Digitale Stromzähler bald Pflicht

Verbraucher- und Datenschützer sowie Haushalte lehnen Zwang ab

Ein Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Digitalisierung der Energiewende schreibt den Einsatz von intelligenten Stromzählern für Haushalte vor.

Partner:

Anfang November hat das Bundeskabinett ein Paket von Gesetzesentwürfen zum Strommarkt vorgelegt, die im Dezember im Bundesrat und im Januar im Bundestag beraten werden. Dazu zählt auch die flächendeckende Einführung von „Smart Meter“.  Dies ist im Grunde nichts anderes als ein herkömmlicher Stromzähler, der mit einem Computer gekoppelt wird. Doch für Verbraucher sind damit Kosten verbunden, auch besteht die Gefahr des Datenmissbrauchs, weshalb sich Widerstände gegen das Gesetz formieren.

Anlass und Inhalt des Gesetzesentwurfs

Unter dem Titel „Auf dem Weg zum Strommarkt 2.0“ stellt Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) einen Katalog an neuen oder erneuerten gesetzlichen Regelungen vor, deren Ziel es sei, die Stromversorgung effizienter und umweltfreundlicher zu gestalten. Das Maßnahmenpaket enthält dabei auch das „Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende“. Gabriel beruft sich dabei auch auf Vorgaben der EU, wonach Deutschland den Einbau der digitalen Messgeräte vorantreiben müsse.

Weil aufgrund der Energiewende der Anteil nachhaltig erzeugten Stroms aus Wind und Sonne stark schwanken kann, besteht die Gefahr, dass die Stromnetze zeitweilig an ihre Kapazitätsgrenze stoßen. Um Ausfälle zu vermeiden, wird geplant den dezentralen Verbrauch zentral in Echtzeit überwachen  zu können, um die Netze und die Bereitstellung der benötigten Energie effizienter zu steuern.

Ab 2017 sollen große Verbraucher mit einem Volumen von über 10.000 Kilowattstunden im Jahr einen digitalen Stromzähler ("Smart Meter") ersetzen. Ab 2020 ist der Stromzähler dann für alle Haushalte verpflichtend, die einen Jahresverbrauch von über 6000 Kilowattstunden aufweisen. Bei allen anderen Haushalten bleibt die Umstellung für den Versorger eine Option, gegen dessen Entscheidung der Verbraucher aber kein Einspruchsrecht hat.

Wie ein Smart Meter funktioniert

Der digitalen Stromzähler registriert, wann und wie viel Strom verbraucht wird. Er kann Kühl- und Gefrierschränke, die Beleuchtung oder die elektrische Heizung kontrollieren und steuern. Nachts, wenn es große Stromüberschüsse gibt, könnten, so die Befürworter der Smart Meter,  beispielsweise Gefriertruhen mit günstigem Strom versorgt werden, während tagsüber die Stromnachfrage gedrosselt würde. In Industrieunternehmen, die große Mengen elektrischer Energie benötigen, sind solche Apparaturen schon seit längerem im Einsatz.

Kosten des Smart Meter

Smart Meter sind relativ teuer. Die Kosten für typische Privathaushalte liegen je nach Verbrauch bei 23 bis 60 Euro pro Jahr. Verbraucherschützer nennen auch jährliche Kosten in Höhe von bis zu 100 Euro für Bereitstellung und Nutzung der digitalen Stromzähler.

Kritik von Datenschützer

Datenschützer befürchten über den Smart Meter eine digitale Überwachung von Nutzern, einige sprechen sogar von digitaler Spionage durch Rückschlüsse vom Stromverbrauch auf das Fernsehverhalten. Auf Kritik von Datenschützern reagierte die Politik mit der Vorgabe, dass nur Daten, die für die Abrechnung notwendig sind, an den Stromanbieter übertragen werden, obwohl der Stromverbrauch darüber hinaus sogar viertelstundengenau erfasst wird. Wenn keine flexiblen Tarife genutzt werden, bleibt es bei der jährlichen Meldung des Stromverbrauchs. Zudem sollen alle Daten verschlüsselt übertragen werden.

Eine solch detaillierte Auslesung und Übermittlung von Verbrauchsdaten sind allerdings unter bestimmten Umständen möglich. Und zwar dann, wenn die Haushalte neben dem elektronischen Zähler auch über eine Kommunikationsschnittstelle (Smart Meter Gateway) verfügen, dieser gehackt wird und die Nutzer zudem einen Fernseher besitzen, der ausreichend große Leistungsschwankungen beim Wechsel von Hell-Dunkel-Phasen aufweist.

Verbraucherschützer lehnen Zwang zum digitalen Stromzähler ab

Smart Meter helfen nach Ansicht von Verbraucherschützer den Privathaushalten weder beim Sparen von Energie noch im Portemonnaie. „ Zwang ist also der falsche Weg. Verbraucher sollten selber entscheiden können, ob sie dem Einbau digitaler Stromzähler zustimmen“, sagt Ingmar Streese, Leiter des Geschäftsbereichs Verbraucherpolitik des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv).

Laut Umfrage lehnen Haushalte Smart Meter ab

70 Prozent halten eine Zwangsdigitalisierung durch den Einbau intelligenter Stromzähler laut einer Umfrage von TNS Emnid im Auftrag des vzbv für falsch. Danach befürchtet auch mehr als jeder Dritte (38 Prozent) zusätzliche Kosten, die mit dem Einbau von Smart Meter verbunden sind. Und sogar die Hälfte der Befragten sorgt sich um die Sicherheit ihrer Daten.