Februar 2015 - News

Umzugsprämie für Senioren?

Zu große Seniorenwohnungen oder zu wenig altersgerechter Wohnraum

16.02.2015 - „Viele Senioren sitzen im Alter in ihren großen Wohnungen fest, viele Familien müssen dagegen in viel zu kleinen Wohnungen wohnen.“, so IG-Bau-Chef Robert Feiger. Der Staat solle daher älteren Menschen bis zu 5000 Euro als Umzugsprämie zahlen.

Nach den Zahlen des Statistischen Bundesamtes stehen allein lebenden Senioren in der Bundesrepublik durchschnittlich 78,4 Quadratmeter Wohnraum zur Verfügung. Ein Paar mit mindestens einem Kind kommt pro Person auf lediglich 30,2 Quadratmeter. Nach Ansicht von Robert Feiger würden viele ältere Leute nicht ausziehen, weil ihnen „finanziell“ und „organisatorisch“ die „Hürden“ zu groß seien. Der Vorschlag von IG-Bau-Chef Robert Feiger, ältere Menschen durch eine staatliche Umzugsprämie aus ihren Wohnungen herauszukaufen, stieß jedoch in der Öffentlichkeit und der Politik überwiegend auf Ablehnung.

Die Forderung resultiert jedoch aus der Beschreibung eines Zustandes: Die Bevölkerung überaltert, demgegenüber steht ein großenteils wenig bedarfsgerechtes Wohnungsangebot. Für Eigentümer, Investoren und Anbieter von Wohnungen empfiehlt es sich, diesem Bedarf nach altersgerechten Wohnraum anzupassen.   

Kritik von Politik und Wohnungsmarktexperten

Umzugsprämie für Senioren?

Vermieter sollten sich auf den zunehmenden Bedarf altersgerechter Wohnungen einstellen.

Die in der Bundesregierung zuständige Bundesbauministerin Barbara Hendricks (SPD) reagiert auf den Vorschlag der Gewerkschaft IG Bau ablehnend: Zwar gebe es zu wenig bezahlbaren Wohnraum für Familien mit Kindern. „Ich halte diesen Vorschlag aber nicht für geeignet, dieses Problem zu lösen“, so Barbara Hendricks. Besser sei es, Wohnungen altersgerecht umzubauen.

Einige Vertreter der Immobilienbrache halten eine Umzugsprämie von 5000 Euro dagegen für zu gering. Die Summe würde hinten und vorne nicht ausreichen, so Ralph Pass, Vorsitzender des Immobilienverbands Deutschland IVD West. Das Problem sei zudem in vielen Großstädten die Knappheit an altersgerechtem Wohnraum. In Großstädten wie Köln herrsche ein akuter Mangel an bezahlbaren, barrierefreien Ein- und Zweizimmer-Wohnungen.

Interessenvertreter der Hauseigentümer kritisieren zwar den Vorschlag einer teuren Umzugsprämie auf Kosten der Steuerzahler, sehen jedoch ebenfalls einen dringenden Bedarf an altersgerechtem Wohnraum. „Statt ein teures Umzugsprogramm für Senioren aufzulegen, muss der altersgerechte Umbau von Wohnungen weiter vorangetrieben werden“, sagt Kai Warnecke, Hauptgeschäftsführer von Haus & Grund Deutschland. ,„Die älteren Menschen bleiben in ihren Wohnungen, weil sie sich dort wohl fühlen – nicht weil ihnen das Geld für einen Umzug fehlt.“ Senioren sollten, so lange sie möchten, in ihrer gewohnten Umgebung leben können. Deshalb sei es so wichtig, den altersgerechten Umbau von Wohnungen zu fördern. „Das ist für die kommenden Jahre und Jahrzehnte eine große gesellschaftspolitische Herausforderung, der sich die Politik und die wohnungspolitischen Akteure jetzt stellen müssen“, forderte Warnecke.

Staat fördert bereits altersgerechten Umbau

Dabei fördert der Staat bereits über die Staatsbank KfW den Umbau in altersgerechte Wohnungen. Viele Haus- und Wohnungseigentümer kennen diese Programme jedoch nicht oder beschäftigen sich mit Fragen wie Barrierefreiheit erst dann, wenn sie selbst bereits gehbehindert sind. Mit dem KfW-Kreditprogramm 159 „Altersgerecht Umbauen“ können Personen unabhängig von ihrem Alter ein Darlehen bis zu 50.000 Euro pro Wohneinheit zu 0,75 Prozent effektivem Jahreszins für den barrierefreien Umbau oder zum Erwerb einer barrierefreien Wohnung beantragen. Typische geförderte Umbaumaßnahmen sind die Beseitigung von Schwellen oder Verbreiterung von Türen, der Umbau des Bades durch bodengleiche Duschplätze oder die Nachrüstung von Häusern oder Wohnungen mit Aufzugsanlagen, Treppenliften oder Rampen zur Überwindung von Barrieren. Alternativ können Privatpersonen auch das Zuschussprogramm 455 der KfW wählen. Interessanterweise entspricht der maximale Zuschuss dem von IG-Bau-Chef Feiger vorgeschlagenen Betrag für die Umzugsprämie, nämlich 5000 Euro pro Wohneinheit.

Tipp für Vermieter und Eigentümer

Eigentümer von selbstgenutztem Wohnraum sollten sich rechtzeitig Gedanken machen, ob die eigene Wohnung altersgerecht ist und welche Konsequenzen daraus zu ziehen sind. Oft ist der Auszug der Kinder ein geeigneter Zeitpunkt, den Wohnbedarf neu zu überdenken. Grundsätzlich stellt sich die Frage, ob eine andere – meist kleinere – Wohnung bedarfsgerechter ist. Wer in seiner gewohnten Umgebung bleiben will, sollte umfangreiche Anpassungen möglichst frühzeitig angehen.

Auch für die Vermieter von Wohnungen empfiehlt es sich, sich auf den zunehmenden Bedarf altersgerechter Wohnungen einzustellen. Wer seine Wohnung dieser wachsenden Mieter-Gruppe anbieten will, sollte entsprechende Maßnahmen, wie den Einbau geeigneter Aufzüge oder die Barrierefreiheit in den Wohnungen, prüfen.

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