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Die Sondertilgung

Wer den monatlichen finanziellen Spielraum hat, sollte vor Vertragsabschluss eine kostenlose Option für Sondertilgungen aushandeln. Denn je mehr Sondertilgungen Sie vornehmen, desto mehr Zinsen können gespart werden, und desto schneller ist das Darlehen abbezahlt.

Die Sondertilgung kann aus einmalig oder mehrmalig gesondert eingezahlten Beträgen bestehen. Sie mindern den Rückzahlungsbetrag und damit gleichzeitig die anfallenden Zinsen. Die Sondertilgung kann aber auch ein monatlich zusätzlich eingezahlter Betrag sein.

In allen Fällen ist es wichtig, dass Sie die flexible Rückzahlung mit der Bank vorher vereinbaren.

Hierfür haben wir Ihnen ein Beispiel für eine monatliche Sondertilung vorgerechnet.

Fall A:
Beispiel für Sondertilgung

Ehepaar A hat sich eine monatliche Belastbarkeit von 1.100 Euro errechnet, das ist der Betrag, den es jeden Monat für Spar- oder Finanzierungszweck übrig hat. Sie geben jeden Monat den vollen Betrag von 825 plus 275 Euro für Zins und Tilgung ihres Hypothekendarlehens aus:

monatliche Belastbarkeit: 1.100 EUR
Hypothekendarlehen: 165.000 EUR
Laufzeit: 10 Jahre
Zins: 5 %
Tilgung: 1 %
Monatsrate: 825 EUR
Marge für Sondertilgung: 275 EUR = 3 %
Restschuld nach 10 Jahren: 101.000 Euro

Fall B:

Beispiel für nicht wahrgenommene Sondertilgung.

Familie B möchte trotz der gleichen monatlichen Belastbarkeit wie Ehepaar A nicht den ganzen Betrag für Zins und Tilgung ausgeben:

Sollte Familie B mit den gleichen Rahmendaten wie Ehepaar A keine Sondertilgung leisten, so ergibt sich eine Restschuld nach 10 Jahren von 143.650 Euro.

Die Annahme ist nun, dass nach 10 Jahren der Zinssatz auf 10 Prozent gestiegen ist und eine Vertragsverlängerung zu diesem Zinssatz geschlossen werden muss.

Dann steigt für Ehepaar A mit den geleisteten Sondertilgungen die Monatsrate auf:

3 Prozent Tilgung (!) plus 10 Prozent Zinsen = 1.095 Euro

Für Familie B steigt sie aber auf 1 Prozent Tilgung plus 10 Prozent Zinsen = 1.300 Euro

Auch die Restschuld ist bei Familie B mit 117.000 Euro sehr erheblich, daher kommen auch die hohen Zinsen:

Restschuld nach 20 Jahren:
48.000 Euro (Ehepaar A)
117.000 Euro (Familie B)

Schneller schuldenfrei mit der Sondertilgung
Die Zahlen verdeutlichen, dass Kreditnehmer, die eine Option auf Sondertilgungen haben, schneller ans Ziel, kommen. Sie sind also schneller schuldenfrei und bezahlen im Endeffekt weniger Zinsen. Aber das Beispiel macht auch klar, dass der Kreditnehmer B und sein Bankberater sich bei der Berechnung der Kredithöhe bezogen auf die Monatsraten verkalkuliert haben. Denn: Die Monatsrate von 825 Euro hätte auf jeden Fall in den ersten 10 Jahren bis zur monatlichen Belastbarkeit auf 1.100 Euro angehoben werden müssen. Nur so lassen sich bei einer kritischen Prognose Hochzinsphasen nach Ablauf der 10-Jahres-Zinsbindungsfrist überstehen.

Weitere Vorteile der Sondertilgung
Zu den Vorteilen kommt hinzu, dass Kreditgeber jene Kunden, die sich höhere Tilgung leisten können, auch noch durch günstigere Zinssätze belohnen. Die tiefere Logik liegt darin, dass die Banken das geliehene Geld so durch eine verkürzte Kreditlaufzeit rascher für weitere Geschäfte in Umlauf bringen können.

Dazu als Beispiel das Angebot einer Hypothekenbank
Für ein einprozentiges Tilgungsdarlehen verlangt sie einen Effektivzins von 4,8 Prozent. Bei einer 2-Prozent-Tilgung mit 1 Prozent Sondertilgung verlangt sie nur 4,76 Prozent Effektivzins und so weiter. Bei einer Tilgung von 4 Prozent mit 2 Prozent Sondertilgung liegt der Effektivzins dann nur noch bei 4,66 Prozent.

Kurze Laufzeit in Hochzinsphase, lange Laufzeit in Niedrigzinsphasen
Für Kreditnehmer, die in Hochzinsphasen einen Neukredit abschließen müssen, empfiehlt sich logischerweise, die Laufzeit möglichst kurz zu halten, damit sie nach ein oder zwei Jahren Laufzeit mit dem Abschluss eines neuen Vertrages von niedrigen Leitzinsen profitieren können.

Kann ich das Geld, das ich für Sondertilgungen jeden Monat übrig habe, nicht besser in anderen Anlageformen wie Fonds etc. vermehren?

Zur Beantwortung dieser Frage muss der Effektivzins des bestehenden Darlehensvertrages mit der möglichen Rendite einer Kapitalanlage verglichen werden. Ist die Rendite durch die Anlagemöglichkeit größer als die Effektivzinsen, die durch Sondertilgung geleistet werden, dann lohnt sich die Investition in externe Anlageformen.

Die Rechenformel dafür ist einfach:

Wie viel Euro bringt mir die Sondertilgung im Vergleich zur Investition am Kapitalmarkt?

Freier Investitionsbetrag x (Effektivzins - Rendite) = Profit aus Sondertilgungen

Beispiel:
Ein Darlehensnehmer hat für mehrere Jahre 30.000 Euro zusätzlich über die feste Zins- und Tilgungsrate hinaus zur Verfügung. Der Effektivzins für sein Darlehen beträgt 6Prozent. Die Rendite eines Wertpapierfonds liegt aber nur bei 5 Prozent.

Dann lautet die Formel:
30.000 Euro x (6 Prozent – 5 Prozent) = 300 Euro

Das Ergebnis lautet:
Mit der Sondertilgung von 30.000 Euro fährt der Kreditnehmer besser, er spart 300 Euro, wenn er nicht in Wertpapiere investiert. Diese können allerdings mit Risiken behaftet sein. Die Ersparnis bei der Sondertilgung ist sicher.

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