Werner Rohmert, Immobilienspezialist "Der Platow Brief"
Herausgeber „Der Immobilienbrief“
Während die Offenen Immobilienfonds im BVI noch den Verbandskonsens suchen und den verpassten Chancen des Investmentgesetz nachtrauern, eine verbindliche Kündigungsregelung für alle Offenen Fonds gesetzlich festzulegen, hat die Catella Real Estate AG Kapitalanlagegesellschaft, eine Tochter der Catella Property AB Stockholm mit der Einführung von Kündigungsfristen reagiert. In traditioneller Ängstlichkeit befürchten viele BVI Verbandsfonds Wettbewerbsnachteile bei der Einführung von Fristen beim Einwerben von Kapital. Dabei ist die Trennung von institutionellen Anlegern und „schützenswerten“ privaten Kleinanlegern längst allgemein als Notwendigkeit erkannt. Demgegenüber hat Catella KAG Vorstandssprecher Dr. Andreas Kneip den Verlust von Zielgruppen bewusst in Kauf genommen, die nicht zu den „qualifizierten Anlegern“ eines langfristig angelegten Offenen Fonds gehören.
Zur Verbesserung der Planungssicherheit „qualifizierter Anleger“, die mit Chancen und Risiken der Immobilienanlage vertraut sind und die langfristige Investitionsziele verfolgen, vereinbart Catella nach § 80c Abs. 2 Satz 6 Investmentgesetz (InvG) für den Focus Nordic Cities als erstem deutschen Offenen Immobilienfonds mit Anlegern künftig eine Rücknahmefrist zum Ende des auf die unwiderrufliche Rückgabeerklärung folgenden übernächsten Monats. Das Gesetz gibt sogar einen Spielraum bis zu 12 Monaten. Aber auch zukünftig können Anteile für bis zu 100 000 Euro pro Tag und Kunde zurückgegeben werden.
Lt. Catella- Chef Kneip hatten lediglich die hektischen Aktivitäten mancher Dachfondsmanager, die unter Renditegesichtspunkten im Vergleich zum Geldmarkt investierten und zum Teil noch vor wenigen Wochen hohe zweistellige Millionenbeträge „langfristig“ angelegt hatten, den Fonds im Branchenkonsens gezwungen, die Anteilsrücknahmen auszusetzen, um einen absehbaren „Wettlauf“ von Rückgaben zu vermeiden. Die neue Frist verhindere plötzlichen Mittelabzug, erhöhe für alle Anleger die Planungs- und Renditesicherheit und ermögliche Maßnahmen des Liquiditätsmanagements bis hin zur Einleitung eines Immobilienverkaufs. Das erhöhe die Investitonssicherheit der Anleger. Die neuen Rücknahmefristen hätten auch in der aktuellen Sondersituation die langfristige Liquidität sichergestellt. Im Background bestätigt Kneip, dass nur die Plötzlichkeit der Rückgabewelle und weder Liquiditäts- noch Immobiliengründe für die Aussetzung von Anteilsrücknahmen bei Focus Nordic Cities ausschlaggebend waren. Die aktuelle Liquidität liege immer noch bei ca. 20% und die Fondsobjekte in Nordeuropa und auf dem Baltikum seien ausnahmslos langfristig mit einem aktuellen Vermietungsstand von 99,7% vermietet.
„Der Immobilienbrief“-Fazit: Dem Schutzbedürfnis der Kleinanleger, den der Gesetzgeber immer schon im Auge hatte, dürfte mit einer Rückgabe von 100 000 Euro pro Tag und Kunde wohl hinreichend Genüge getan sein. Als Ablenkung dürfte auch die Argumentation anderer Fonds gelten, man müsse dann ja dafür Sorge tragen, dass zukünftig genau nachvollziehen sei, dass Anleger ihr auf 20 000 oder 100 000 Euro begrenztes tägliches Rückgabevolumen nicht überschreiten würden. Wohl keinem Fonds macht Kleingeld oder die Sondersituation eines Anlegers Probleme. Es geht doch nur um den Abzug von zweistelligen Millionenbeträgen. Wenig zielführend ist deshalb auch das aktuelle BaFin-Absicht aus „Gründen der Gleichbehandlung“ (mit institutionellen Großanlegern?) Auszahlungspläne privater Rentenanleger gleichfalls auszusetzten. Wenn eine Branche schon Image-Probleme hat, findet sich sicher eine deutsche Behörde, die das Messer in der Wunde noch einmal herumdreht.