August 2014 - News

Wohnungsnot in Frankfurt und München

05.08.2013 - Einkommensschwache Familien und Senioren betroffen

Einkommensschwache Familien und ältere Menschen finden in Ballungsräumen immer weniger bezahlbaren Wohnraum. Zwei Studien offenbaren das vernachlässigte Wohnsegment in deutschen Großstädten.

Laut einer Studie der Empirica AG im Auftrag der Bertelsmann Stiftung haben Familien, die weniger als 60 Prozent des ortsüblichen Durchschnittseinkommens verdienen, in den meisten deutschen Großstädten weniger Geld zur Verfügung als eine Hartz IV-Familie. Die Gründe sind die hohen Mieten und das geringe Wohnungsangebot für diese Mieter.

Modellberechnung für Familien

Neubau-Mehrfamilienhaus mit Balkons

Bezahlbarer Wohnraum in Ballungsgebieten ist immer schwerer zu finden. Bild: U. Lohrer

Die bundesweit einheitliche Armutsgrenze lässt regionale Unterschiede der Lebenshaltungskosten außer Acht. Ein Einkommen von 2000 Euro ist etwa in Zwickau ungleich mehr wert als in München. Für die 100 vom Marktforschungsunternehmen Empirica untersuchten Städte wurden deshalb Mietbelastungskennziffern einkommensarmer Familien in das Verhältnis zum gegenwärtig verfügbaren preiswerten Wohnraum für Familien der jeweiligen Stadt gesetzt. Dabei wurde von einer Familie mit zwei Kindern unter 14 Jahren und zwei Erwachsenen mit einem monatlichen Nettoeinkommen in Höhe der lokalen Armutsschwelle ausgegangen. Für die Berechnung der familiengeeigneten Wohnungen wurden Mietangebote (Geschosswohnung oder Eigenheim) herangezogen, die in der jeweiligen Stadt im unteren Preissegment (unteres Drittel) liegen.

In Frankfurt bleibt nach der Miete am wenigsten übrig

Danach verbleiben einer einkommensschwachen Familie in Frankfurt am Main nach Abzug der Mietkosten gerade mal 739 Euro für die restlichen Aufwendungen des alltäglichen Lebens. Dies sind 37 Prozent weniger als der Regelsatz nach SGB II (Hartz IV) vorsieht.  Wird die lokale Miete auf die Armutsschwelle bezogen, müssen in Frankfurt 52,8 Prozent (Mietbelastung) des Einkommens dieser Familien für das Wohnen ausgegeben werden. Bezogen auf die Mietbelastung folgen Freiburg im Breisgau (49,9 Prozent), München (49,7 Prozent) und Regensburg (43,6 Prozent). Unter den großen Städten ergibt sich nach Mietbelastung folgende Reihenfolge: Hamburg (42,5 Prozent), Düsseldorf (39,8 Prozent), Stuttgart (37,5 Prozent) und Köln (36,3 Prozent). Berlin (30,9 Prozent), Dresden (30 Prozent), Hannover (26,9 Prozent), Leipzig (26,6 Prozent) und Dortmund (22 Prozent) weisen für das knappe Budget armer Familien unter den Großstädten noch die geringste Mietbelastung auf.

Knappes Angebot an erschwinglichem Wohnraum

Möchte eine Familie maximal 30 Prozent ihres Einkommens – das ist der bundesweite Durchschnittswert – fürs Wohnen ausgeben, tendiert mancherorts das Angebot auf dem Wohnungsmarkt gegen null. In Frankfurt am Main, Offenbach, Freiburg, Konstanz, München, Potsdam und Jena können sich Familien mit niedrigen Einkommen von allen familiengeeigneten Angeboten nur jede hundertste Wohnung leisten.

Ältere Menschen bangen um bezahlbare Wohnungen

Einkommensschwache Familien sind nicht die einzige Mietergruppe, die von dem geringen Angebot an bezahlbaren Mietwohnungen in Großstädten betroffen sind. Nach einer vom Verband bayerischer Wohnungsunternehmen (VdW Bayern) durchgeführten Umfrage, fürchten 83 Prozent aller Befragten, dass es künftig nicht genügend bezahlbare Seniorenwohnungen geben wird. Das sind sechs Prozentpunkte mehr als noch vor einem Jahr, wie der VdW Bayern mitteilte. Von den Über-50-Jährigen seien sogar 87 Prozent davon überzeugt, dass bezahlbare Wohnungen für Senioren immer knapper werden. Mit Blick aufs altersgerechte Wohnen würden die meisten Menschen so lange wie möglich in der gewohnten Umgebung leben wollen.

Tipp für Vermieter

Häufig gibt es bei älteren Mietern und auch bei Familien mit geringem Einkommen aufgrund der gefestigten familiären Strukturen relativ geringe Mietausfälle. Da die Nachfrage nach günstigem Wohnraum in Großstädten groß ist, kann es sinnvoll sein, dieses Segment mit Wohnraum zu bedienen. Für Käufer und Eigentümer von günstigen  Immobilien an dezentralen Lagen mit einfacher Ausstattung kann sich daher auch für relativ günstige Mieten eine lukrative Mietrendite ergeben. Nicht jede Sanierung, energetische Maßnahme und nicht jeder Umbau ist daher empfehlenswert, da diese Investitionen nicht immer am Markt honoriert werden und sich diese Kosten nicht immer auf die Miete umlegen lassen. Denn Mieter mit höherer Zahlungsbereitschaft bevorzugen auch häufig zentrale Lagen.

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