Stefanie Becker
Weihnachten gilt gemeinhin als das Fest der Liebe, aber Weihnachten ist auch das Fest der Traditionen. Neben den allseits beliebten Bräuchen wie dem Plätzchenbacken, dem jährlichen Besuch der Kirche und dem Gänsebraten mit Rotkohl, gibt es auch zahlreiche Traditionen, die in jedem Jahr in jeder Familie vorkommen – über die aber keiner gerne spricht.
Da gibt es beispielsweise die alljährliche Panik, wenn zwei Tage vor Heiligabend noch immer die passenden Geschenke für die Großtante oder den Schwager fehlen. Da gibt es endlose Diskussionen darüber, bei welchen Schwiegereltern man welchen Weihnachtsfeiertag verbringt oder ob man womöglich die ganze Familie in seine eigenen vier Wände einlädt. Da gibt es handfeste Streits über die Auswahl und den richtigen Platz für den Weihnachtsbaum, die sogar schon zu Ehescheidungen geführt haben sollen - dabei ist der Weihnachtsbaum doch das wichtigste Deko-Element des ganzen Weihnachtsfests. Ja, und gerade deswegen, mögen Sie jetzt vielleicht denken und ich stimme Ihnen zu.
Wie bei so Vielem im Leben, lässt sich auch beim Thema Weihnachtsbaum ein Unterschied zwischen Männern und Frauen ausmachen und ein typischer Dialog hört sich in etwa so an:
Sie: "Schatz, wir müssen noch einen Weihnachtsbaum kaufen."
Er: "Ja, aber das hat doch noch zwei Wochen Zeit."
Sie: "Aber wenn wir zu lange warten, sind die schönen Bäume alle schon weg."
Er: "Wenn wir den Baum jetzt schon kaufen, fängt er an Weihnachten an zu nadeln."
Wie viele Tage vor Weihnachten dann ein Baum gekauft wird, hängt von der jeweiligen Durchsetzungskraft der beiden Kontrahenten ab, doch nach dieser ersten Konfrontation wird das Thema Weihnachtsbaum nicht einfacher. In der Regel folgen hitzige Diskussionen bei der Auswahl des Baums ("Der ist doch viel zu groß/klein/krumm etc."), beim Transport nach Hause ("Klar passt der ins Auto… oh, da müssen wir den Kofferraum wohl offen lassen.") und bei der Suche nach dem richtigen Platz im Wohnzimmer ("Da steht er doch total im Weg!").
Die Stunde der Wahrheit schlägt schließlich beim Aufstellen des Baums. In den meisten Fällen ist das nämlich - wie das Grillen im Sommer - Männersache. Und wehe, Frau merkt an, dass der Baum schief steht: Dann fühlt Mann sich derart in seiner Ehre gekränkt, dass so lange gesägt, gebastelt und festgebunden wird, bis der Weihnachtsbaum gerade steht, und sollte er von zehn Drähten oder mehr im Gleichgewicht gehalten werden müssen.
Wer jedoch all diese Hindernisse überwunden hat und immer noch miteinander spricht, der hat es fast geschafft. Einziges Hindernis könnte nun noch das Anbringen der Lichterkette sein, doch danach kann Weihnachten beginnen. Dann räumt Mann meistens das Schlachtfeld und Frau kann sich in aller Ruhe um die restliche Weihnachtsbaumgestaltung kümmern – immerhin hat sie diese bereits seit Mitte November geplant...
Doch all dieser Querelen zum Trotz: Nur wenige wollen auf die Tradition des Weihnachtsbaums verzichten, und ich gehöre auch nicht dazu.
Stefanie Becker