September 2015 - News

Welche Gemeinden wie viel Grundsteuern erheben

Kommunen in Nordrhein-Westfalen kassieren im Durchschnitt am meisten

15.09.2015 - Der deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) analysiert jedes Jahr die Hebesätze der Grundsteuern unter deutschen Gemeinden mit mehr als 20.000 Einwohnern. Wir geben einen Überblick, wo 2015 die Steuersätze verändert wurden und wo die niedrigsten Grundsteuern erhoben werden.

Der DIHK erhebt jedes Jahr eine Umfrage über die Höhe der Hebesätze der Grundsteuern unter den deutschen Gemeinden mit mehr als 20.000 Einwohnern und sieht seit Jahren einen ungebrochenen Trend zur Erhöhung. Auch in diesem Jahr haben viele Gemeinden ihre Hebesätze erhöht. Der durchschnittliche Hebesatz steigt um 18 Prozentpunkte auf 527 Prozent – eine noch nie dagewesene Steigerung.

Wie sich die Grundsteuer bemisst und wer sie bezahlt

Die Gemeinden erheben die Grundsteuer von den Immobilien-Eigentümern. Vermieter können die Grundsteuer als Betriebskosten auf die Mieter abwälzen, weshalb in der Regel alle Wohnungsnutzer von dieser Realsteuer betroffen sind. Unterschieden wird in Deutschland die sogenannte Grundsteuer A, die für land- und forstwirtschaftlich genutzte Immobilien angewandt wird, sowie die Grundsteuer B für alle anderen bebauten oder bebaubaren Grundstücke. Die Höhe der Steuer richtet sich vor allem nach dem Einheitswert des Grundstücks und nach dem Hebesatz, den die jeweilige Gemeinde selbst beschließt. Für die Gemeinde ist die Grundsteuer eine Einkommensquelle, mit der sie ihre Ausgaben finanzieren kann. Für Eigennutzer und Mieter erhöht die Steuer die Wohnkosten. Auch für Unternehmer und Unternehmen bedeutet die Grundsteuer eine Belastung, die zumindest für die mittelfristige Standortwahl von Bedeutung sein kann.

Welche Städte die Grundsteuern erhöhen

Den größten Anstieg im Landesdurchschnitt verzeichnet Nordrhein-Westfalen (+44 Prozentpunkte), hier vor allem in Overath (+370 Prozentpunkte) und Siegburg (+330 Prozentpunkte). Auch in Hessen erhöhten sich die Hebesätze der Grundsteuern im Durchschnitt deutlich (+39 Prozentpunkte). Am stärksten stiegen sie in Riedstadt (+340 Prozentpunkte) und Griesheim (+300 Prozentpunkte).

Welche Städte die Grundsteuern senkten

Nur zwei der 676 Kommunen, Unna in Nordrhein-Westfalen (-7 Prozentpunkte) und Sinsheim in Baden-Württemberg (-40 Prozentpunkte), haben ihren Hebesatz für die Grundsteuer B gesenkt.

Welche Städte die höchsten Hebesätze haben

Auch die Spreizung bei den Hebesätzen der Grundsteuer B fällt deutlich stärker aus als bei der Gewerbesteuer. Jahrelang lag Berlin mit 810 Prozent unangefochten an der Spitze. Nunmehr sind sechs nordrhein-westfälische Kommunen vorbeigezogen: Duisburg (855 Prozent), Overath (850 Prozent), Bonn (830 Prozent), Datteln (825 Prozent), Haltern am See (825 Prozent) und Selm (825 Prozent).

Welche Sätze die Großstädte aufweisen

Großstädte weisen tendenziell höhere Hebesätze als mittlere und kleine Städte auf. Nach Einwohnanzahl geordnet erheben die 25 deutschen Großstädte mit den meisten Einwohnern folgende Sätze: Berlin (810 Prozent), Hamburg (540 Prozent), München (535 Prozent), Köln (515 Prozent), Frankfurt am Main (500 Prozent), Stuttgart (520 Prozent), Düsseldorf (440 Prozent), Dortmund (650 Prozent), Essen (670 Prozent), Bremen (580 Prozent), Leipzig (650 Prozent), Dresden (635 Prozent), Nürnberg (535 Prozent), Duisburg (855 Prozent), Bochum (645 Prozent), Wuppertal (620 Prozent), Bielefeld (580 Prozent), Bonn (830 Prozent), Münster (510 Prozent), Karlsruhe (420 Prozent), Mannheim (450 Prozent), Augsburg (485 Prozent), Wiesbaden (475 Prozent) und Gelsenkirchen (545 Prozent).

Städte mit den niedrigsten Grundsteuern

Am niedrigsten ist der Hebesatz in Ingelheim am Rhein in Rheinland-Pfalz mit einem Hebesatz von 80 Prozent, danach folgt Eschborn (Hessen) mit 140 Prozent. Niedrige Sätze unter 300 weisen zudem in Hessen die Städte Neu-Isenburg (250), Stadtallendorf (270) und Herborn (280 Prozent), in Baden-Württemberg die Städte Bietigheim-Bissingen (255 Prozent) und in Bayern Neumarkt in der Oberpfalz (275 Prozent), Herzogenaurach, Unterhaching, Unterschleißheim und Coburg (280 Prozent) sowie in Niedersachsen Löhne (275 Prozent) und Vechta (280 Prozent) auf.

DIHK kritisiert Hebesatz-Erhöhungen

Die Gemeinden haben mit ihrer Hebesatzpolitik für die Gewerbe- und die Grundsteuer einen großen Einfluss auf die Standortattraktivität. Die aktuelle Hebesatzentwicklung zeigt, dass sich die Schere zwischen günstigen und teureren Wirtschaftsstandorten weiter öffnet. Bereits teure Standorte werden immer teurer. „Es ist offensichtlich ein Trugschluss, mit höheren Hebesätzen ein insgesamt höheres Steueraufkommen zu erzielen“, warnt der DIHK. Viele Gemeinden müssten aufpassen, hier nicht in einen Teufelskreis zu geraten: Immer höhere Steuersätze – immer weniger Betriebe. Steigende Hebesätze sind offensichtlich kein taugliches Instrument zur Haushaltssanierung. Die betroffenen Kommunen werden dadurch unattraktiver und können im innerdeutschen Standortwettbewerb ins Hintertreffen geraten.

Sie sind Immobilien-Eigentümer?

Mit diesen Services treffen Sie die besten Entscheidungen:

  • Kostenlose Marktwerteinschätzung
  • Gratis Mietverträge und rechtssichere Vorlagen
  • Umfeld- und Preisentwicklung Ihrer Immobilie
  • Nebenkosten online abrechnen

Melden Sie sich unverbindlich an und profitieren Sie von allen Eigentümer-Services.

Jetzt kostenlos anmelden