Live-Talk: Das müssen Sie bei der Grundsteuererklärung beachten!

Peter Steinhauer von Vermietet.de und Steuerexperte Wolfgang Wawro erläutern Ihnen Schritt für Schritt, was es als Eigentümer:in bei der Grundsteuererklärung zu beachten gilt. Profitieren Sie von wertvollen Tipps aus der Praxis und den beantworteten Zuschauer-Fragen während des Gesprächs. Die wichtigsten haben wir Ihnen noch einmal unten auf der Seite zusammengefasst.

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Live-Talk: Das müssen Sie bei der Grundsteuererklärung beachten!

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FAQ: Häufig gestellte Fragen unserer Zuschauer

Eine Auswahl der wichtigsten Zuschauer-Fragen

Wo bekomme ich Auskunft über meine Bodenrichtwerte?

Die Bodenrichtwerte werden je nach Bundesland verschieden ausgewiesen. In vielen Bundesländern findet man die Bodenrichtwerte direkt auf dem eigenen Gemeinde- oder Stadtportal im Internet. Vielerorts gilt auch "BORIS" (Bodenrichtwert-Suche) als verlässliche Quelle. Aber Achtung! Das gilt nicht für jede Region. Und in manchen Bundesländern benötigt man die Bodenrichtwerte auch gar nicht, um die Grundsteuererklärung auszufüllen.

Wie wirken sich Preisschwankungen auf die Ermittlung der Grundsteuer aus?

Die großen Preisanstiege der vergangenen Jahre und die drohende Trendwende legitimieren diese Frage. Allerdings haben die Marktpreise keinen unmittelbaren Einfluss auf die Daten, da diese von den Ämtern unabhängig vom gezahlten oder angebotenen Preis einer Immobilie erhoben werden. Verkaufs- und Angebotspreise spielen hierbei keine Rolle. Der Bodenrichtwert ist kein Marktpreis, sondern ein aus dem Durchschnitt erhobener Preis, der von Gutachterausschüssen und Notaren anhand verschiedener Kriterien wie beispielsweise der Lage berechnet werden.

Wenn eine Eigentumsgemeinschaft besteht, muss dann jede:r innerhalb der Gemeinschaft eine Grundsteuererklärung abgeben? Werden zusätzliche Unterlagen benötigt?

Nein, nicht jede:r einer Eigentümergemeinschaft muss eine eigene Erklärung abgeben, sondern die Gemeinschaft tritt als eine Person auf, die die Grundsteuererklärung gemeinsam abgibt. Dabei tauchen alle, die zur Eigentümergemeinschaft gehören und entsprechend im Grundbuch stehen, namentlich auf der Grundsteuererklärung auf.

Was ist mit "aktueller Grundbuchauszug" gemeint?

Der Stichtag für die Grundsteuererklärung ist der 1. Januar 2022. 

Ein Grundbuchauszug ist immer dann aktuell, wenn vor dem 1. Januar 2022 alle Daten noch mit der tatsächlichen Immobilie übereinstimmen, also nichts dazugekommen oder weggefallen ist. 

Wie werden die Daten an das Finanzamt übermittelt?

Laut § 228 Absatz 6 des Bewertungsgesetzes muss die Feststellungserklärung des Grundwertes elektronisch an das Finanzamt übermittelt werden. Das gilt dann, wenn Steuerpflichtige zu einem Feststellungszeitpunkt von der Finanzbehörde zur Datenübergabe aufgefordert werden. Sie können entweder das ePortal „ELSTER“ nutzen oder einen Softwareanbieter wie grundsteuerwert.de, um alle erforderlichen Angaben beim Finanzamt zu machen.

Was gebe ich an, wenn ich Immobilien verschiedener Baujahre auf dem gleichen Grundstück stehen habe?

Bei Immobilien mit verschiedenen Baujahren auf demselben Grundstück gilt immer das neue Baujahr. Beispielsweise bei einer umfassenden Kernsanierung wird auch nicht mehr das ursprüngliche Baujahr angegeben, sondern das Jahr, in dem die Immobilie saniert wurde. 

Brauche ich für einen Tiefgaragenstellplatz eine gesonderte Grundsteuererklärung?

Für einen Tiefgaragenstellplatz benötigen Sie keine gesonderte Grundsteuererklärung. Allerdings muss dieser Stellplatz zuvor bewertet worden sein, ob er überhaupt mit in die Erklärung einfließen muss und entsprechend angerechnet werden kann. 

Wie lauten die konkreten Regeln bei der Flächenberechnung von z.B. Balkon, Keller, Treppen & Schrägen?

