März 2015 - News

Pensionäre: Vorsicht Steuerfalle Arbeitszimmer

Welche Rolle spielen Versorgungsbezüge?

16.03.2015 - Der Bundesfinanzhof hat geklärt, wie Pensionäre mit selbständiger Tätigkeit Aufwendungen für das häusliche Arbeitszimmer steuerlich berücksichtigen können.

Ob ein Arbeitszimmer im Keller zulässig und in welchem Ausmaß steuerlich als Betriebsausgabe abzugsfähig ist, ist nicht ganz einfach zu ermitteln. Nun hat der Bundesfinanzhof für einen solchen Fall eine Entscheidung getroffen, nachdem ein Steuerzahler uneins mit der Feststellung seines Finanzamtes und des zuständigen Finanzgerichtes war.

Der Fall: Pensionär mit Arbeitszimmer im Keller

Steuerfalle Arbeitszimmer

Ein Arbeitszimmer im Keller sollte in die "häusliche Sphäre eingebunden" sein.

Ein Pensionär hat mit Ende seiner Beamtentätigkeit eine selbständige Tätigkeit als Gutachter aufgenommen. Als Einkommen erzielte er neben seiner Pension, den Einkünften aus selbständiger Tätigkeit noch geringfügige weitere Einkünfte (Vermietung, Kapitalvermögen). Für seine Gutachtertätigkeit nutzte er ein Arbeitszimmer im Keller seines privaten Einfamilienhauses, das er entsprechend dem Standard seiner Wohnräume umbauen und ausstatten ließ (ausgekofferte Fenster mit Lichtschächten, Anbindung an das Heizungssystem, für Wohnräume übliche Boden- und Wandbeläge).

Gegenüber seinem Finanzamt machte er die Kosten seines Arbeitszimmers als Betriebsausgaben geltend. Dafür ermittelte er einen Anteil an den gesamten Gebäudekosten in Höhe von 16,5 Prozent: Dieser Anteil ergab sich aus der Gegenüberstellung der Fläche des Arbeitszimmers zur Wohnfläche des Erdgeschosses zuzüglich des Arbeitszimmers.

Rechtsstreit mit dem Finanzamt wegen Anteil des Arbeitszimmers

Das Finanzamt erkannte jedoch von diesen Kosten nur einen Teil (1250 Euro) als steuerlich relevante Aufwendungen an. Die Begründung der Finanzbeamten: Das Arbeitszimmer sei nicht Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit des Klägers, weil der größte Teil seiner Einnahmen aus seiner Pension stamme. Nach dem Einkommensteuergesetz (§ 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 1 und Satz 2) können Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer dann aber nur in Höhe von maximal 1250 Euro steuerlich geltend gemacht werden.

Gegen diese Entscheidung legte der Pensionär beim zuständigen Finanzgericht Klage ein. Das Finanzgericht ließ im Gegensatz zum Finanzamt immerhin Aufwendungen in Höhe von 2243 Euro zum Abzug zu. Dabei ging es davon aus, dass das Arbeitszimmer sehr wohl den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit des Klägers darstelle. Abzugsfähig sei allerdings nicht der vom Pensionär ermittelte Anteil von 16,5 Prozent, sondern lediglich elf Prozent der gesamten Gebäudekosten. Denn neben der Wohnfläche des Erdgeschosses sei auch die gesamte Kellerfläche - nicht nur die Fläche des Arbeitszimmers selbst - bei der Ermittlung des Kostenanteils des Arbeitszimmers zu berücksichtigen.

Klärung durch Urteil des Bundesfinanzhofes

Mit dem Urteil des Bundesfinanzhofs in München vom 11. November 2014 (VIII R 3/12) kam es schließlich zur endgültigen Entscheidung, welche Kosten für das Arbeitszimmer als Aufwendungen steuerlich geltend gemacht werden können.

Wie das Finanzgericht so ist auch der Bundesfinanzhof in dem Fall der Ansicht, dass das Kellerbüro in die häusliche Sphäre eingebunden ist und die Pensionen bei der Ermittlung des Mittelpunktes der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit keine Rolle spielt. „Denn es sind nur solche Einkünfte zu berücksichtigen, die grundsätzlich ein Tätigwerden des Steuerpflichtigen im Veranlagungszeitraum erfordern“, so die Münchner Richter. Das sei aber bei Versorgungsbezügen nicht der Fall. Den weiteren Einkünften des Klägers kam verglichen mit der Gutachtertätigkeit kein nennenswertes qualitatives Gewicht zu, so dass auch diese im Urteilsfall außer Acht gelassen werden konnten. Die Kosten des Arbeitszimmers könnten daher nicht auf 1250 Euro entsprechend des Bescheids des Finanzamtes begrenzt werden. Stattdessen seien gemäß dem Anteil des Arbeitszimmers am Gesamtgebäude die Kosten als Aufwendungen voll zu berücksichtigen.

Bei der Berechnung des Arbeitszimmeranteils folgte der Bundesfinanzhof allerdings nicht dem Finanzgericht. Die auf ein Homeoffice anteilig entfallenden Betriebsausgaben sind nach dem Verhältnis der Fläche des Arbeitszimmers zur Wohnfläche der Wohnung zu ermitteln. Nicht zur Wohnfläche gehören Kellerräume. Dient ein Raum dort allerdings – wie im Fall des Pensionärs – als Arbeitszimmer und enspricht in Funktion und baulichem Standard einem Wohnraum, so ist die Kellerlage bedeutungslos. Die Gesamtwohnfläche, bestehend aus Erdgeschoss und „Keller-Arbeitszimmer“ war damit ins Verhältnis zur Fläche des Arbeitszimmers selbst zu setzen. Die übrigen Zubehörräume im Kellergeschoss durften nicht einbezogen werden.

Tipp für Eigentümer

Bei der Ermittlung, ob das Arbeitszimmer der Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit ist, spielen Pensionen keine Rolle – dieses Urteil des Bundesfinanzhofs hat für viele Hauseigentümer im Ruhestand steuerliche Auswirkungen. Für sie bildet ihr Arbeitszimmer dann oft tatsächlich den Mittelpunkt ihrer Einkunftserzielung, weshalb Aufwendungen dafür also nicht auf 1250 Euro begrenzt sind.

Hauseigentümer mit einem Arbeitszimmer im Keller sollten jedoch durch entsprechende bauliche Maßnahmen dafür sorgen, dass das Finanzamt es als in die „häusliche Sphäre eingebunden“ ansehen.

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