Februar 2014 - News

Zinswende in den USA: Sind Immobilienkreditnehmer hier betroffen?

Einige Schwellenländer erhöhen Zinsen deutlich

In den USA zeichnet sich eine Wende der Geldpolitik ab: Die Zinsen beginnen, langsam zu steigen. Wie sich dies auf die Hypothekenzinsen in Deutschland auswirkt und worauf sich deutsche Kreditnehmer einstellen sollten.

Für viele Immobilienkäufer ist ihr Kreditzins die höchste laufende Belastung ihres Budgets. Nachdem das Zinsniveau seit der Jahrtausendwende schrittweise gesunken ist, hat es im Frühjahr 2013 einen vorläufigen Tiefpunkt erreicht. Der effektive anfängliche Hypothekenzins bei zehnjähriger Zinsfestschreibung günstiger Kreditgeber lag im April 2013 laut Baugeld-Maßstab des FMH-Index bei etwa 2,3 Prozent. Im Januar 2014 lag dieser Zins bereits bei 2,7 Prozent, ist aber nun Mitte Februar wieder etwas gesunken. Aufgrund eines stärkeren Wirtschaftswachstums in den USA erwarten viele Ökonomen in den kommenden Monaten nun einen weiteren leichten Zinsanstieg.

Zentralbanken haben bislang Zinsen niedrig gehalten

Seit der Finanzkrise im Jahr 2008 und der damit verbundenen Gefahr eines Staatsbankrotts von Griechenland und Portugal, aber auch wegen der angespannten Haushaltslage von Spanien und Italien, hält die Europäische Zentralbank EZB die Zinsen künstlich niedrig. Auch die US-Zentralbank (FED) und die britische Notenbank halten das Zinsniveau aufgrund der schwachen Wirtschaft und der hohen Staatsverschuldung künstlich niedrig.

Doch eine Niedrigzinspolitik blieb bislang nicht ohne Folgen: In der Vergangenheit kam es aufgrund einer expansiven Geldpolitik oft zu einer Inflation. Aufgrund des starken internationalen Wettbewerbs der Konsumgüter, blieben aber in den 2000-Jahren die Preise trotz der expansiven Geldpolitik Anfang des Jahrzehnts relativ stabil. Das billige Geld floss jedoch in Vermögensanlagen und führte zu sogenannten Preisblasen bei Immobilien in den USA, Großbritannien oder Spanien oder den Aktien. Das Platzen der Preisblasen dieser Vermögensanlagen führte dann wie 2008 (US-Immobilienblase) oder 2001 (Börsenblase) zu einer internationalen Wirtschaftskrise. Die Notenbanken werden daher bei einer stärkeren wirtschaftlichen Erholung die Zinsen wieder vorsichtig auf das langfristige Normalniveau erhöhen, um solche Vermögensblasen zu vermeiden. Voraussetzung ist allerdings ein stärkeres Wirtschaftswachstum und eine damit verbundene Drosselung der Staatsverschuldung.

Zögerliche Zinswende in den USA

Seit die US-Notenbank vor etwa acht Monaten erstmals angekündigt hat, in absehbarer Zeit ihre monatlichen Wertpapierkäufe sukzessive reduzieren zu wollen („Tapering“), ist es sowohl in den USA als auch in Deutschland zu einem deutlichen Anstieg des mittel- und langfristigen Zinsniveaus gekommen.

Welche Schlüsse lässt dies nun für die aktuelle Zinsnormalisierung zu? Die Mehrheit der Ökonomen geht in den kommenden ein bis zwei Jahren von einem leichten Zinsanstieg aus. „Da sowohl die Fed als auch wir in diesem und im kommenden Jahr mit einer dynamischeren Wachstumsentwicklung und einer zunehmenden Inflationsrate rechnen, besteht noch einiger Spielraum für eine weitere Erhöhung der langfristigen Zinsen in den USA“, erläutert Alexander Fanous, Ökonom bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW Economic Research). „Die kurz- und mittelfristigen Zinsen haben ein noch deutlicheres Anstiegspotenzial, insbesondere dann, wenn die US-Notenbank zu einer restriktiveren Geldpolitik übergeht.“

Folgen für Zinsen in Deutschland

Im Gegensatz zu den USA, verläuft die wirtschaftliche Erholung im Euroraum – insbesondere in den Südstaaten – deutlich langsamer. Die EZB betreibt Anfang 2014 weiterhin eine extreme Niedrigzinspolitik. „Während die Renditen für Bundesanleihen weiter anziehen dürften, wirken die überraschende Leitzinssenkung auf 0,25 Prozent im November 2013 und Erwartungen weiterer Lockerungsschritte der EZB dem Anstieg der Bauzinsen entgegen“, erläutert Patricia Wruuck, von DB Research der Deutschen Bank in ihrem „Marktausblick Baufinanzierung“. „Im historischen Vergleich dürfte Baugeld damit auch zu Beginn 2014 noch günstig bleiben.“

Im Jahresverlauf gehen jedoch führende Ökonomen – wie das Herbstgutachten 2013 der Wirtschaftsinstitute zeigt – von einem stärkeren Wirtschaftswachstum und einem Abstieg der Inflationsrate von aktuell 1,2 Prozent auf knapp zwei Prozent aus. Die jüngste Abwertung und teilweise Zinserhöhung der Schwellenländer Argentinien, Brasilien, Indien, Indonesien und der Türkei zeigen, dass sich die Notenbanken außerhalb der USA nicht von der Zinspolitik der USA entkoppeln können. „Die historische Erfahrung spricht dafür, dass ein weiterer Anstieg der langfristigen US-Zinsen auch eine Zunahme der Langfristzinsen in Deutschland zur Folge haben könnte“, so Alexander Fanous von KFW Economic Research. „Ein Zinsanstieg in den USA dürfte sich in den kurzen und mittleren Laufzeiten aber erst mit einer deutlichen Verzögerung in der Entwicklung der entsprechenden Zinssätze in Deutschland bemerkbar machen.“

Tipp für Kreditnehmer

Die Zinswende in den USA wird in Deutschland nicht zu einem rasanten Zinsanstieg führen, ist jedoch ein Zeichen, dass sich die Ära des extremen Niedrigzinsniveau langsam dem Ende nähert. Wer aufgrund eines Immobilienkaufs einen Hypothekenkredit aufnehmen muss oder aufgrund eines Zinsauslaufs einen Anschlusskredit benötigt, sollte daher in den kommenden Monaten von zumindest leicht steigenden Zinsen ausgehen. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte das noch aktuell günstige Zinsniveau nutzen und die Zinsen möglichst langfristig sichern. Zudem empfiehlt sich entsprechend der finanziellen Tragbarkeit eine möglichst hohe Tilgung zu wählen, um beim Zeitpunkt der Anschlussfinanzierung eine möglichst geringe Restschuld tragen zu müssen.

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