Februar 2015 - News

Aufwertung: Verluste mit Franken-Krediten

Schwere Verluste für Haushalte in Polen, Österreich und Ungarn

02.02.2015 - Die Aufhebung des Schweizer-Franken-Mindestkurses und die damit verbundene Aufwertung gegenüber dem Euro hat Baufinanzierern mit Franken-Fremdwährungsdarlehen in Osteuropa schwere Verluste bereitet. Aber auch deutsche Baufinanzierer sind betroffen.

In den vergangenen Jahren hatte die Schweizerische Nationalbank die Währung fest an den Euro gekoppelt. Gleichzeitig liegen die Zinsen seit Langem auf einem noch niedrigeren Niveau als in Deutschland. Schweizerische Staatsanleihen, die auch beispielsweise für Baudarlehen maßgeblich sind, rentieren derzeit bei einer Laufzeit von zehn Jahren gerade mal noch mit 0,15 Prozent.

Viele osteuropäische Immobilienkäufer mit Franken-Krediten


Finanzierer mit dem Franken-Fremdwährungsdarlehen fahren Verluste ein.

Aufgrund dieser Konstellation haben viele Immobilienkäufer im Euro-Raum, insbesondere in Ländern mit relativ hohem Zinsniveau, für ihre Finanzierung Kredite in Schweizer Franken aufgenommen, um in den Genuss der niedrigen Zinssätze zu kommen. Vor allem in Osteuropa meinten viele Immobilienerwerber durch diese Methode ihren Wohnungswunsch mit geringer Belastung finanzieren zu können. Allein in Polen haben in den vergangenen Jahren 700.000 Haushalte Immobilienkredite in Schweizer Franken abgeschlossen. Nach Angaben der polnischen Finanzaufsicht wurden insgesamt rund 40 Prozent der Immobilienkredite in Polen mit einer Koppelung an den Schweizer Franken abgeschlossen, ihr Wert beläuft sich auf insgesamt rund 31 Milliarden Euro. Auch in Österreich, Kroatien, Serbien, Ungarn und Rumänien haben relativ viele Menschen ihre Immobilien mit Franken-Krediten finanziert.

Franken-Freigabe bringt Fremdwährungs-Kreditnehmer in Bedrängnis

Mitte Januar 2015 entschied sich die Schweizer Nationalbank völlig überraschend, den festen Umtauschkurs Schweizer Franken zum Euro aufzuheben. Die damit verbundene Aufwertung des Franken um rund 20 Prozent führte für die Kreditnehmer der Franken-Darlehen im Euroraum schlagartig zu einer Erhöhung ihres Kreditbetrags auf Euro-Basis und zu einer deutlichen höheren laufenden Belastung für Zins und Tilgung.

Auch deutsche Kreditnehmer betroffen

Laut Angaben der Bundesbank haben auch Deutsche Franken-Kredite in erheblichem Umfang – wenn auch nicht in der Häufigkeit wie die Einwohner in Süd- und Osteuropa – aufgenommen. Danach halten deutsche Privatpersonen Franken-Kredite in Höhe von 7,2 Milliarden und Unternehmen im Wert von 5,2 Milliarden Euro. Auch deutsche Kommunen in Grenznähe zu der Schweiz und in noch höherem Umfang in Nordrhein-Westfalen haben ihre Schulden mit den scheinbar zinsgünstigen Franken-Darlehen finanziert. Allein deutsche Banken haben Kredite über rund 1,8 Milliarden Franken an öffentliche Haushalte vergeben. Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, die für Kreditfragen zuständig ist, geht davon aus, dass sich private Kunden, die solche Kredite aufgenommen haben, weitgehend über die Währungsrisiken im Klaren seien. Viele dieser Kreditnehmer seien Grenzgänger, die in Deutschland wohnen, aber in der Schweiz arbeiten und ihr Gehalt in Franken bekommen. Für sie sei die Aufwertung des Franken-Kredits nur dann zum Nachteil, wenn sie ihre Stellung in der Schweiz und ihr Gehalt in Franken verlören.

Eine deutlich größere Dimension haben die Franken-Kredite dagegen für die privaten Haushalte in Österreich. Zwar ist der Bestand an Fremdwährungskrediten in Österreich in den vergangenen Jahren geschrumpft, doch beträgt das noch ausstehende Volumen von Franken-Krediten an private Haushalte und Unternehmen noch immer 29 Milliarden Euro.

Immerhin konnte der Euro seit der starken Aufwertung des Franken mit der Wechselkurs-Freigabe in den vergangenen Wochen wieder etwas an Wert gegenüber dem Franken aufholen.

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