Klimaschutz muss sich für Vermieter lohnen. Eine Kombiförderung von Abriss und Neubau bringt mehr CO2-Einsparung als Zwangsmaßnahmen durch Investitionszwänge für Altbauten. Die Pläne der Bundesregierung, die Energieeinsparverordnung für Gebäude (EnEV) ab 2009 weiter zu verschärfen, schaden dem Klimaschutz mehr als sie ihm nützen. Das sind die zentralen Thesen eines aktuellen Gutachtens, das Prof. Dr. Volker Eichener, Gründungsrektor der neuen EBZ Business School in Bochum, am 4. Dezember in Berlin vorstellte.
Die ehrgeizigen Klimaschutzziele, zu denen sich die Bundesrepublik in internationalen Abkommen (Kyoto, G8) verpflichtet hat, werden sich nur erreichen lassen, wenn der Energieverbrauch in den bestehenden Wohngebäuden massiv gesenkt wird. Das soll mit der Energiesparverordnung erreicht werden, die nicht nur hohe Anforderungen an die Energieeinsparung bei Neubauten vorschreibt, sondern auch bei Umbau und Modernisierung bestehender Wohngebäude. Die ohnehin hohen Anforderungen sollen durch die Novellierung der EnEV, die in diesen Tagen in Berlin beraten wird, um weitere 30% verschärft werden.
Das sieht Eichner als Bärendienst für den Klimaschutz. Das Problem dabei liege darin, dass Vermieter dadurch zu Investitionen gezwungen werden, die unwirtschaftlich sind und auf eine Vernichtung ihres Vermögens hinauslaufen. Argumente der Bundesregierung, dass sich die Energiesparinvestitionen durch eingesparte Heizkosten rechnen würden, übersehen lt. Eichner das deutsche Mietrecht, dass dafür sorgt, dass die Mieter von den eingesparten Energiekosten profitieren, während der Vermieter auf seinen Kosten sitzen bleibt. Im Ergebnis würden die Vermieter überhaupt nichts mehr an ihren Häusern tun.
(Anm. des "Der Immobilienbrief"-Herausgebers: "Der Immobilienbrief" hat Sie bereits mehrfach darauf hingewiesen, dass gerade bei preisgünstigem Wohnraum die Belastungsgrenzen der Mieter erreicht sind. Weder Nebenkostenerhöhungen, die seit über einer Dekade faktisch von den Vermietern wohl zur Hälfte getragen werden, noch gesetzlich mögliche Mieterhöhungen lassen sich durchsetzen. Das Interesse von Mietern am Klimaschutz ist begrenzt. Mieterhöhungen bzw. Gesamtbelastungserhöhungen möchte niemand in Kauf nehmen, wie Umfragen zeigen. "Der Immobilienbrief" liegt insofern voll auf der Wellenlänge von Prof. Eichner.)
Wirksamer als Zwangsmaßnahmen wäre ein intelligentes Fördermodell. empfiehlt der Rektor der EBZ Business School. „Es gibt im Altbaubestand regelrechte CO2-Schleudern, bei denen eine extrem kostspielige energetische Sanierung unsinnig wäre. Besser wäre es, solche ökologischen Monstren ganz vom Markt zu nehmen – und den Eigentümern dafür eine Abrissförderung zu gewähren.“
Im Rahmen einer Kombi-Förderung könnte gleich der Neubau energieeffizienter und barrierefreier Wohnungen mitgefördert werden. Wenn man einen Altbau mit hohem Aufwand von 450 Kilowattstunden je Quadratmeter und Jahr auf 150 Kilowattstunden bringt, würden 300 Kilowattstunden eingespart. Wenn der Altbau stattdessen abgerissen und durch einen Neubau ersetzt würde, der nur noch 40 Kilowattstunden verbraucht, brächte das dem Klimaschutz eine deutlich höhere Einsparung von 410 Kilowattstunden. Außerdem profitierten neben Bauhauptgewerbe speziell mittelständische Unternehmen und das lokale Handwerk von einer solchen Belebung der Baubranche. Arbeitsplätze würden zu über 90% in Deutschland geschaffen.