Hans Christoph Ries, Finanzjournalist/ Investmentanalyst (DVFA)
Für Einfamilienhäuser muss nach Berechnungen von LBS Research in den meisten Nachbarländern deutlich mehr als hierzulande bezahlt werden. Luxemburg liegt mit einem Durchschnittspreis von 467.000 Euro in Führung. In Belgien und den Niederlanden sind Eigenheime mit über 300.000 Euro gut 40 Prozent teurer als in Deutschland (215.000 Euro). In Frankreich, Dänemark und auf den britischen Inseln beträgt der Aufschlag immerhin 15 bis 30 Prozent.
Nach Angaben der LBS-Experten haben sich damit in der letzten Dekade die Verhältnisse völlig umgekehrt. Mitte der 90er Jahre war Deutschland noch „Europameister“ bei den Hauspreisen. Viele sahen in den Niederlanden, Großbritannien und Dänemark Vorbilder für günstige Hausangebote. Mittlerweile haben sich jedoch in diesen und vielen anderen Ländern die Immobilienpreise mehr als verdoppelt, wie in Südeuropa (mit Italien und Spanien) oder auch in Schweden. Der britische Hauskäufer profitiert dabei noch von der Pfund-Abwertung. Bei Wechselkurs von November 2006 läge der Durchschnittspreis mit 308.000 Euro in der europäischen Spitzengruppe.Der Anteil des Einkommens, der für die monatliche Finanzierung aufgewendet werden muss, für Hauskäufer in Großbritannien seit Mitte der 90er Jahre um über ein Drittel angestiegen ist. Für die Niederlande wird im gleichen Zeitraum sogar eine Steigerung um 50 Prozent errechnet. Das ist Resultat der Immobilienpreisexplosion, die trotz niedriger Zinsen und auch trotz der gewachsenen Einkommen zu empfindlichen Belastungsquoten führt.
Demgegenüber hat sich in Deutschland bei stabilen Hauspreisen und günstigen Zinsen die monatliche Finanzierungslast für typische junge Familien laut LBS Research seit 1996 von über 30 Prozent auf weniger als 20 Prozent des Haushaltsnettoeinkommens reduziert. Die „Bezahlbarkeit“ von Wohneigentum hat sich hierzulande also mit anderen Worten um mehr als die Hälfte verbessert. In absoluten Ziffern: Wer ein Durchschnittshaus für 215.000 Euro mit 30 Prozent Eigenkapital finanziert, muss für Zins und 1 Prozent Anfangstilgung zur Zeit nur rund 750 Euro im Monat zahlen; im Vergleich zu Mieten für „ordentliche“ Objekte also keine besondere Hürde.
Parallel zu den positiven Infos meldet empirica und Techem lt. IZ einen sinkenden Wohnungsleerstand auf knapp 790.000 Einheiten in Deutschland. Das sind knapp 35.000 leerstehende Wohnungen weniger als 2006. In West-Städten sank der Leerstand erstmals seit Jahren wieder, und zwar auf 2,4% (Vorjahr: 2,5%). Deutlicher ging er in ostdeutschen Städten (einschließlich Berlin) von 6,5% auf 5,6% nach unten. Grundlage für die Analyse sind die Heizkostenabrechnungen von rund 2,1 Mio. Wohnungen.