März 2015 - News

Bauboom wegen Zuwanderung und Niedrigzins

Mietpreisbremse droht Boom zu bremsen

16.03.2015 - Die staatliche Förderbank KfW rechnet für 2015 in Deutschland mit 260.000 neuen Wohnungen. Höhere Einkommen, niedrige Zinsen, gestiegene Immobilienpreise und die starke Zuwanderung seien die Bautreiber.

Der Wohnungsbau wird auch im Jahr 2015 nach Ansicht der Ökonomen der KfW eine maßgebliche Konjunkturstütze bleiben. Angetrieben durch hohe Zuwanderung und niedrige Zinsen wird die Nachfrage nach Wohnraum weiter zunehmen. Die Ökonomen der KfW prognostizieren einen Anstieg der Wohnungsbauinvestitionen um 2,5 Prozent. Deutschland sei noch weit von einer Immobilienpreisblase entfernt, es gebe jedoch regionale oder lokale Überhitzungstendenzen.

Höchste Zahl an Wohnungsneubauten innerhalb von zehn Jahren

Bauboom in Deutschland

Besonders die extrem niedrigen Zinsen feuern den Wohnungsneubau in Deutschland an.

Der Wohnungsbau in Deutschland boomt weiter. Die Investitionen in Wohnungsneubau und -bestand stiegen im vergangenen Jahr um 3,7 Prozent, die Zahl fertig gestellter neuer Wohnungen erreichte mit rund 250.000 einen Zehn-Jahres-Rekord. Im laufenden Jahr dürfte dieser Höchstwert sogar noch übertroffen werden: KfW Research rechnet für 2015 mit der Fertigstellung von etwa 260.000 neuen Wohnungen. Das Wachstum der Wohnungsbauinvestitionen wird zwar etwas gebremst, dürfte 2015 aber immer noch ein Plus von 2,5 Prozent erreichen. „Der Wohnungsbau in Deutschland erlebt weiter eine Sonderkonjunktur“, sagt KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner.

Gründe für weiter hohen Wohnungsbau

„Treibende Faktoren für steigende Wohnungsbauinvestitionen sind neben höherem Einkommen und niedrigen Zinsen für Immobilienkredite auch die Wertsteigerung der Immobilien in vielen Regionen und nicht zuletzt die hohe Zuwanderung.“

In den vergangenen fünf Jahren sind 1,7 Millionen Menschen mehr nach Deutschland ein- als ausgewandert. 2015 dürften weitere 500.000 Zuwanderer dazukommen, 300.000 davon aus EU-Staaten. Das erhöht die Nachfrage nach Mietwohnungen und stimuliert Wohnungsbauinvestitionen.

Neben der Zuwanderung sorgen die steigenden Einkommen und das historisch niedrige Zinsniveau für Investitionszuwächse: Ende 2014 betrug der durchschnittliche Effektivzins für Wohnungsbaukredite an private Haushalte mit einer Zinsbindung von über zehn Jahren 2,3 Prozent. Die Kreditkosten für ein Eigenheim waren damit so niedrig wie nie. Wohnungsbauinvestitionen erwirtschafteten zudem attraktive Renditen: Die Nettomietrendite von vermieteten Eigentumswohnungen lag 2014 bei durchschnittlich drei Prozent. Zum Vergleich: Die durchschnittliche Umlaufrendite für – risikoarme - börsennotierte Bundeswertpapiere lag gleichzeitig bei nur 0,6 Prozent.

Infolge der steigenden Nachfrage nach Wohnraum zogen auch die Immobilienpreise im vergangenen Jahr nochmals kräftig an. Gebrauchte Ein- und Zweifamilienhäuser waren 2014 zwischen vier und sieben Prozent teurer. In wachsenden Großstädten lag die Preissteigerung am oberen Ende. Dieser Preisanstieg bringt Immobilienbesitzern erhebliche Vermögenszuwächse. Von 2010 bis 2014 stieg das Nettoanlagevermögen in Wohnbauten in Deutschland um 560 Milliarden Euro auf 4,6 Billionen Euro, was einem Anstieg von 15 Prozent entspricht.

Riskante Regionen

In einigen Regionen halten die Mieten nicht mehr mit den Preissteigerungen Schritt. Einerseits fallen daher die Mietrenditen, was den Preisanstieg bremsen sollte. Andererseits werden in Erwartung weiter steigender Preise Bestände mit höheren Risiken erworben. Deutschlandweit ist die Entwicklung der Immobilienpreise deutlich moderater. Es besteht weder ein globales Wohnungsüberangebot noch eine Kreditschwemme; Immobilieninvestitionen sind solide finanziert, erhöhen in der Summe das Vermögen der privaten Haushalte und kompensieren so einen Teil der fehlenden Zinserträge infolge der niedrigen Inflation und des moderaten europäischen Wachstums.

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