Interview mit Karen Heumann, Chefstrategin der Werbeagentur Jung von Matt und die Erfinderin des Wohnzimmer-Projekts.
Axxio: Die Einrichtung des von Ihnen kreierten Wohnzimmers wird ja immer wieder den Trends und Entwicklungen angepasst. Wirkt sich die Wirtschaftskrise aktuell auch auf das Wohnzimmer aus?
Karen Heumann: In Krisenzeiten ziehen sich die Menschen gerne in ihre eigenen vier Wände zurück und als Folge beschäftigen sich auch die Deutschen mehr mit ihrem Wohnzimmer. Große Investitionen stehen aufgrund der Krise allerdings nicht ins Haus, man setzt in Krisenzeiten eher auf Accessoires.
Axxio: Was sind die auffälligsten Veränderungen in den letzten Jahren?
Karen Heumann: Am auffälligsten ist das neue Sofa, da es eines der wesentlichen Bestandteile des Wohnzimmers ist. Außerdem musste sich der Herr der Wohnung von seinem letzten Stück aus Junggesellentagen trennen: Das schwarze Sideboard. Seine Frau hat es durch ein moderneres Sideboard mit Buchefunier eingetauscht. Für uns war aber besonders interessant, dass der PC in die deutschen Wohnzimmer eingezogen ist.
Axxio: Seit 2005 gibt es neben dem Wohnzimmer in Hamburg auch eines in Österreich und eines in der Schweiz. Gibt es deutliche Unterschiede?
Karen Heumann: Wir waren am Anfang sehr überrascht, wie ähnlich man in Deutschland, Österreich und der Schweiz lebt. Die Unterschiede liegen eher in den Details wie beispielsweise den verwendeten Materialien. So findet man im deutschen Wohnzimmer den guten alten Teppich, in Österreich Laminatboden und in der Schweiz Chlötzli-Parkett. Einen auffälligen Unterschied gibt es allerdings: Im Gegensatz zu uns Deutschen bevorzugen unsere südlichen Nachbarn die Farbe blau für ihr Sofa. In Deutschland sitzt man hingegen lieber auf warmen Tönen wie Terrakotta oder Apricot.
Axxio: Der Einrichtungsstil der Deutschen ist nicht unbedingt ein ästhetischer Hochgenuss. Edel sieht anders aus...
Karen Heumann: Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Die Deutschen fühlen sich in ihrem Wohnzimmer wohl und das ist für uns und vor allem für sie die Hauptsache.
Axxio: Mögen Sie die Müllers* eigentlich?
Karen Heumann: Ja, wir mögen die Müllers! Wir haben in den letzten 4 1/2 Jahren viel zusammen erlebt und sie sind uns definitiv ans Herz gewachsen. Mal abgesehen davon, finden wir doch alle etwas von den Müllers in uns.
Axxio: Wenn Sie eine Prognose wagen: Wie sieht das Wohnzimmer der Müllers in 15 Jahren aus?
Karen Heumann: Das ist schwer zu sagen! Die Müllers überraschen uns immer wieder. Wahrscheinlich wird sich das bevorzugte Design der Möbel noch mal ändern - denken Sie nur an den Wandel vom Gelsenkirchner Barock zu eher schlichterem Design und helleren Hölzern. Darüber hinaus könnte auch die veränderte Mediennutzung Auswirkungen haben. Vielleicht sehen wir bald mehr Technik in deutschen Wohnzimmern. Sicher ist: Wir behalten das Müllersche Wohnzimmer im Auge.
* Nicht reale Familie der Wohnzimmerstudie