September 2014 - News

Experten erwarten sinkende Strompreise

EEG-Umlage soll erstmals leicht gesenkt werden

26.09.2014 - Mit der EEG-Umlage sollen die Kosten des Ausbaus erneuerbarer Energien finanziert werden. Mitte Oktober wird die Umlage für das jeweils nächste Jahr festgelegt. Nun können Verbraucher kurzfristig mit einer Senkung der Umlage rechnen.

Seit 2010 sind die Bruttomieten stark gestiegen – vor allem aufgrund der Preisexplosion bei der "zweiten Miete". Verantwortlich für die  höhere Belastung der Haushalte sind dabei nicht die Vermieter, sondern neben den Energieanbietern vor allem auch der Staat durch die Ökostrom-Umlage (EEG-Umlage aus dem Erneuerbaren Energien Gesetz). Für das kommende Jahr gibt es nun für Mieter und Eigennutzer deutliche Anzeichen, dass sie auf eine niedrigere EEG-Umlage und damit sinkende Strompreise hoffen können.

Bemessung und Entwicklung der EEG-Umlage

Ungeachtet ihres Bedarfs müssen die Betreiber der Stromnetze allen Strom, der aus anderen Energiequellen als aus fossilen Brennstoffen oder Kernkraft erzeugt wird, abnehmen und in ihr Stromnetz einspeisen. Die Netzbetreiber legen die garantierte Vergütung für diesen aus erneuerbaren Energien produzierten Strom über die EEG-Umlage auf den Strompreis der Verbraucher um. Seit ihrer Einführung lag der Anstieg der EEG-Umlage deutlich über der Inflationsrate. 2009 stieg die EEG-Umlage von 1,13 Cent pro Kilowattstunde (kWh) um über 80 Prozent sprunghaft auf gut 2 Cent/kWh an und beträgt mittlerweile (2014) sogar 6,24 Cent/kWh. Damit ist die Umlage ein Haupttreiber des Preises für Elektrizität, der seit 2010 laut Statistischem Bundesamt um 26 Prozent gestiegen ist und sich seit der Jahrtausendwende etwa verdoppelt hat.

Die Umlage berechnet sich gemäß einer Verordnung (Verordnung zur Weiterentwicklung des bundesweiten Ausgleichsmechanismus – AusglMechV) aus der Differenz der Einnahmen aus der Vermarktung des EEG-Stroms und den Aufwendungen im Zusammenhang mit der Abnahme des EEG-Stroms, hier vor allem der nach dem EEG zu leistenden Vergütungen. Mitte Oktober wird die Umlage für das jeweils nächste Jahr festgelegt. Dabei muss der Mittelbedarf für das Folgejahr geschätzt werden. Wenn die Menge von Strom aus Solar- und Windkraftwerken sich aber anders entwickelt als prognostiziert oder wenn sich die Preise ändern, ist die festgelegte Umlage entweder zu hoch oder zu niedrig. In den vergangenen Jahren wies das EEG-Konto aus diesem Grund immer ein Minus auf, das mit einer höheren Umlage im Jahr darauf ausgeglichen werden musste. Auch 2013 waren die Kosten der Förderung deutlich höher als gedacht. Der Fehlbetrag von 2,3 Milliarden Euro wurde dann auf die EEG-Umlage 2014 aufgeschlagen – die aktuelle EEG-Umlage von 6,24 Cent pro Kilowattstunde beinhaltet Nachzahlungen für 2013 in Höhe von 0,58 Cent pro Kilowattstunde.

Aufgrund eines Überschusses EEG-Umlage Senkung erwartet

Aktuell ist das EEG-Konto nun aber mit 1,5 Milliarden Euro im Plus. Für 2014 war die EEG-Umlage folglich mit 6,24 Cent zu hoch angesetzt. Verbraucher mussten mehr berappen, als an Wind-, Biogas- und Solaranlagenbetreiber auszuzahlen war. Die nicht genutzte EEG-Umlage muss 2015 zurückgezahlt werden. Dieser Effekt könnte Stromkunden im kommenden Jahr um etwa 0,2 Cent pro Kilowattstunde entlasten, so die Einschätzung des Beratungsunternehmens Agora Energiewende in Berlin. Eine Durchschnittsfamilie mit einem Verbrauch von 5000 Kilowattstunden würde dadurch etwa zehn Euro im Jahr sparen.

Überangebot setzt zudem Strompreise unter Druck

Zudem sind an der Strombörse sinkende Preise aufgrund Überkapazitäten und der gesunkenen Nachfrage nach Strom zu beobachten, die sich zeitverzögert auch auf die Bezugskosten der Haushalte niederschlagen könnten. Marktexperten erwarten, dass sich dieser Preisverfall im kommenden Jahr und 2016 sogar noch stärker auf die Preise der Endabnehmer auswirken wird.

Langfristige Strompreisentwicklung unklar

Dennoch bleiben große Unsicherheiten, wie sich die Strompreise langfristig entwickeln. So würde sich ein Gasembargo von Russland auch auf die Stromerzeugung und damit auf die Preise auswirken. Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) sieht auch den Preisanstieg aufgrund der EEG-Umlage langfristig keinesfalls gestoppt. „Die tatsächlichen Kosten der EEG-Förderung sind indes nicht gesunken. Im Gegenteil: Von Januar bis August wurden 14,7 Milliarden Euro Fördergelder ausgegeben. Gegenüber dem Vorjahr waren das Mehrkosten in Höhe von 529 Millionen beziehungsweise 4 Prozent. Und ob die im August in Kraft getretene EEG-Reform wie erhofft eine wirksame Kostenbremse ist, werden erst die kommenden Monate zeigen.“ (IW Köln)