Februar 2014 - News

Auskünfte, die Schufa Kreditnehmern geben muss

Berechnungsformel bleibt Geheimnis, aber über andere Daten muss Schufa informieren

Die Vergabe eines Kredits und dessen Konditionen hängen oft von der Einschätzung der Kreditwürdigkeit (Bonität) durch die Schufa ab. Nun klagte eine Betroffene bis vor den Bundesgerichtshof, um genau zu erfahren, wie ihr Bonitäts-Score berechnet wurde.


Schufa-Zentrale in Wiesbaden; Schufa

Die Vergabe eines Kredits und dessen Konditionen, hängen oft von der Einschätzung der Kreditwürdigkeit (Bonität) einer Person ab. Banken bedienen sich neben eigener Dateien oft auch der Informationen externer Wirtschaftsauskunftsdateien und deren Softwareprogramme zur Kreditausfallwahrscheinlichkeit (Scoring-Modelle). Vor allem bei Immobiliendarlehen kann ein schlechter Score die Zinsen deutlich verteuern oder  zu einer Ablehnung des Kreditantrages führen. Größte und wichtigste Auskunftsdatei in Deutschland ist die Schufa. Nun hat der Bundesgerichtshof geklärt, ob Kreditnehmer erfahren dürfen, wie die Schufa den persönlichen Score ermittelt.

Kein Auto wegen Namensverwechslung durch die Schufa

Eine Angestellte aus dem Landkreis Gießen wollte sich im Herbst 2011 ein Auto kaufen - per Leasingvertrag. Der Händler lehnte den Vertrag aber wegen einer negativen Schufa-Auskunft ab. Der Grund war eine Namensverwechslung. Im zweiten Versuch klappte es mit dem Autokauf dann, allerdings wunderte sich die Autokäuferin über ihre persönliche schlechte Bonitätsnote: Die Schufa stufte sie mit einem Score von 92,9 Prozent gegenüber Banken und einem Score von 81,1 Prozent gegenüber Telekommunikationsunternehmen ein, obwohl sie bei anderen Firmen eine hervorragende Bonität genoss. Sie konnte den Score nicht nachvollziehen. Daher wollte sie von der Schufa Auskunft erhalten, welche Merkmale zur Scoreberechnung in welcher Gewichtung eine Rolle spielen. Deshalb verklagte sie die Schufa vor dem Amtsgericht Gießen, das die Klage aber im Wesentlichen abwies. Die Berufung der Klägerin beim Landgericht blieb ebenso ohne Erfolg wie nun die Revision vor dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe (Urteil vom 28. Januar 2014 - VI ZR 156/13).  

Kreditwürdigkeitsanalyse als Geheimwissenschaft

Ein Score stellt einen Wahrscheinlichkeitswert über das künftige Rückzahlungsverhalten von Personengruppen dar, der auf der Grundlage statistisch-mathematischer Analyseverfahren berechnet wird. Der Basisscore der Schufa wird in der Eigenauskunft in Prozent angegeben und jeweils nach drei Monaten neu berechnet. Er liegt zwischen 0 und 100 Prozent, wobei hohe Werte besser sind und 100 Prozent ein rein theoretischer Wert ist. Die Berechnung des Score-Wertes wird von der Schufa nicht offengelegt und ist daher für Außenstehende undurchsichtig. Die Berechnung erfolgt aufgrund der Daten, die der Schufa vorliegen. Die Wirtschaftsauskunftsdateien wie Schufa, Creditreform, Deltavista und Bürgel speichern Angaben zur Person, also Name, Geburtstag und -ort sowie die Adresse. Außerdem sammeln sie Finanzmerkmale wie die Anzahl der Bankkonten, Zahl und Art von Krediten, Handy- und Leasingverträge, Angaben über unbezahlte Rechnungen, Mahnungen oder Insolvenzen. Laut Gesetz dürfen die Datensammler nur rechtskräftig festgestellte offene Ansprüche berücksichtigen, verjährte Forderungen müssen gelöscht werden. Nicht gespeichert werden Kontostand, Einkommen, Vermögen, Beruf, Familienstand oder die Nationalität – Informationen, die aber oft von den Kreditgebern abgefragt werden. Händler und Banken melden der Schufa, wenn ein Kunde eine Rechnung nicht bezahlt oder einen Kredit nicht getilgt hat.

Bundesgerichtshof: Scoringformel bleibt Geschäftsgeheimnis der Schufa

Die Karlsruher Richter sahen keinen Auskunftsanspruch der Klägerin zu den konkreten Angaben zu Vergleichsgruppen und über die Gewichtung der in den Scorewert eingeflossenen Merkmale. Nach dem Gesetz ( § 34 Abs. 4 Satz 1 Nr. 4 BDSG) müsse die Schufa darüber keine Auskunft erteilen. Trotz der Schaffung einer größeren Transparenz bei Scoringverfahren hätten die Auskunftsdateien ein Recht darauf, ihre Geschäftsgeheimnisse– insbesondere die Scoreformel – zu schützen. Die Auskunftsverpflichtung soll dazu dienen, dass der Betroffene den in die Bewertung eingeflossenen Lebenssachverhalt erkennen und darauf reagieren kann.

Welche Auskunft die Schufa erteilen muss

Das Ziel eines transparenten Verfahrens würde dadurch erreicht, dass für den Betroffenen ersichtlich ist, welche konkreten Umstände als Berechnungsgrundlage in die Ermittlung des Wahrscheinlichkeitswerts eingeflossen sind. Diese Informationen wurden der Autokäuferin von der Schufa – allerdings zum Teil erst während des Verfahrens vor dem Bundesgerichtshof – erteilt. Ihr wurden alle bei der Beklagten zu ihrer Person gespeicherten Daten übermittelt. Ferner wurde sie über die in den letzten zwölf Monaten an Dritte (relevante Kreditgeber wie Banken, Leasinggeber) übermittelten und die aktuell berechneten Wahrscheinlichkeitswerte sowie über die zur Berechnung der Wahrscheinlichkeitswerte genutzten Daten informiert.

Tipp für Hypothekenkreditnehmer

Jeder Verbraucher darf einmal im Jahr kostenlos eine Auskunft über seinen Score verlangen. Datenschützer raten, die gespeicherten Daten und ihre Herkunft, die Empfänger dieser Daten, die aktuellen und die in den vergangenen zwölf Monaten weitergegebenen Scores sowie eine "individuelle und einzelfallbezogene Erklärung" dieser Werte abzufragen. Vordrucke zur Selbstauskunft gibt es beim Bundesdatenschutzbeauftragten. Es kommt relativ oft vor, dass die Daten nicht stimmen oder nicht mehr aktuell sind – was zu schlechten Konditionen oder zu einer Kreditabsage führen kann. Die Auskunfteien sind dazu verpflichtet, falsche Daten zu berichtigen. Sind Daten falsch, empfiehlt es sich, einer formlosen, schriftlichen Beschwerde Unterlagen beizulegen, die den Fehler belegen. Bis zu einer Klärung des Streitfalls müssen die Unternehmen die Daten sperren, das heißt, auf Basis der strittigen Daten darf es keine negative Bonitätsbewertung geben.

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