Die Wohnflächenverordnung sagt grundsätzlich: Kellerräume, Waschküchen, Heizungsräume oder Garagen zählen zunächst nicht zur Wohnfläche. 

Balkone, Terrassen und Loggien werden nur zu 25 Prozent eingerechnet.

Treppen mit mehr als drei Stufen: keine Wohnfläche, Teppen müssen komplett abgezogen werden. Treppen mit weniger als drei Stufen: 100 Prozent Wohnfläche.

Flächen unter Dachschrägen: wenn die Raumhöhe mehr als 2 Meter beträgt, werden Schrägen zu 100% zur Wohnfläche gezählt. Sobald die Raumhöhe zwischen 1 und 2 Metern liegt, müssen nur noch 50% der Fläche berücksichtigt werden. Unterhalb von 1 Meter wird die Fläche nicht zur Wohnfläche gezählt.  

Wird es eine Strafe bei verspäteter Einreichung geben?

Die Strafen für beispielsweise verspätete Einreichung belaufen sich auf 25 bis zu 250 EUR Zwangsgeld nach einmaliger Zahlungsaufforderung. Sollte weiterhin keine Grundsteuererklärung beim Amt eingehen, kann ein Strafgeld von bis zu 25.000 EUR auf Eigentümer:innen zukommen, die beispielsweise einige nennenswerte Grundstücke besitzen und keine schlüssigen Argumente vorweisen können, warum sie die Erklärung nicht abgegeben haben. 

 

 

Wie sind die Fristen und wird es eine voraussichtliche Fristverlängerung geben?

Die Abgabefrist für die Grundsteuererklärung geht bis zum 31. Oktober 2022. Ob und welche Fristverlängerungen es gibt oder geben wird, entscheidet sich gegebenenfalls auf Bundeslandebene, dazu kann aktuell aber noch keine offizielle Aussage getroffen werden. 

Wie exakt muss die Quadratmeterangabe sein? Gibt es da eine gewisse Toleranz?

Ihre Angaben müssen nicht millimetergenau sein, wenn 1 bis 2 Quadratmeter variieren, dann ist das nicht schlimm, aber Achtung! Achten Sie darauf, dass Ihre Angaben immer so genau wie möglich sind. Wenn Sie sich unsicher sind, konsultieren Sie lieber einen Vermessungsdienst oder Architekten, um auf der sicheren Seite zu sein. 

Achtung! Kommen die Daten dem Amt nicht plausibel vor, kann eine Nachprüfung und Vermessung stattfinden.

Darf die Grundsteuer auch weiterhin auf die Mieter:innen umgelegt werden?

An dieser Verordnung wird sich voraussichtlich nichts ändern. Generell können Sie weiterhin auf der Basis von § 2 der BetrKV Grundsteuern auf Ihre Mieter:innen umlegen. Hierbei ist nur wichtig, dass Sie diese Umlange entspregend als Klausel im Mietvertrag aufführen. Wenn dieser Hinweis fehlt, können Sie die Nebenkosten und damit inbegriffen auch die Grundsteuer nicht auf Ihre Mietparteien umlegen. 

​Muss die Grundsteuererklärung auch für Immobilien abgegeben werden, die nach dem 1. Januar 2022 gekauft wurden?

Nein, da der Stichtag der 1. Januar 2022 ist, müssen Grundstücke, die danach gekauft wurden, vorerst nicht für die neue Grundsteuererklärung berücksichtigt werden. 



Alle Angaben auf dieser Seite sind ohne Gewähr und ersetzen in keinem Fall eine individuelle Beratung durch einen Steuerberater. Ihre Frage war nicht dabei? Vielleicht hilft Ihnen unsere Informations-Seite zur Grundsteuer oder unser kostenloser Grundsteuer-Rechner weiter!




Wolfgang Wawro, Steuerexperte

Peter Steinhauer, Vermietet.de

Im Gespräch:

Steuerexperte Wolfgang Wawro: Er ist als Steuerberater mit eigener Kanzlei in Berlin tätig. Wolfgang Wawro war zwölf Jahre Präsidiumsmitglied des Deutschen Steuerberaterverbandes und Mitglied des Ausschuss für Steuerrecht.

Peter Steinhauer: Er ist Team Lead Content bei Vermietet.de, verantwortet den Vermieter-Podcast Quadratmeter sowie das Magazin auf Vermietet.de. Als Eigentümer zweier Miethäuser in Köln kennt er den Vermieteralltag aus erster Hand.

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