungswilligen Hausbesitzer gaben an, dass sie sich aufgrund des Heizungs-Checks eines Heizungsfachhandwerkers für eine Heizungsmodernisierung entschieden haben.

Welche Heizanlagen gekauft werden

Nach Angaben des BDH sind die am häufigsten nachgefragten Wärmeerzeuger nach wie vor Gas-Heizungen, von denen im ersten Dreivierteljahr 387.000 Stück verkauft wurden. Die Ölkessel erreichten 62.000. Die Verkaufszahlen legten bei Ölkessel damit in den ersten neun Monaten dieses Jahres um rund 30 Prozent zu. Als Grund dafür nennen die Verkäufer den aktuell niedrigen Heizölpreis sowie die hohe Anzahl der in die Jahre gekommenen Ölkessel und die damit verbundene anstehende Modernisierung. Bei Biomasse-Anlagen, die etwa Scheitholz, Pellets oder Hackschnitzel verbrennen, gab es unterdessen ein Minus von durchschnittlich 18 Prozent. Wärmepumpen, die die Wärme von Erde, Luft oder Grundwasser nutzen, verloren im Schnitt vier Prozent. Den weitaus größten Anteil beim Verkauf nehmen damit wie im Vorjahr die Gasheizungen ein. Offenbar spielt bei der aktuellen Investitionsentscheidung auch der jeweilige aktuelle Rohstoffpreis eine sehr große Rolle, zumal auch moderne Öl- und Gasheizungen mit ihren hohen Wirkungsgraden deutlich effizienter als alte Heizanlagen sind.

Hoher Strompreis wirkt behindert Wärmepumpen

Umweltschutzorganisationen wie Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland sehen den starken Rückgang bei Biomasse-Anlagen und von Wärmepumpen und die Renaissance der Heizungen mit fossilen Brennstoffen wie Öl mit Sorge. Zwar seien moderne Ölheizungen effizienter, doch seien Häuser mit neuen Ölheizungen dann für weitere 30 Jahre für Heizungen mit erneuerbaren Energien verloren. Es sei zudem nicht zu erwarten, dass der Ölpreis so lange günstig bleibe.

Doch wie sich Öl- und Gaspreis in den nächsten Jahren tatsächlich entwickeln werden, lässt sich kaum zuverlässig prognostizieren.

Die Heizungshersteller führen den Rückgang der verkauften Wärmepumpen auf den hohen Strompreis zurück. Dessen Höhe wird aber ausgerechnet maßgeblich von der Einsparverordnung zugunsten der erneuerbaren Energien bestimmt, die die Bundesregierung mit der Energiewende begründet. Wärmepumpen würden auch fast ausschließlich nur bei neuen Häusern eingebaut, Ölheizungen kämen dagegen vor allem bei einer Erneuerung im Bestand zum Zuge. Aus Sicht der Eigentümer ist es nachvollziehbar, dass sie beim Heizungskauf auf ihren Geldbeutel achten und aktuelle Preise als Berechnungsgrundlage für längerfristige Wirtschaftlichkeitsrechnungen heranziehen.