April 2015 - News

Zuwanderung: Gewinner- und Verlierer-Regionen

Leipzig und Münster mit hoher Zuwanderung

07.04.2015 - Deutschland befindet sich seit drei Jahren wegen hoher Zuwanderung wieder auf dem demografischen Wachstumspfad. Doch die Entwicklung verläuft regional sehr unterschiedlich.

Allein im Jahr 2013 verzeichnete Deutschland ein Wanderungsplus von rund 430.000 Menschen. Von dem demografischen Zwischenhoch profitieren jedoch nicht alle Regionen in Deutschland. Viele entlegene ländliche Gebiete verlieren weiter stark an Bevölkerung, vor allem in den neuen Bundesländern, längst aber auch in Nordhessen, der Südwestpfalz oder Oberfranken.

Regionen und Städte mit hohem Zuwachs

Zuwanderung: Gewinner- und Verlierer-Regionen

Leipzig verzeichnet eine der höchsten Zuwanderungsraten Deutschlands.

Spannend ist dabei ein Blick auf die bewussten Entscheidungen für oder gegen eine Region - also auf die Umzüge über die Kreisgrenzen. Nach den Auswertungen des Saldos aus Zuzügen und Fortzügen von 2011 bis 2013 liegen demnach die Universitätsstädte Leipzig und Münster an der Spitze. Leipzig verzeichnete einen Wanderungssaldo von 5,9 pro 100 Einwohner, Münster von 5,8 pro 100 Einwohner. Auch die Universitätsstädte Darmstadt (5,5), Landshut (5,3) und Freiburg im Breisgau (4,3) weisen einen großen Wanderungsgewinn auf. Unter den Großstädten ergibt sich folgende Reihenfolge: Frankfurt (4,1), München (3,9), Berlin (3,6), Dresden (3,1),  Stuttgart (3,0), Nürnberg (3,0), Köln (2,6) und dann Hamburg (2,3), Düsseldorf (2,1). Auch die Autostädte Ingolstadt (3,5) und Wolfsburg (3,0) ziehen unter dem Strich mehr neue Einwohner an, als Menschen wegziehen.

Verlierer-Regionen

Die größten Verluste hingegen verzeichnen Suhl (-2,2) in Thüringen sowie der brandenburgische Landkreis Elbe-Elster (-2,0) und Stendal (-2,0) in Sachsen-Anhalt. Weitere ostdeutsche Landkreise wie Oberspreewald-Lausitz (-1,9), Spree-Neiße (-1,7), Greiz (-1,6) und Mansfeld-Südharz (-1,6), Uckermarck (-1,3), Eichsfeld (-1,2), Prignitz (-1,2) oder Altmarkkreis-Saltzwedel (-1,2) weisen eine hohe Abwanderung auf.

Deutlich mehr Abwanderungen als Zuzüge weisen auch viele Landkreise im Westen der Republik auf. Davon besonders betroffen sind in Nordrhein-Westfalen der Märkischer Kreis (-1,1), Höxter und der Hochsauerlandkreis (-0,9), in Rheinland-Pfalz die Landkreise Birkenfeld (-1,1), Kusel (-1,0) und Vulkaneifel (-0,8), in Baden-Württemberg der Landkreis Freudenstadt (-0,7) und in Bayern Hof (-0,5).

Folgen der Wanderungsbewegung

Das Berlin Institut für Bevölkerung und Entwicklung analysiert in der Studie „Von Hürden und Helden – Wie sich das Leben auf dem Land neu erfinden lässt“ die Folgen der Landflucht. Vor allem junge Menschen zieht es auf der Suche nach einem Ausbildungs- oder Studienplatz in die Ballungsräume. Der demografische Abwärtstrend wird deshalb ungebrochen in vielen ländlichen Regionen weitergehen.

Die Landbevölkerung muss sich vielerorts mit einer schlechter werdenden Versorgung zufrieden geben, weil mit den Einwohnerzahlen die Nachfrage nach Waren, Dienstleistungen sowie Bildungs- und Kulturangeboten sinkt und herkömmliche Versorgungsangebote die Grenzen der Finanzierbarkeit unterschreiten. Vielerorts droht daher eine Abwärtsspirale aus schrumpfender Bevölkerung und sich weiter ausdünnender Versorgung. Eigentümer von Wohnimmobilien in den betroffenen Regionen müssen daher mit fallenden Preisen rechnen. Noch schlimmer: Vielerorts wird es aufgrund der Abwärtsspirale keine Käufer von Wohnimmobilien mehr geben.

Was tun?

Eine gute Versorgung trotz Bevölkerungsrückgang erfordert Offenheit für neue Ideen. Neue Angebotsformen können einer fortlaufenden Ausdünnung der Versorgung entgegenwirken. Neben engagierten Bürgern und Kommunen bedarf es dazu auch rechtlicher Freiräume.

Von der Lokalpolitik und den Verwaltungen erfordert dies einen ehrlichen Umgang mit den Bürgern. Sie sollten klar sagen, mit welcher Versorgungsqualität künftig zu rechnen ist. Daneben sollten sie offen für neue Ideen sein – egal ob diese aus der Nachbargemeinde, von eigenen Verwaltungsangestellten oder aus der Bürgerschaft kommen.

Bezüglich der Mobilität bietet es sich an, aus verschiedenen Verkehrsmitteln eine wirtschaftliche tragbare Mobilitätskette zu bilden: Rufbusse, Anruf- Sammeltaxis oder Bürgerbusse haben sich in einigen Regionen etabliert.

Bei der Bildung sollten die Gemeinden wegen der knapperen finanziellen Mitteln offen sein für neue Schulformen: Längeres gemeinsames Lernen, Schulverbünde mit Filialschulen und kleinen Zwergschulen oder „Platzsharing“ in Kitas sind neue Varianten, die über die bisherigen institutionellen Lösungen hinausgehen. In Dörfern, die sonst wenig soziale Infrastruktur aufweisen, sollte die Schule eine zusätzliche Funktion als gesellschaftliches Zentrum übernehmen – auch um die Auslastung der Schulgebäude zu verbessern. Kitas, Tagesmütter, Jugend- oder Seniorenzentren und ortsansässige Vereine sollten die Möglichkeit haben, Räumlichkeiten in der Schule zu nutzen.

Bei der medizinischen Versorgung haben Kommunen rechtlich kaum Handlungsspielraum, die Versorgung ihrer Bürger zu verbessern oder zu gewährleisten. Kommunalpolitiker sollten trotzdem aktiv werden und gemeinsam mit den Kassenärztlichen Vereinigungen nach Lösungen suchen, wenn eine ausreichende Versorgung nicht mehr gewährleistet ist. Dass dies funktioniert, zeigen Kommunen in Schleswig-Holstein.

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