Stefanie Becker
Während ich die vorangegangene Kolumne meines Kollegen Martin gelesen habe, ist mir mal wieder aufgefallen, wie unterschiedlich Männer und Frauen doch sind - und dass die Männer doch irgendwie alle gleich sind! Ganz besonders, wenn es um die schönen und wichtigen Dinge des Lebens geht, wie beispielsweise das Einrichten und Dekorieren der Wohnung. Ja ja, ich weiß - die Männer unter Ihnen werden an dieser Stelle die Augen verdrehen, aber genau das meine ich! Während Männer also offenbar einen langsamen und mühseligen Weg bis zur perfekten Inneneinrichtung gehen - manchmal mit einem Umweg über die Kunst - ist den Frauen das Interesse an den schönen Kleinigkeiten in die Wiege gelegt - zumindest in den meisten Fällen, und ich persönlich kenne nicht eine einzige Ausnahme.
Schon zu Schulzeiten war es ein regelmäßiges Thema im Kreis meiner Freundinnen, wer gerade sein Zimmer umgeräumt und wer welche Bravo-Poster auf- oder wieder abgehängt hatte. Da kann man sich schon denken, welche Brisanz erst die Einrichtung der ersten eigenen Wohnung hatte. Mit reiner Funktionalität geben wir Mädels uns nämlich nicht zufrieden und während Martin damals zusammen mit seiner CD-Sammlung ein tristes WG-Zimmer teilte, dessen Highlight ein Poster der Heavy Metal Band Slayer war, und mein Freund ein ähnlich wohnliches Zimmer im Studentenwohnheim bewohnte, bin ich mit einem Sammelsurium aus alten Kinderzimmer-Möbeln in meine erste eigene Wohnung gezogen. Ich gebe zu, es hat eine Weile gedauert, und es war viel Arbeit, aber ich habe so lange geschmirgelt, gestrichen, genäht, beklebt und bemalt bis trotz des bunten Mixes eine gemütliche Harmonie entstanden ist. Im Laufe der Zeit habe ich dann immer mal wieder Möbelstücke erneuert und natürlich diverse Deko-Elemente ausgetauscht, aber immer so, dass es nie kahl oder unfertig wirkte.
Der Katalog des großen gelb-blauen Möbelhauses aus Schweden ist seitdem mein ständiger und treuer Begleiter - und als ich zwei Jahre in Folge beim Verteilen der Kataloge übergangen wurde, war sogar mein Vater empört: "Wie kann denn die treueste Kundin einfach so vergessen werden?" Mein Freund hat mir in diesen Jahren selbstlos sein eigenes Exemplar des Katalogs zur Verfügung gestellt und ich wette, er hat diese Geste jedes Mal aufs neue bereut, wenn er mit mir zusammen in der Schlange vor der Kasse warten musste, um eine Grünpflanze, einen Kerzenständer oder einen Bilderrahmen zu bezahlen.
Mittlerweile unternehme ich diese Ausflüge lieber alleine oder zusammen mit meiner besten Freundin, aber so ganz spurlos scheinen diese Erfahrungen trotz aller Nörgelei nicht an meinem Freund vorbei gegangen zu sein. Vielleicht ist es auch nur das Alter, aber als wir letzten Sonntag zusammen in unserem Wohnzimmer saßen, meinte er spontan zwischen Tagesschau und Tatort "Ich glaube, Du hast Recht. Wir sollten das Bild über dem Schreibtisch doch rahmen lassen, das sähe viel besser aus..."
Manchmal braucht es eben nur ein wenig Geduld - und einen Umweg über die Kunst.