Schwarmverhalten sorgt für Wohnungsknappheit

Altersklasse der 25- bis 34-jährigen sind Hauptschwärmer

Es sind nicht so sehr Flüchtlinge und Studenten, die in Schwarmstädte strömen. Es sind Berufsanfänger, die in beliebten Städten für Wohnungsknappheit sorgen.

Im Auftrag des GdW Bundesverband hat das Marktforschungsunternehmen empirica eine Studie zum „Schwarmverhalten“ erstellt. Es sollte geklärt werden, warum nach jahrelanger Diskussion über den demografischen Wandel, Rückgang der Bevölkerung und der Wohnungsnachfrage, nun das Thema Wohnungsknappheit beherrschend ist. Denn die Daten haben sich kaum geändert und die früheren Bevölkerungsprognosen haben sich weitgehend bestätigt.

Wohnungsknappheit durch Schwarmverhalten

Die Ursache ist ein neues Wanderungsmuster innerhalb Deutschlands. Dieses neue Wanderungsmuster wird in der Studie als „Schwarmverhalten“ bezeichnet. Der Begriff soll ausdrücken, dass insbesondere die jüngere Bevölkerung wie Vögel aus den meisten Regionen Deutschlands aufsteigen, als Schwarm in vergleichsweise wenige „Schwarmstädte“ einfallen und dort für knappen Wohnraum sorgen, während sich die anderen Städte und vor allem Landkreise zunehmend entleeren. Im Gegensatz zu früher verteilt sich die Bevölkerung damit nicht mehr großräumig um (von Ost nach West), sondern kleinräumlicher – aus Remscheid nach Köln, aus dem Donnersbergkreis nach Mainz, aus der Oberpfalz nach Regensburg und von überallher nach Berlin und München.

Welche Städte zu den Schwarmstädten zählen

Am stärksten vom Schwarmverhalten profitieren Leipzig, München und Frankfurt/Main. Hier würde sich jeder Geburtsjahrgang bei Konstanz des Schwarmverhaltens verdoppeln. Gewonnen hätten in erster Linie die „jungen Schwarmstädte“ und das sehr kräftig. Spitzenreiter sei München – hier werden aus 100 der Altersklasse der 10- bis 15-Jährigen 336 der Altersklasse der 30- bis 34- Jährigen. Dann würden bereits auch kleinere Großstädte wie Landshut, Regensburg, Karlsruhe, Münster oder Heidelberg folgen. Im Gegensatz dazu gewönnen viele große Städte wie Essen oder Dortmund nicht wesentlich oder sogar verlören sogar Einwohner. Vor allem aber verlören praktisch alle Landkreise Einwohner.

Welche Gruppen besonders in die Schwarmstädte schwärmen

Die demographische Spaltung des Landes werde getragen von den Jüngeren, die noch auf der Suche nach ihrem Lebensmittelpunkt sind. Trotzdem sei die Bildungsausweitung – der Anteil der Studienanfänger eines Jahrganges ist von 36 Prozent im Jahre 2003 auf 53 Prozent im Jahr 2013 gestiegen – nicht der Hauptgrund für das Schwarmverhalten. Denn die für die Bildungsausweitung notwendigen Hochschulkapazitäten wären in den letzten Jahren überwiegend außerhalb der Schwarmstädte aufgebaut worden. In 180 von 402 Landkreisen oder kreisfreien Städten sei die Zahl der immatrikulierten Studierenden um mindestens zehn Prozent angestiegen.

Die „Hauptschwärmer“ seien die Berufsanfänger (Altersklasse 25 bis 34 Jahre), die zum einen weiter aus den peripheren ländlichen Räumen abwandern und zum zweiten aus den vielen Hochschulstädten und Kreisen weiter in die Schwarmstädte zögen. Dieser zweite Schwarm sorge letztlich für die erhebliche Konzentration der jungen Menschen in nur vergleichsweise wenigen Städten. Nach dem Studium in eher mittelgroßen Städten wie Emden, Kaiserlautern oder Greifswald, würden sie sich dann typischerweise in Städten wie Leipzig, Köln oder Stuttgart niederlassen. Dagegen zögen sehr viele in der Altersklasse der 60- bis 74-Jährigen in Landkreise an der Nord- und Ostseeküste sowie entlang des Alpenrandes sowie in einige Städte wie Baden-Baden, Potsdam oder Ahrweiler. Hauptverlierer seien die teuren Schwarmstädte, allen voran München, das einen von sechs Einwohnern in dieser Altersklasse verliert.

Folgen des Schwarmverhaltens

In den Schwarmstädten würden die Mieten steigen, in den anderen Regionen würden sie stagnieren oder fallen. Auch müssten in den Schwarmstädten Wohnungen, Kitas sowie Schulen gebaut und die gesamte öffentliche und private Infrastruktur erweitert werden. In allen anderen Regionen würden Wohnungen verfallen Wohnungen und Schulen geschlossen. Das Land würde sich demografisch spalten.

Mietpreisbremse und staatliche Wohnungsprogramme verstärkt Schwarmverhalten

Die Mietpreisbremse nehme den ausblutenden Regionen ihr wichtigstes Argument: Gute Wohnungen zu niedrigeren Preisen. Eine schwarmverstärkende Wirkung habe auch jede Förderung des Neubaus, soweit diese über die Wohnungsnachfrage hinausginge.

Vereinzelt Abwanderungsregionen stärken

Als grundlegende Lösungsstrategie wird in der Studie daher von Bund und Ländern stattdessen gefordert, in den ausblutenden Regionen lebendige Zentren zu erhalten, die der gewachsenen Bedeutung der Wohnortattraktivität gerecht werden. Die Politik solle entsprechende Zentren bestimmen. Dabei bestünde ein unlösbarer Konflikt, da eine Konzentration auf ein Zentrum in der Umkehrung bedeutet, dass die übrigen Dörfer und Städte geschwächt würden.