September 2014 - News

Zinswende – Baufinanzierung deutlich teurer

30.09.2013 - Forward-Darlehen noch recht günstig

Von Mai bis heute sind die Hypothekenzinsen für zehnjährige Darlehen von 2,3 auf 2,8 Prozent gestiegen. Viele Hauseigentümer fragen sich, ob dies die Zinswende nach oben ist. Auch wenn Notenbanker und der Markt aktuell dagegen sprechen: Vorsichtige Kreditnehmer sichern sich jetzt langfristig die günstigen Zinsen.

Die Zinsen steigen wieder. Nach Erreichen eines Tiefpunktes Anfang Mai 2013 haben sich die Zinsen am Kapitalmarkt in den letzten Monaten kontinuierlich erhöht. Zwischenzeitlich ist die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen sogar wieder über die Zwei-Prozent-Marke geklettert. Dieser Wert wurde zuletzt im März 2012 erreicht. Vieles spricht für eine Zinswende – auch beim Baugeld.

EZB steht unter politischem Druck, die Zinsen niedrig zu halten

Dagegen spricht jedoch, dass die Europäische Zentralbank (EZB), die die Leitzinsen für die Kapitalmärkte im Euro-Raum vorgibt, weiterhin eine Niedrigzinspolitik verfolgt. „Wir erwarten, dass die Notenbankzinsen im Euro-Raum für einen ausgedehnten Zeitraum auf dem aktuellen oder einem niedrigeren Niveau bleiben werden“, so Mario Draghi, Präsident der EZB, am 4. Juli 2013. Die EZB steht unter dem Druck hochverschuldeter südeuropäischer EU-Länder wie Griechenland, Portugal oder Spanien sowie den anderen EU-Mitgliedsstaaten, die Garantien für Schuldnerstaaten übernommen haben. Die EZB kann sich aber nicht von den Kapitalmärkten und anderen Währungsräumen abkoppeln. Weil bislang andere wichtige große Notenbanken, wie die FED in den USA und die Bank of England in Großbritannien, ebenfalls eine expansive Geldpolitik verfolgten, ergaben sich für die Anleger kaum Alternativen.

Die Währungen unterliegen auch dem Wettbewerb um Kapitalanleger


Aktuelle Prognosen zeigen einen Zinsansteig für 2014. (Bild: BHW)

Doch in den USA mehren sich mit dem Konjunkturaufschwung die Stimmen, sich langsam von dem künstlich niedrigen Zinsniveau zu verabschieden. Die vermutlich neue FED-Präsidentin Janet Yellen wird sich erst die Glaubwürdigkeit verschaffen müssen, die Inflation in Zaum halten zu können. Wie sich in der Vergangenheit gezeigt hat, führte eine lockere Geldpolitik wie in den 1970er oder 1980er-Jahren zu einer höheren Inflation oder Ende der 1990er-Jahre zu Preisblasen an Aktienmärkten oder Mitte der 2000er-Jahre an den Immobilienmärkten. Sollte dies verhindert werden, müsste die FED die Geldmenge schrittweise durch höhere Zinsen wieder abschöpfen.

Wenn in den USA die Zinsen steigen, dann müsste die EZB aber nachziehen, um einen massiven Kapitalabfluss aus dem Euroraum in amerikanische Anleihen zu verhindern. Denn die Altersvorsorge der Deutschen in Form von Kapitallebens- und Rentenversicherungen unterliegt aufgrund des niedrigen Zinsniveaus nach Steuern und Inflation einem Wertverlust. Die Lebensversicherer, aber auch andere Anleger im Euroraum suchen daher dringend nach höher rentierlichen Anlagen. Bereits jetzt investieren Anleger des Euro-Raums zunehmend in Schwellenländer, die höhere Wachstumsraten als Europa aufweisen.

Tipp für Kreditnehmer: Niedrige Zinsen jetzt langfristig sichern

Es ist unwahrscheinlich, dass die Schuldner dauerhaft auf Kosten der Gläubiger ihre Interessen über die Zentralbanken durchsetzen können. Aktuelle oder künftige Kreditnehmer, insbesondere Immobilienbesitzer und -käufer, sollten daher die niedrigen Zinsen nutzen. Investoren und Eigenheimerwerber sollten sich nach Ansicht neutraler Finanzierungsexperten die aktuell günstigen Konditionen durch eine möglichst langfristige Zinsfestschreibung mit einer Dauer von über 10 bis 20 Jahre sichern. „Für Kredite über 20 Jahre werden derzeit nur ungefähr 0,6 Prozent höhere Zinsen fällig als für zehn Jahre“, sagt Max Herbst, Geschäftsführer der FMH Finanzberatung. „Der Anleger kann sich damit historisch günstige Konditionen lange sichern, hat Planungssicherheit und muss nicht fürchten, nach zehn Jahren eine womöglich sehr teure Anschlussfinanzierung tätigen zu müssen.“ Zudem empfiehlt sich bei dem niedrigen Zinsniveau, eine möglichst hohe Tilgung zu vereinbaren.

Kreditnehmer, deren Zinsbindung in wenigen Jahren ausläuft, können sich die niedrigen Zinsen auch bereits jetzt durch so genannte Forward-Darlehen sichern. Aktuell ist der Preis für die Sicherung der aktuell günstigen Zinsen dieser künftigen Darlehen relativ gering. Der Forward-Aufschlag für ein Darlehen in zwei Jahren beträgt nur etwa 0,5 Prozentpunkte. Kreditnehmer können sich also mit Forward-Darlehen relativ günstig eindecken. Der geringe Aufschlag sagt auch etwas über die Erwartung des Marktes bezüglich naher Zinserhöhungen aus: Die Masse der Kreditnehmer und Kreditgeber geht nicht von einem starken Zinsanstieg aus. Doch die Masse kann sich irren. Wer auf Nummer sicher gehen will und in den nächsten zwei Jahren eine Anschlussfinanzierung sucht, sichert sich daher ein aktuell günstiges Forward-Darlehen.

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