Juni 2015 - News

Welche Kosten das Immobilien-Erbe schmälern

Wie lässt sich die Erbschaftssteuer reduzieren?

01.06.2015 - Nachlassverbindlichkeiten können vom angefallenen Vermögen abgezogen werden und die Erbschaftssteuer senken. Bei geerbten Immobilien erweist sich die Entmüllung häufig als kostenintensiv.

Das geerbte Häuschen von der Oma oder von anderen Angehörigen bereitet nicht immer nur Freude. Nun hat ein Erbe versucht, die Kosten für die Entmüllung eines zum Nachlass gehörenden Hauses von der Erbschaftssteuer abzusetzen. Das Finanzgericht Baden-Württemberg klärte den Steuerfall mit einem am 13. Mai 2015 veröffentlichten Urteil.

Der Fall: Der Erbonkel war ein Messie


Die Entmüllung eines zum Nachlass gehörenden Hauses ist nicht absetzbar.

In einem vom Gericht nicht genannten Ort in Baden-Württemberg verstarb ein Eigentümer von mehreren Grundstücken, die sein Neffe erbte. Vor seinem Tod wohnte der Immobilieneigentümer selber lange Jahre in einer zum Wohnhaus umgebauten Scheune als sogenannter „Messie“. Der Verkauf des Erbes brachte dem Erben einen Kaufpreis von rund 56.000 Euro ein. Vor der Veräußerung musste das Wohnhaus des verstorbenen Messie allerdings aufwendig entmüllt werden. Dafür fielen Kosten von insgesamt 17.569 Euro an. Der Neffe deklarierte die Entmüllungskosten als Nachlassverbindlichkeiten, die die Bemessungsgrundlage für die Erbschaftssteuer mindern. Doch das Finanzamt erkannte die Entmüllungskosten als Nachlassverbindlichkeit nicht an, weshalb der Neffe das Finanzamt vor dem Finanzgericht Baden-Württemberg verklagte.

Entmüllungskosten mindern nicht die Erbschaftssteuer

Mit Urteil vom 18. Dezember 2014 (Az. 7 K 1377/14) hat der 7. Senat entschieden, dass Kosten für die Entmüllung eines zum Nachlass gehörenden Hauses keine abzugsfähigen Nachlassverbindlichkeiten darstellen. Vielmehr sind sie als Kosten für die Verwaltung des Nachlasses im Rahmen der Erbschaftsteuer nicht abzugsfähig. Die Entmüllungskosten seien dem Kläger weder unmittelbar mit der Abwicklung, Regelung oder Verteilung des Nachlasses noch mit der Erlangung des Erwerbs entstanden. Dass das zugemüllte Grundstück nicht ohne vorherige Entmüllung vom Erben sinnvoll genutzt werden konnte, mag zwar ein tatsächliches Hindernis für den späteren Verkauf gewesen sein. Dieser Zustand habe jedoch den Erben nicht daran gehindert, das rechtliche, ungeteilte Erbe des Grundstücks anzutreten. Die Revision wurde nicht zugelassen.

Diese Nachlassverbindlichkeiten sind abzugsfähig

Bemessungsgrundlage für die Erbschaftsteuer ist die Bereicherung des Erben. Diese ergibt sich aus dem Unterschied zwischen dem angefallenen Vermögen abzüglich der Nachlassverbindlichkeiten. So gehören nach Angaben der Deutschen Vereinigung für Erbrecht und Vermögensnachfolge (DVEV) in Angelbachtal bei Heidelberg zu Nachlassverbindlichkeiten vor allem Erblasserschulden und die Erbfallschulden. Vom Nachlassvermögen abzuziehen sind zunächst die Schulden des Erblassers (des Verstorbenen). Dazu gehören beispielsweise Darlehensverbindlichkeiten oder Steuerschulden des Erblassers oder Unterhaltsansprüche des geschiedenen Ehegatten. Im Zusammenhang mit Immobilienbesitz besteht beispielsweise oft eine Restschuld aus einem Hypothekenkredit gegenüber einer Bank oder einem anderen Kreditgeber.

Erbfallschulden sind dagegen Schulden, die durch den Erbfall selbst verursacht wurden. In Betracht kommen insbesondere Verbindlichkeiten aus Vermächtnissen, Auflagen, geltend gemachten Pflichtteilen und Erbersatzansprüchen. Die einvernehmliche Geltendmachung von Pflichtteilsansprüchen durch die Kinder kann beispielsweise beim sogenannten Berliner Testament dazu führen, Erbschaftsteuer zu sparen. Die Kinder können dann ihren Pflichtteil in Höhe der Freibeträge steuerfrei erwerben, der überlebende Ehegatte kann die Pflichtteile bei seinem Erwerb steuermindernd abziehen.

Schließlich sind als sonstige Nachlassverbindlichkeiten die Bestattungskosten, die Kosten für ein angemessenes Grabdenkmal, die Kosten für die übliche Grabpflege und die unmittelbar durch die Abwicklung, Regelung oder Verteilung des Nachlasses entstehenden Kosten (z.B. Kosten der Eröffnung des Testaments, Gerichts- und Notarkosten) abzugsfähig. Für diese Kosten ist ein pauschaler Abzug von 10.300 Euro möglich.

Verwaltungskosten für Immobilie nicht abzugsfähig

Nicht abzugsfähig sind dagegen die Kosten für die Verwaltung des Nachlasses. Dazu gehören nicht nur, wie im aktuellen Urteil entschieden, die Kosten für Entmüllung und Entrümpelung, sondern auch die Kosten für die Instandhaltung einer ererbten Immobilie.

Sie sind Immobilien-Eigentümer?

Mit diesen Services treffen Sie die besten Entscheidungen:

  • Kostenlose Marktwerteinschätzung
  • Gratis Mietverträge und rechtssichere Vorlagen
  • Umfeld- und Preisentwicklung Ihrer Immobilie
  • Nebenkosten online abrechnen

Melden Sie sich unverbindlich an und profitieren Sie von allen Eigentümer-Services.

Jetzt kostenlos anmelden